Kultursenator spricht Klartext

Infektionsschutzgesetz trifft Hamburger Kultur: Brosda schlägt Alarm

  • Jan Knötzsch
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Das Coronavirus trifft Hamburgs Kulturszene hart. Vor allem das Infektionsschutzgesetz nennt Kultursenator Carsten Brosda „einen fatalen Fehler“.

Hamburg – Theaterbesuche während der Coronavirus-Krise? Genauso undenkbar wie ein Bier in einer der vielen Kneipen. Beispielsweise auf dem Kiez: Die Reeperbahn in Zeiten des Coronavirus? Tot! Es ist schlicht nichts los, die Gastronomen, die nicht öffnen dürfen, bangen um ihre Existenz. Nachts ist es dank der Ausgangssperre, die in Hamburg gilt, still. Genauso still wie in vielen kulturellen Einrichtungen. Nicht nur in der Hansestadt Hamburg. Bundesweit. Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) stößt das übel auf.

Politiker:Carsten Brosda
Geboren:3. Oktober 1974 (Alter 46 Jahre), Gelsenkirchen
Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Aktuelles Amt:Senator der Hamburger Behörde für Kultur und Medien
Ausbildung:Technische Universität Dortmund

Corona in Hamburg: Kultursenator Carsten Brosda prangert Neuerungen im Infektionsschutzgesetz an

Der 46-Jährige ist nicht nur in der Stadt von Elbe und Alster für die Kultur zuständig. Er ist überdies auch Präsident des Bühnenvereins. Ein Mann also, der beide Seiten versteht. Die sinkenden Zahlen in Hamburg, trotz derer der Lockdown bis zum 2. Mai 2021 verlängert wurde. Und die Angst, die eben nicht nur in der Gastronomie, sondern auch anderswo umhergeht. Diese Unsicherheit kritisiert Brosda – und spricht damit auch der Hamburger Kultur, die Alarm um ihren Fortbestand schlägt, aus der Seele.

Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda übt Kritik am neuen Infektionsschutzgesetz. (24hamburg.de-Montage)

In der Neuerung des Infektionsschutzgesetzes gebe es keine Differenzierung zwischen drinnen und draußen, prangert Brosda in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) an. Aktuell denke zwar keiner daran, „dass man draußen etwas machen kann“, so der gebürtige Gelsenkirchener, „aber wir müssten die nächsten Tage und Wochen nutzen, um da vielleicht zu mehr Differenzierung zu kommen, weil natürlich draußen etwas anderes ist als drinnen.“

Corona: Bricht Kultur in Hamburg zusammen? In Schleswig-Holstein hoffen Veranstalter auf Durchführung des Wacken Open Air 2021

Spätestens ab dem Frühsommer würden beispielsweise viele Theater Dinge „nach außen verlagern, damit wir überhaupt wieder ein kulturelles Leben anfangen können“, erklärt Brosda, während sich in Hamburg der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) allein schon in Sachen Ausgangssperre stur zeigt. Positive Veränderungen für die Menschen in Hamburg? Hoffnung auf eine Lockerung des Lockdowns? Fehlanzeige.

Kein Wunder, dass da nicht nur Fragen im Raum stehen, wann Baumärkte öffnen oder Geschäfte wieder frei zugänglich sind. Sondern eben auch die Frage: Was wird aus der Kultur? In Sachen Musik hoffen zum Beispiel die Veranstalter des Wacken Open Air, dass das Musikfestival 2021 stattfinden kann. Bei anderen Kulturschaffenden wachse, so Brosda, wegen des neuen Infektionsschutzgesetztes „die Unsicherheit, wenn so eine harte und auch durch nichts aufzuweichende Kante mit dieser Hunderter-Inzidenz in einem Gesetz steht. Das so unterschiedslos zwischen Indoor und Outdoor zu halten, sorgt gerade für eine ganze Menge Verunsicherung.“

Corona: Hamburger Kultursenator Carsten Brosda kritisiert Bundespolitik – Debatte über Rolle und Wert von Kultur nötig?

Die Hoffnung auf Besserung gibt der SPD-Politiker dennoch nicht auf und setzt darauf, „dass wir einen klugen Weg finden, wie wir diese Unsicherheit nehmen und damit auch das Planen für das Wiederaufnehmen des kulturellen Betriebs perspektivisch erleichtern können“. Man müsse „zusehen, wie wir uns darauf vorbereiten, dass wir bei Inzidenzwerten unter 100 mit der Kultur trotzdem nach dem vereinbarten Stufenplan sofort wieder schrittweise anfangen können“.

Wer den Begründungstext für die Kulturklausel liest, möchte die Debatte, ob Politik die Rolle und den Wert von Kultur versteht, nochmal neu führen.

- Carsten Brosda, Hamburger Kultursenator -

Das ist Zukunftsmusik. Momentan regiert der Frust in der Kultur. In anderen Städten genauso wie in Hamburg. Die Neuerungen, die das Infektionsschutzgesetz bringen soll, erhöhen ihn. Oder aber, wie es der oberste Kultur-„Boss“ des Hamburger Senats zusammenfasst: „Wer den Begründungstext für die Kulturklausel liest, der möchte die Debatte über die Frage, ob Politik eigentlich die Rolle und den Wert von Kultur versteht, nochmal neu führen. Wenn das tatsächlich der gesamte Abwägungsraum sein soll, dann halte ich das für ein fatales Zeichen.“ * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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