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Zu wenige Bademeister: Freibäder in Not – Öffnungen unsicher

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Von: Steffen Maas

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Personalmangel beim Bäderland Hamburg: Es fehlen rund 50 Bademeister, der Start in die Sommersaison holpert. Geschlossene Freibäder, eingeschränkte Öffnungszeiten.

Hamburg – Schön heiß kam der Juni 2022 daher, das perfekte Wetter für eine Abkühlung im Freibad. Nach zu wechselhaftem Wetter eigentlich genau der richtige Zeitpunkt, um endlich die Freibadsaison zu eröffnen. Das hätten die Verantwortlichen vom Bäderland Hamburg auch gerne getan – ihnen fehlen allerdings die Bademeister, um alle 25 Standorte zu besetzen. Von einer Lücke von bis zu 50 Mitarbeitern berichtet Bäderland-Sprecher Michael Dietel im Gespräch mit 24hamburg.de.

Der Personalmangel ist dabei das Kernproblem, das einen Rattenschwanz an Konsequenzen mit sich bringt und die Schichtplaner aktuell wie Jongleure wirken lässt – ach, und Corona und das Wetter spielen auch noch eine Rolle. Aber alles der Reihe nach.

Städtische Betreibergesellschaft für öffentliche Schwimmbäder:Bäderland Hamburg
Gründung:1995

Bäderland Hamburg klagt über 50 fehlende Bademeister – Öffnungen der Freibäder unsicher

Die Sommerfreibäder Marienhöhe, Neugraben und Osdorfer Born sind aktuell noch geschlossen. „Die waren in dieser Saison aber auch noch nicht geöffnet“, erklärt Dietel. Schuld war in Kombination mit dem Personalmangel bisher auch das Wetter: „Bei dem wechselhaften Wetter bisher haben wir uns mit dem begrenzten Personal erstmal darauf konzentriert, Bäder in den Betrieb zu bekommen, wo es Ausweichmöglichkeiten nach innen gibt“. Wer keine Lust aufs Freibad hat, kann in und um Hamburg ebenfalls ausweichen, und zwar auf diverse Badeseen.

Im kleinen Bild ist der leere Hochsitz eines Bademeisters zu sehen. Im großen Bild sind Sprungturm sowie Schwimmbecken in einem Freibad in Hamburg zu sehen.
Ohne Bademeister kein oder kaum Betrieb in Hamburgs Freibädern. 50 Stellen sind frei, der Personalmangel ist groß. (24hamburg.de-Montage) © imago

Hinzu kommt: Solche Bäder mit Indoor-Option sind oft Trainingsstätte für die Schwimmschüler aus den Grundschulen oder den Bäderland-eigenen Seepfderdchen-Kursen. „Da hat es Sinn gemacht, das mögliche Freibad-Personal eher da zu konzentrieren, wo durch die Kurse sowieso schon anderes vorhanden war, etwa am Kassenhaus“, skizziert Michael Dietel.

Bademeister-Problem in Hamburgs Freibädern: Was bedeutet der Personalmangel?

Die Schwimmschüler bringen allerdings eine neue Herausforderung in die Personal-Jonglage, denn, so Dietel: „Der Bademeister, der auf Bahn Eins und Zwei die Minis beaufsichtigt, kann nicht gleichzeitig auf Bahn Drei und Vier auf die regulären Schwimmer achten“.

Doch die regulären Besucher, die sind morgens oder mittags an Werktagen eher überschaubar. Und für drei Frühaufsteher einen weiteren Bademeister an den Beckenrand zu stellen, den man in der angespannten Lage effektiver in einem der anderen Bäder gebrauchen könnte? Suboptimal. Also gibt es mit dem Holthusenbad und dem Schwimmbad in Bramfeld zwei Standorte, die zwar Schwimmkurse anbieten, aber für den öffentlichen Betrieb aktuell noch geschlossen sind.

„Corona ist natürlich auch ein Thema“: Pandemie lässt Bademeister ausfallen

Ebenfalls gibt es Bäder, in denen die Betreiber zur Fokussierung des Personals auf angepasste Öffnungszeiten setzen: Das Parkbad und das Midsommerland haben daher im Moment nur geöffnet, wenn auch die meisten Leute kommen. „Kernöffnungszeiten“, nennt Sprecher Michael Dietel das. Und als er tief Luft holt und das leidige C-Wort ausspricht, wird die Notsituation für ihn und die Bäderland-Verantwortlichen richtig deutlich:

Corona ist natürlich auch gerade ein Thema. In den vergangenen Tagen sind alleine drei Teams ausgefallen.

Bäderland-Sprecher Michael Dietel gegenüber 24hamburg.de

Halbe Sachen oder riskante Planungen seien dabei im Bäderland ausgeschlossen: „Es gibt keine juristischen Vorgaben, dass man unbedingt fünf Bademeister jederzeit am Beckenrand stehen haben muss“, erklärt er, „aber das ist unsere Verantwortung und die nehmen wir sehr ernst“. Verantwortung übernehmen heißt aber auch, dass manch ein Freibad nur noch auf kaltes Wasser setzt – als Folge der Energiekrise.

Bäderland Hamburg bildet Nachwuchs-Bademeister aus – Personal dringend gesucht

Deshalb Nicht-Öffnungen, Teil-Öffnungen und angepasste Öffnungszeiten. Insgesamt sind aktuell sieben der 25 Bäder in Hamburg in irgendeiner Form betroffen. Acht, wenn man den ausgesetzten Sauna-Betrieb in der Bartolomäus-Therme mitrechnet und neun, wenn man an die Dauerbaustelle Alster-Schwimmhalle denkt.

Ob ein Bad geöffnet ist oder geänderten Öffnungszeiten unterliegt, lässt sich tagesaktuell und einfach auf der Bäderland-Homepage überprüfen.

„Kackendreist“: Besucherin empört sich über misslungene Kommunikation

Das klappte aber wohl zumindest in der vergangenen Woche leider noch nicht reibungslos: Die 24hamburg.de-Redaktion erreichte der negative Erfahrungsbericht einer verärgerten Besucherin, die ihr Lieblings-Freibad in Finkenwerder besuchen wollte und nach Hause geschickt wurde. „Kackendreist“, nannte sie das Verhalten – vor allem, nachdem sie im Vorfeld eigentlich alles richtig gemacht hatte.

„Ich habe mich auf der Homepage informiert und dann sogar die Hotline angerufen“, beschwert sie sich gegenüber dieser Redaktion, dass sie zwar auf verändere Öffnungszeiten hingewiesen wurde, nicht jedoch darauf, dass der Außenbereich des Bades gar nicht geöffnet hatte.

Nachdem sie pünktlich vor Ort war und zusammen mit einer handvoll anderer Gäste vor den Toren des Freibades ausgeharrt hatte, steckte irgendwann ein Mitarbeiter den Kopf durch die Tür und informierte die Anwesenden, dass das Freibad aufgrund des Personalmangels gar nicht öffnen würde. „Eine lange Anreise und dann so eine Kommunikation. Ich war ein paar Minuten richtig, richtig sauer“, beendet die Fast-Besucherin ihren frustrierenden Erfahrungsbericht.

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Helfen würde dem Bäderland in dieser Situation, klar, frisches Personal. Einmal wöchentlich richtet das Bäderland-Team einen Bewerber-Tag aus, bei dem alle Interessenten beweisen müssen, dass sie das Zeug zum Bademeister haben: Streckentauchen, Menschen-Rettung und Tiefseetauchen stehen dann auf dem Prüfungsbogen. Ist das geschafft, gibt es noch ein kurzes Gespräch mit Fragen zu Arbeitsbedingungen, Präferenzen und Arbeitszeiten.

Bäderland Hamburg mit klarem Ziel: „Zum Ferienbeginn wollen wir alle unsere Freibäder offen haben“

„Das ist ein super schlanker Prozess“, unterstreicht Michael Dietel, „und im Regelfall von Bewerbung bis Einstellung in anderthalb bis zwei Wochen erledigt“. Soll heißen: Wer sich kurzfristig entschließt, als Bademeister mitzuhelfen, den Gästen eine tolle Badesaison zu ermöglichen, der könnte zum Ferienstart in zwei Wochen bereits am Beckenrand stehen.

Denn dann, so Corona und Wetter es zulassen, haben Michael Dietel und das Bäderland ein klares Ziel: „Zum Ferienbeginn wollen wir alle unsere Freibäder offen haben“. In der Hoffnung, dass die Hamburger Freibäder sich nicht erneut mit an „Körperverletzung“ grenzende Zerkarien konfrontiert sehen.

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