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Import-Terminal in Hamburg geplant: Quo Vadis, grüner Wasserstoff?

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Von: Alexander Eser-Ruperti

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In Hamburg ist ein großes Importterminal für erneuerbare Energien geplant. Wie steht es in Deutschland allgemein um grünen Wasserstoff? Vorreiter sind andere.

Hamburg –  Der Industriegaseproduzent Air Products und das Energieunternehmen Mabanaft planen laut der Nachrichtenagentur dpa im Hamburger Hafen das erste große Importterminal für grüne Energie. In wenigen Jahren soll dort grüner Ammoniak in grünen Wasserstoff umgewandelt werden. Das wirft die Frage auf: Wo steht Deutschland bei grünem Wasserstoff?

Die Schritte, die man bisher gegangen ist, sind klein, doch Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) spricht von einer „Schlüsseltechnologie“, berichtet kreiszeitung.de.

Hamburger Hafen
Der Hamburger Hafen: Hier soll ein großer Importterminal für erneuerbare Energie entstehen. (Symbolbild) © Marcus Brandt/dpa

Importterminal geplant: Am Hamburger Hafen soll grüner Wasserstoff entstehen

Es ist ein teures Großunternehmen des Industriegaseproduzenten Air Products und des Energiekonzerns Mabanaft im Hamburger Hafen: Ein Importterminal für grüne Energie. Insgesamt belaufen sich die Investitionen laut dpa auf 500 Millionen Euro, mit der Zeit sollen es eine Milliarde Euro werden. Plan ist, an dem Terminal am Tanklager Oiltanking Deutschland ab dem Jahr 2026 grünen Ammoniak in grünen Wasserstoff zu verwandeln. Unter anderem entsteht ein Ammoniaklager, das 55.000 Tonnen des Stoffes fasst. Insgesamt sollen dann pro Jahr 100.000 Tonnen grüner Wasserstoff produziert werden.

Was ist grüner Wasserstoff?

Grüner Wasserstoff entsteht durch das Aufspalten von Wasser. Erneuerbarer Strom wird dabei durch das Wasser geleitet, wobei an einem der Pole Wasserstoff entsteht, am anderen Sauerstoff. CO₂-frei ist der so hergestellte Wasserstoff indes nur, wenn auch der Strom für die Aufspaltung aus erneuerbaren Energien stammt, etwa Windenergie oder Solarenergie.

Die Unternehmen schätzen, nach Ausbau könnten etwa fünf Prozent des sogenannten Schwerlastverkehrs mit grünem Wasserstoff versorgt werden – umgerechnet sollen das 30.000 Lastwagen sein, so die dpa. Was vom Baumumfang immens klingt, scheint auf den gesamten Energieverbrauch in Deutschland gerechnet eher wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Für Deutschland ist es dennoch ein nennenswerter Schritt, denn: Bei grünem Wasserstoff hängt man in der Bundesrepublik hinterher.

Grüner Wasserstoff: Herstellung braucht Ausbau der Energieinfrastruktur

Es gilt auch für grünen Wasserstoff: Herstellung und Nutzung setzen große Investitionen in den Umbau der Energieinfrastruktur voraus, bisher liefen diese Schritte allerdings extrem schleppend. Mit Blick auf andere Großprojekte, wie es Wasserstoff werden könnte, fordert Christian Lindner (FDP), sich am Bau des LNG-Terminals in Wilhelmshaven zu orientieren: Der Aufbau in weniger als einem Jahr sollte „Benchmark“ sein – nicht nur in der Krise, sondern mit Blick auf die gesamte Energieinfrastruktur, so der Finanzminister.

Was hat Ammoniak mit Wasserstoff zu tun?

Ammoniak lässt sich aus Wasserstoff und Stickstoff herstellen und bei Bedarf mithilfe eines sogenannten „Crackers“ wieder in die einzelnen Bestandteile zerlegen. Da die Energiedichte von Ammoniak höher ist als die von Wasserstoff, ist es leichter zu transportieren. So kann „grüner Wasserstoff“ effizient in Ammoniak gespeichert und transportiert werden.

Der derzeitige Stand ist mager: Die Bundesregierung schätzt, bis zum Jahr 2030 könnten in Deutschland höchstens 15 Prozent des Energiebedarfs durch eigens produzierten grünen Wasserstoff gedeckt werden – eine ernüchternde Bilanz. Hinzu kommt: Bisher fehlt es an den benötigten infrastrukturellen Großprojekten, um das in großem Stil zu ändern. Die Folge: Die Ampel unter Kanzler Olaf Scholz (SPD) buhlt derzeit auch im Ausland um grünen Wasserstoff – von Kanada bis in die Golf-Staaten.

Deutschland will 550 Millionen Euro in globale grüne Wasserstoffwirtschaft investieren

Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) und der Parlamentarische Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Stefan Wenzel hatten bei der Klimakonferenz COP27 kürzlich erklärt, man wolle gemeinsam mit Schwellen- und Entwicklungsländern eine grüne Wasserstoffwirtschaft aufbauen. Wie die ARD berichtet, soll Deutschland dafür zusätzlich 550 Millionen Euro bereitstellen.

Wenzel erklärte unter anderem: „Überall da, wo wir die Energieversorgung nicht mit erneuerbarem, sauberem Strom und mit mehr Energieeffizienz kohlenstofffrei aufstellen können, brauchen wir grünen Wasserstoff oder seine Folgeprodukte“. Was Wenzel auch sagte: „Deutschland treibt national wie international den Aufbau klimaneutraler Energienetze voran, möglichst basierend auf grünem Wasserstoff“. Tatsache ist indes: Vorreiter im Bereich „grüner Wasserstoff“ sind viele – aber nicht Deutschland.

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