Schutz nach einer Spritze

Corona in Hamburg: Johnson und Johnson wird zum Impf-„Joker“ im Norden

Im Gegensatz zu anderen Bundesländern läuft die Impfkampagne in Hamburg gut. Die Sozialbehörde sieht den Erfolg in der 1-Dosis-Impfung von Johnson & Johnson.

Hamburg – Die Inzidenzzahlen steigen rapide, die Bereitschaft zum Impfen flacht ab. Noch vor zwei Wochen ließen sich insgesamt 2,8 Millionen Menschen in Deutschland bei Ärzten, in Impfzentren oder bei mobilen Stationen impfen. In den letzten sieben Tagen waren es nur noch 2,3 Millionen Menschen. Die Impfmüdigkeit macht sich in Deutschland breit und die rückläufigen Zahlen machen Behörden und Ärzten Sorgen.

In Hamburg läuft die Impfkampagne im Vergleich zu anderen Bundesländern aber recht gut. Die Sozialbehörde geht davon aus, dass der Impfstoff von Johnson & Johnson dies bedingt. Da der Impfstoff des Herstellers nur eine Dosis benötigt, um dem Patienten den vollständigen Impfstoff zu gewährleisten, sei das Vakzin der so benannte „Joker“ der Impfkampagne.

7-Tage-Inzidenzwert Hamburg87,3 (Stand 20. August 2021)
7-Tage-Inzidenzwert Schleswig-Holstein50,0 (Stand 20. August 2021)
7-Tage-Inzidenzwert Niedersachen35,5 (Stand 20. August 2021)
7-Tage-Inzidenzwert Bremen50,5\t(Stand 20. August 2021)
7-Tage-Inzidenzwert Mecklenburg-Vorpommern31,8 (Stand 20. August 2021)

Inzidenzwert Hamburg sinkt leicht: In der Hansestadt gibt es auch die meisten Impfwilligen

In Hamburg ist im August der Anteil der vollständigen Geimpften um 6,9 Prozent gestiegen. Damit ist die Hansestadt das Bundesland, in dem prozentual noch immer am meisten Impfwillige dazukommen, die sich den Impfstoff verabreichen lassen. Auch in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen (beide 5,7 Prozent) sind noch immer viele Menschen zum Impfen bereit. In Sachsen und Thüringen (beide 2,2 Prozent) läuft die Impfkampagne aber gar nicht gut weiter.

Das Sozialministerium Sachsen sieht den Grund dafür in der Urlaubszeit. Außerdem habe das Bundesland so hohe Corona-Zahlen gehabt, dass viele Genesene die Notwendigkeit einer Impfung nicht so sehr spüren würden. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz, meint zudem, dass die hohe Zahl der AfD-Wähler im Osten sich den Parteimitgliedern anschließt, die im Großteil eher gegen das Impfen argumentieren.

Impfstoff von Johnson & Johnson in Hamburg erfolgreich: 1-Dosis-Impfung lockt wegen geringem Aufwand

Den Grund für den Impferfolg in Hamburg sieht die Hamburger Sozialbehörde in dem Impfstoff von Johnson & Johnson. „Der Impfstoff von Johnson & Johnson spielt eine große Rolle in der derzeitigen Phase der Impfkampagne“, erklärte ein Sprecher der Behörde gegenüber dem Tagesspiegel. Mittlerweile stehen Hamburg 20.000 Dosen des Impfstoffs zur Verfügung, zu Beginn der Impfkampagne waren es nur 1000.

Damals wurden diese Dosen zum Beispiel an Obdachlose verabreicht, die man eventuell kein zweites Mal – geschweige denn für eine potenzielle dritte Impfung – sehen würde. Nun soll auch der Rest der Bevölkerung das Vakzin von Johnson & Johnson bekommen, weil davon nur eine Impfung benötigt wird. Der Impfstoff ist also so etwas wie der „Joker“ der Impfkampagne.

Im Hamburg ist vor allem der 1-Dosen-Impfstoff von Johnson&Johnson wichtig für die Impfkampagne.

Besonders die Tatsache, dass man sich bei einer Impfung von Johnson & Johnson nicht zweimal piksen lassen muss, ist für viele ein Anreiz. Laut dem Sprecher der Sozialbehörde gebe es eine „spezielle Zielgruppe“, die sich jetzt impfen lässt, weil die einmalige Impfung einfach weniger aufwändig sei. „Wer sich impfen lassen wollte, konnte das schon längst tun. Die, die sich jetzt erst impfen lassen, wollten das zum großen Teil zuvor einfach nicht.“

Keine Impfungen im Urlaub: Hamburger Sozielbehörde rechnet mit mehr Impfen nach den Ferien

Ein weiterer Vorteil sei auch, dass der vollständige Impfschutz von einem Johnsohn&Johnson-Impfstoff schon nach zwei Wochen eintritt. Bei einer Impfung von Astrazeneca oder Biontech, die zwei Dosen in einem gewissen Abstand benötigt, kann es bis zu einem vollständigen Impfschutz zwei Monate dauern.

Weiterhin rechnet man in Hamburg damit, dass die Impfzahlen nach den Sommerferien wieder zunehmen. Der Behördensprecher erklärte weiter, dass viele sich in ihrem Urlaub einfach nicht mit Impfungen beschäftigen wollten. Nach den Sommerferien werde die Anfrage aber wieder höher sein. Außerdem locken mittlerweile die lockereren Corona-Regeln für Geimpfte, so der Sprecher: „Es hat vor allem pragmatische Gründe.“ * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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