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Initiative OutInChurch: Katholische Bewegung erhält Ehren-Pride-Award in Hamburg

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Die katholische Bewegung #OutInChurch wird in Hamburg ausgezeichnet. Mit dem Ehren-Pride-Award werden Kampagnen und Personen mit Vorbildcharakter gewürdigt.

Hamburg – Die katholische Kirche ist schon lange nicht mehr der Mittelpunkt und die Festung der Gesellschaft, die sie einst einmal war. Mittlerweile ist sie wahrscheinlich mehr umstritten als unterstützt. Nicht zuletzt wegen der zahlreichen Missbrauchsskandale, die die Institution verzeichnen musste. Dass die Kirche ihre eigenen Mitglieder und Mitarbeiter nicht immer ideal behandelt, ist also bekannt.

Auch die LGBTQ+-Community hat darunter zu leiden, denn die Kirche ist in dieser Hinsicht noch immer konservativ eingestellt. Die Initiative OutInChurch, bei der sich bereits über 100 Kirchenmitarbeiter outeten, soll das nun ändern und wird dafür in Hamburg sogar ausgezeichnet.

Initiative#OutInChurch
InitiatorenJens Ehebrecht-Zumsande, Christoph Simonsen und Bernd Mönkebüscher
Petitions-Unterschriften120.000
DokumentationWie Gott uns schuf - Coming Out in der katholischen Kirche
Buch#OutInChurch – für eine Kirche ohne Angst

Kirche von Austrittswelle geplagt: Mitglieder sowie Mitarbeiter unzufrieden

Immer mehr Mitglieder kehren der Kirche den Rücken zu, das Jahr 2021 brach in dieser Angelegenheit einen Rekord. Im vergangenen Jahr traten 359.338 Katholiken aus ihrer Kirche aus, wie die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) kürzlich in Bonn mitteilte. Das sind fast 86.600 mehr als im bisherigen Rekordjahr 2019. Allerdings haben nicht nur Mitglieder die Nase voll, auch einigen Mitarbeitern der Kirche selbst geht langsam die Geduld aus.

Insbesondere Menschen, die der LGBTQ+-Community angehören, fühlen sich noch immer benachteiligt und wollen das nun ändern. Dafür haben die Initiatoren Jens Ehebrecht-Zumsande, Christoph Simonsen und Bernd Mönkebüscher die Bewegung OutInChurch ins Leben gerufen, mit der sie für mehr Gerechtigkeit am eigenen Arbeitsplatz kämpfen wollen.

OutInChurch wird in Hamburg geehrt: Katholische Initiative will mehr Gerechtigkeit am Arbeitsplatz

Bereits im Januar 2022 wurde die Aktion ins Leben gerufen. Jetzt soll der Initiative OutInChurch in Hamburg eine ganz besondere Ehre zuteil werden. Auf Twitter verkündete der Verein Hamburg Pride e.V.: „Der Ehren Pride Award 2022 geht an die aufrüttelnde Initiative #OutInChurch!“ Mit dem Preis sollen Personen und Kampagnen gewürdigt werden, die sich öffentlich für die LGBTQ+-Community einsetzen und Vorbildcharakter für die ganze Gesellschaft zeigen. Die Verleihung des Preises findet am 30. Juli in Hamburg im Kampnagel statt.

Ein Bild zur Doku „Wie Gott und schuf“ und eine Pride-Flagge vor dem Hamburger Rathaus
Die Kampagne #OutInChurch mit der Doku „Wie Gott uns schuf“ wird jetzt in Hamburg ausgezeichnet. (24hamburg.de-Montage) © picture alliance/dpa/EyeOpeningMedia/rbb & Hanno Bode/IMAGO Images

Nicole Schaening und Christoph Kahrmann, die Co-Vorsitzenden von Hamburg Pride, erklären: „Die Initiative hat der Öffentlichkeit die unhaltbaren und erschütternden Zustände in der Katholischen Kirche in Bezug auf die Diskriminierung queerer Mitarbeitenden offengelegt. Von #OutInChurch geht das Signal für einen dringend erforderlichen Veränderungs- und Modernisierungsprozess in der Katholischen Kirche aus – mit dem Potenzial, den Alltag aller Homo-, Bi- und Trans*menschen in der Kirche zu verbessern.“

OutInChurch: „Für eine Kirche ohne Angst“ – Kirchen-Mitarbeiter teilen eigene Erfahrungen

Unter dem Motto „Für eine Kirche ohne Angst“ gibt es im Netz auch eine Webseite der #OutInChurch-Kampagne, über die die Bewegung unterstützt werden kann. Dort kann man Merch mit unterstützenden Sprüchen kaufen, sich eine Dokumentation mit dem Titel „Wie Gott uns schuf“ mit Aussagen von Betroffenen anschauen oder selbst der Initiative beitreten. Auch ein Buch über Erfahrungen einiger Mitarbeiter der katholischen Kirche gibt es zu kaufen.

In der Beschreibung heißt es unter anderem: „Im Januar 2022 outeten sich über hundert hauptamtliche, ehemalige und ehrenamtliche Mitarbeiter*innen der katholischen Kirche in Deutschland als LGBTIQ+. Dieses Buch bündelt einige ihrer Erfahrungen, Geschichten und gibt Antworten auf existenzielle Fragen: Was heißt es als nichtbinäre Person für ein katholisches Bistum zu arbeiten? Was macht es mit einem Priester, wenn er sein Schwulsein verheimlichen muss? Wie offen darf eine lesbische Religionslehrkraft ihre Identität zeigen? Nimmt mich Kirche so an, wie ich bin?“

Forderungen von OutInChurch: Petition – Mitarbeiter wollen faire Behandlung am Arbeitsplatz Kirche

Diese mutige Aktion findet vor allem im Netz viel Zustimmung. Mittlerweile haben bereits 120.000 Menschen die dazugehörige OutInChurch-Petition unterschrieben, 42.000 Menschen teilten diese und über 1.500 spendeten außerdem Geld zur Unterstützung und Verbreitung der Message.

Die Petition richtet sich an Bischof D. Georg Bätzing (Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz). In der Beschreibung heißt es: „Wir, das sind hauptamtliche, ehrenamtliche, potentielle und ehemalige Mitarbeiter*innen der römisch-katholischen Kirche. Wir identifizieren uns unter anderem als lesbisch, schwul, bi, trans*, inter, queer und non-binär.“

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Und weiter: „Wir wollen nicht länger schweigen. Wir fordern eine Korrektur menschenfeindlicher lehramtlicher Aussagen – auch in Anbetracht weltweiter kirchlicher Verantwortung für die Menschenrechte von LGBTIQ+ Personen. Und wir fordern eine Änderung des diskriminierenden kirchlichen Arbeitsrechts einschließlich aller herabwürdigenden und ausgrenzenden Formulierungen in der Grundordnung des kirchlichen Dienstes.“ 

Lesen Sie auch: Die ersten Erfolge – hier wurden erst zum zweiten Mal queere Katholiken gesegnet.

Zu den Unterstützern zählen übrigens auch Organisationen, darunter viele katholische, wie zum Beispiel Agenda (Forum katholischer Theologinnen e.V.), AKH (Arbeitsgemeinschaft Katholischer Hochschulgemeinden), BDKJ (Bund der Deutschen Katholischen Jugend) oder der BKRG (Bundesverband der katholischen Religionslehrer und -lehrerinnen an Gymnasien).

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