1. 24hamburg
  2. Hamburg

Inzidenzen, Omikron, Impfen: Landesväter Tschentscher und Günther zur Corona-Lage

Erstellt:

Von: Kevin Goonewardena

Kommentare

Peter Tschentscher und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther diskutierten auf Einladung einer Zeitung Corona, Quarantäne und Querdenker. Die wichtigsten Aussagen zusammengefasst.

Hamburg – Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und sein schleswig-holsteinischer Amtskollege Daniel Günther (CDU) gehen in der Coronakrise ganz unterschiedlich vor. Gemein haben beide, dass man ihnen nachsagt, bei der Pandemiebekämpfung einen vergleichsweise guten Job zu machen.

Name:Schleswig-HolsteinName:Hamburg
Fläche:15.760 km²Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:rund 2,9 MillionenBevölkerung:rund 1,9 Millionen
Regierungsoberhaupt:Daniel Günther (CDU, seit 2017)Regierungsoberhaupt:Peter Tschentscher (SPD, seit 2018)

Tschentscher & Günther zu den steigenden Inzidenzzahlen im Norden

Überall steigen die Zahlen, in Hamburg kratzt der Inzidenzwert an der 500er Marke und auch in Schleswig-Holstein schnellt der Wert in die Höhe. Beide Bundesländer kamen bisher vergleichsweise gut durch die Pandemie. Laut Daniel Günther seien „Hamburg und Schleswig-Holstein“ im bundesweiten Vergleich „jetzt auf den Plätzen drei und vier im Ranking.“ Der Ministerpräsident erinnert allerdings auch daran, andere Faktoren bei der Pandemieentwicklung zu berücksichtigen und nicht nur den Inzidenzwert heranzuziehen. „Wir hatten zum Beispiel im Januar letzten Jahres, als wir uns hier getroffen haben, über 500 Krankenhausbetten belegt, jetzt sind wir bei 200 in Schleswig-Holstein“, so Günther im gemeinsamen Abendblatt-Gespräch mit Peter Tschentscher und schließt: „Von daher ist die Situation dort weit entspannter, als vielleicht die Inzidenzen das im Moment nahelegen.“

Peter Tschentscher erklärt die steigenden Zahlen im Norden mit der Ausbreitung der Omikron-Variante und eben jene mit der geografischen Lage der Nord-Bundesländer. Tschentscher dazu: „Die These ist, dass die Nähe zu Dänemark eine Rolle spielt, wo ja die Omikron-Variante schon seit Längerem sehr stark präsent ist.“

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) vor einem Impfzentrum
Corona: Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sind sich in Sachen Impfpflicht einig. (24hamburg.de-Montage) © Georg Wendt/Axel Heimken/Christian Charisius/dpa

Tschentscher & Günther über die Impfpflicht

Beide Politiker fordern eine Impfpflicht, wie das Abendblatt anmerkt. Daniel Günther, angesprochen auf die Frage, worauf man bei der Einführung der Impfpflicht noch warte: „Es gibt einen klaren Beschluss von Bund und Ländern, dass die Impfpflicht im Februar oder März kommt. Mein Wunsch ist, dass das so schnell wie möglich erfolgt. Ich finde, es gibt keinen Grund, jetzt zu zögern, denn wir merken ja jeden Tag neu, wie wichtig das Impfen ist, um aus dieser Pandemie herauszukommen. Und damit wir dauerhaft draußen bleiben, muss diese Impfpflicht sein.“

24hamburg.de Newsletter

Im Newsletter von 24hamburg.de stellt unsere Redaktion Inhalte aus Hamburg, Norddeutschland und über den HSV zusammen. Täglich um 8:30 Uhr landen sechs aktuelle Artikel in Ihrem Mail-Postfach – die Anmeldung ist kostenlos, eine Abmeldung per Klick am Ende jeder verschickten Newsletter-Ausgabe unkompliziert möglich.

Tschentscher & Günther zur Verkürzung der Quarantäne

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther erinnert an die nicht einheitlichen Quarantäne-Regeln, in dem er sagt: „Wir haben ja die absurde Situation, dass wir zwar bei 2G-plus-Regelungen die Regel haben, dass, wenn man geboostert ist, sich nicht testen lassen muss. Das Gleiche gilt aber nicht bei den Quarantäneregeln.“

Tschentscher mahnt, dass man „nicht einfach beliebig“ diese Regelungen verkürzen könne. „Dann bringt es gar nichts mehr, sondern es muss eine fachliche Empfehlung geben, und die kann man dann sofort umsetzen.“  Der Bürgermeister erinnert daran, dass es darum geht, „dass der Sinn der Quarantäne aufrechterhalten bleibt. Der Sinn ist ja, dass man diese Infektion nicht sofort weitergibt. Wir brauchen eine klare medizinische Einschätzung, wie bei Omikron und den Geimpften die Quarantäne sein muss, damit diese Schutzwirkung aufrechterhalten bleibt.“ Eine Einschätzung zur Verkürzung der Quarantäne, wie sie siet Tagen für die kommende Bund-Länder-Runde erwartet wird, oder zur Beschleunigung des Prozesses lassen sich beide Politiker somit nicht entlocken.

Tschentscher & Günther: Über Kapazitäten der PCR-Tests

Angesprochen ob überhaupt genug PCR-Tests beziehungsweise Laborkapazitäten zur Verfügung stünden, antwortet Peter Tschentscher mit einem klaren „Ja“, schränkt allerdings auch ein: „Wenn wir etwa das Screening in den Schulen mit PCR-Tests machen, dann kommen wir leicht an die Kapazitätsgrenzen. Aber für ein Freitesten aus einer Quarantäne müssten die Laborkapazitäten reichen.“

Tschentscher & Günther: Über Befürchtungen dass Querdenker weiteren Zulauf bekommen könnten

Einen weiteren Zulauf der Querdenker-Szene bei Einführung einer Impfpflicht, befürchtet zumindest Daniel Günther nicht. Er räumt allerdings Fehler ein, die die Politik hinsichtlich der nun kommenden Impfpflicht gemacht habe. Günther wörtlich: „Wir haben zu dieser Frage anfangs vielleicht nicht besonders glücklich kommuniziert, indem wir eine Impfpflicht zunächst sehr klar ausgeschlossen haben. Wir brauchen aber jetzt eine deutlich höhere Impfquote, um aus der Pandemie herauszukommen. Diesen Wechsel der Strategie hätten wir besser erklären können.“ Er glaube, so Günther weiter, „dass die Impfpflicht es den Menschen, die skeptisch sind, eher leichter macht, diesen Schritt zu gehen.“

Tschentscher & Günther über den Umgang mit Querdenkern:

Peter Tschentscher wirbt dafür Querdenker nicht zu kriminalisieren. Erst kürzlich hatte der Hamburger Verfassungsschutz bekannt gegeben, die Bewegung stärker beobachten zu wollen. Tschentscher sagte, dass es legitim und wichtig sei, dass es zu einem Thema verschiedene Meinungen gebe und diese auch geäußert werden können. Er sagte aber auch: „Weil die Impfpflicht eine weitgehende Maßnahme ist, rechne ich damit, dass sich die Impfgegner noch klarer und härter artikulieren. Das muss in einer Demokratie möglich sein, aber es muss nach den Regeln verlaufen. Es darf nicht zu Drohungen, Gewalt oder Ausschreitungen kommen.“ *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Kommentare