Zurück ins Leben

In Hamburg erhalten Obdachlose den Personalausweis jetzt kostenlos

  • Christian Einfeldt
    vonChristian Einfeldt
    schließen

Für Obdachlose ist der Erwerb eines neuen Personalausweises eine kostspielige Sache. Doch das Bezirksamt Hamburg-Mitte übernimmt nun die Kosten.

Hamburg – 37 Euro kostet ein Personalausweis. Braucht man noch ein neues Passbild, muss man mit weit über 40 Euro rechnen. Für Obdachlose sind das Kosten, die nur schwer zu bezahlen sind. Doch für Menschen ohne Wohnsitz des Bezirkes Hamburg-Mitte gibt es nun eine positive Nachricht: Das Bezirksamt Hamburg-Mitte bestätigt, die Ausweise vorerst zu finanzieren.

Bezirk:Hamburg-Mitte
Fläche:142,2 km²
Einwohner:301.543 (Stand: 2019)
Bevölkerungsdichte:2121 Einwohner/km²

Hamburg: Viele Obdachlose können sich den Personalausweis nicht leisten

Für unendlich vieles und Wichtiges ist ein gültiger Personalausweis nötig, generell gilt: Kein Personalausweis – keine geregelte Arbeitsstelle und auch kein Mietvertrag. Und man braucht ebenso einen Personalausweis, um ein Bankkonto zu eröffnen oder für die Krankenversicherung. Auch wenn das Jobcenter aufgrund der Corona-Pandemie gnädig* ist, benötigt man auch hier und an anderen Hilfestellen den Personalausweis, um einen Antrag stellen zu können.

Sollte der Personalausweis verloren gehen, gestohlen werden oder einfach nur ablaufen, muss man sich mit behördlichen Stress auseinandersetzten. Doch nicht nur das: Auch ein Aufpreis von über 40 Euro wird fällig. Viele Obdachlose, von denen manche kürzlich ihre Unterkunft in Hamburg* verlassen mussten, haben Probleme mit der Finanzierung.

Kostenlose Personalausweise für Obdachlose: Hamburg-Mitte übernimmt ein Jahr lang die Finanzierung. (24hamburg.de-Montage)

„Leben im Abseits“: Hamburgs gemeinnütziger Verein initiiert Aktion für Obdachlose

Das soll sich jetzt ändern. Nachdem der Hamburger Gastronom Koral Elci während des Corona-Lockdowns für Obdachlose gekocht hatte*, gibt es nun also eine weitere positive Meldung. Seit 2017 sammelt der Hamburger Verein „Leben im Abseits“ Geld, um die Gebühren der Ausweise zahlen zu können. Spendengelder in Höhe von 2500 Euro sind auf diesem Wege eingegangen. Das reicht natürlich längst nicht, um alle neuen Ausweisdokumente, die Hamburgs Obdachlose benötigen.

Kostenlose Personalausweise für Obdachlose: Hamburg-Mitte übernimmt die Kosten

Doch mit dem Bezirksamt Mitte hat der gemeinnützige Verein nun einen Geldgeber gefunden. Es wird die Verwaltungskosten übernehmen. Zudem würde das Amt auch die externen Kosten für den Druck übernehmen, falls die für die Ausweise zuständige Bundesdruckerei nicht auf ihren Anteil verzichten will.

Hamburg-Mitte finanziert Obdachlose ein Jahr lang die Personalausweise

Die Finanzierung läuft zunächst für ein Jahr. Das Bezirksamt Hamburg-Mitte rund um Tobias Piekatz (SPD) zeigt sich voller Tatendrang: „Wir wollten einfach mal anfangen – und nicht erst alle Probleme gelöst haben“, so der SPD-Politiker.

Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie, in denen Obdachlose besonders gefährdet sind*, ist es eine wichtige Aktion, schließlich bedeutet der Personalausweis für viele Obdachlose ein Schritt zurück ins Leben. *24hamburg.de, nordbuzz.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Annette Riedl/dpa und Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare