Deutliche Ansage

Impfungen in Hamburg: Krankenschwester will Impfverweigerer nicht behandeln

  • Anika Zuschke
    VonAnika Zuschke
    schließen

Die Zahl von Corona-Impfungen geht deutschlandweit zurück. Hamburger Krankenschwester kann Impfverweigerer nicht verstehen und weigert sich, sie zu versorgen.

Hamburg – In Hamburg sind etwa 65 Prozent der Bevölkerung vollständig gegen das Coronavirus geimpft, knapp 70 Prozent haben ihre erste Corona-Impfung erhalten. Die Zahlen gehen jedoch deutschlandweit stetig zurück: In der vergangenen Kalenderwoche wurden 17,6 Prozent weniger Impfdosen verabreicht als noch in der Woche davor. Die Hamburger Krankenschwester Corinna Peth hat die Nase voll von Impfverweigerern und ist laut Hamburger Abendblatt der Meinung, dass die „dann auch mal allein zurechtkommen“ müssten.

Vollständig Geimpfte Hamburg:64,5 Prozent (Stand: 2. September 2021)
Vollständig Geimpfte Bremen:71,1 Prozent (Stand: 2. September 2021)
Vollständig Geimpfte Niedersachsen:62,9 Prozent (Stand: 2. September 2021)
Vollständig Geimpfte Schleswig-Holstein:64,8 Prozent (Stand: 2. September 2021)

Erwachsene, die eine Impf-Empfehlung erhalten haben, hatten bis jetzt mittels Impf-Aktionen und zahlreichen Angeboten in Hamburg ausreichend Möglichkeiten, sich gegen Corona immunisieren zu lassen. Es ist also davon auszugehen, dass sich ein gewisser Anteil der verbleibenden 30 Prozent Ungeimpfter in Hamburg keinen Pieks verpassen lassen möchte. Corinna Peth kann diesen Ansatz nicht nachvollziehen.

Impfungen in Hamburg: Krankenschwester arbeitet seit über 30 Jahren in der Notaufnahme

Die Hamburger Krankenschwester arbeitet seit über 30 Jahren in der Zentralen Notaufnahme (ZNA) einer großen Klinik in der Hansestadt, stets unter Druck, sofort helfen zu müssen und schnell zu entscheiden. In einem Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt gibt sie an, dass ihr Job ihr eigentlich immer Freude bereitet hat, „aber jetzt ist meine Lunte total abgebrannt“, äußert sie.

Entscheidende Gründe dafür sind die aktuellen Corona-Probleme sowie Ungeimpfte, die die Situation insbesondere für Krankenhauspersonal erschweren. Peth erzählt dem Hamburger Abendblatt aufgebracht: „Seit März 2020 arbeite auch ich – wie so viele – jeden Dienst mit Maske, Visier, Kittel und Haube. Es ist sehr warm, nervig und anstrengend. Eigentlich bin ich immer noch gerne Krankenschwester, aber ich bin so fassungslos!“, zeigt sich die Krankenschwester aufgebracht.

„Jetzt kommen die ungeimpften Coronapatienten und möchten natürlich liebevoll versorgt werden. Ich kann und möchte das nicht mehr! Jeder hätte nun ein kostenloses Impfangebot wahrnehmen können und wer das nicht möchte, muss dann auch mal allein zurechtkommen!“

Eine Hamburger Krankenschwester ist es leid, Ungeimpfte zu versorgen. (24hamburg.de-Montage/Symbolbild)

Corona-Impfungen in Hamburg: Corinna Peth hat für Menschen, die sich wie Versuchskaninchen fühlen, kein Verständnis

Dabei richte sich ihre Kritik jedoch ausschließlich an Personen, die auch eine Impf-Empfehlung erhalten haben. Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen könnten, würden aber auch nur einen kleinen Anteil einnehmen. Für Leute, die sich jetzt noch wie Versuchskaninchen fühlten, habe sie absolut kein Verständnis.

„Was mich so wütend macht: da sind Wissenschaftler, Virologen, die beschäftigen sich seit Jahren mit diesem Thema. Das sind intelligente Menschen, die das studiert haben“, brüskiert sich die 51-Jährige gegenüber dem Hamburger Abendblatt. Deswegen sei es ihr ein Rätsel, woher manche Menschen das Selbstbewusstsein nähmen, „dass sie es besser wissen als die Experten oder woher sie wissen, dass sie diese Krankheit nicht kriegen [...].“

Die Leute rauchen und nehmen die Pille, essen wie blöd und trinken und dann machen sie so ein Gewese um diese Impfung.

Hamburger Krankenschwester Corinna Peth

Krankenschwester: Es sei unsolidarisch und egoistisch, sich nicht impfen zu lassen

Die Zahlen sprechen für sich: Mitte August äußerte der UKE-Chefarzt in Hamburg, Stefan Kluge, dass alle Personen auf seiner Intensivstation ungeimpft seien. Auch auf der Normalstation waren zu dem Zeitpunkt drei Viertel der Patienten nicht geimpft. Außerdem liegt der Inzidenzwert bei Ungeimpften 23-Mal höher als bei Geimpften. Corinna Peth hält es für unsolidarisch und egoistisch, sich an diesem Punkt mit einer Impfung nicht gegen Corona schützen zu lassen.

Man wisse doch so viel mehr, auch über die Long-Covid-Problematik, deshalb sei sie so sauer und ohne Verständnis für die Verweigerer, erzählt die Krankenschwester dem Hamburger Abendblatt und fährt fort: „Die Leute rauchen und nehmen die Pille, essen wie blöd und trinken und dann machen sie so ein Gewese um diese Impfung.“

Impfverweigerer in Hamburg: Ungeimpfte sollen „zu Hause liegen und vor sich hin leiden“

Inzwischen sind die Corona-Patienten den Angaben der Krankenschwester zufolge deutlich jünger als noch zu Beginn der Pandemie, das gehe auch am Pflegepersonal nicht spurlos vorüber, erzählt Peth. „Ich weiß nicht, wie viele Totenzettel die Kollegen aus den Intensivstationen an Füße gebunden haben. Ein Kollege sagte, das habe er in 30 Berufsjahren nicht gehabt. Es gehört zu unserem Job, aber schön ist das auch nicht“, äußert sie laut Hamburger Abendblatt.

Aufgebracht fährt sie fort: „Und nun kommen die ungeimpften, hochinfektiösen Delta-Patienten und stecken auch noch die Geimpften an! Ich bin soooo genervt, wütend und enttäuscht.“ Aus dem Grund ist sie der Meinung, dass Ungeimpfte auch nicht ins Kino gehen oder in den Urlaub fahren sollten.

„Bitte auch nicht infiziert ins Krankenhaus kommen. Dann sollen die eine Ibu nehmen, zu Hause liegen und vor sich hin leiden“, schließt die erfahrene Krankenschwester. Sie würde sich wünschen, dass auf der Krankenkassenkarte den Impfstatus der Personen vermerkt wird und ob diese Personen eine Impfung verweigern. Denn „dann möchte ich die auch nicht behandeln müssen“, lautet das Fazit von Corinna Peth. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Paulo Mumia/Oliver Berg/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare