Israel impft 11.000 Kinder pro Tag

Impfung für Kinder gegen Delta: „Hundertmal weniger gefährlich als Infektion“

  • Jens Kiffmeier
    VonJens Kiffmeier
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Corona-Impfung für Kinder – ja oder nein? Während Deutschland noch über den Sinn streitet, schaltet Israel den Impf-Turbo ein. Die Furcht vor Delta ist groß.

Berlin – Der Ministerpräsident appelliert, die Ärzte geben Entwarnung bei den Risiken und Nebenwirkungen: Angesichts der rasanten Ausbreitung der Delta-Mutation* drückt Israel jetzt bei der Corona-Impfung von Kindern und Jugendlichen aufs Tempo. So bezeichnete Arzt und Regierungsberater Itai Pessach das Vorgehen als „sicher“. Auf Grundlage einer weltweiten Datenbasis könne man sagen, dass eine Covid-19-Impfung hundertmal weniger gefährlich sei für den Nachwuchs als eine Covid-19-Infektion, stellte der Mediziner in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung klar. Damit schlägt das Land einen gegenteiligen Weg als Deutschland ein.

Corona-Variante:Delta
Wissenschaftlicher Name:B.1.617.2
Erstnachweis:Indien
Entdeckt am:5. Oktober 2020

Grundsätzlich gilt Israel als Vorreiter bei der Corona-Impfung. Schneller als viele andere Länder erreichte das Land eine hohe Impfquote. So sind mittlerweile 60 Prozent der insgesamt 9,3 Millionen Israelis doppelt geimpft. Dennoch kursiert das Coronavirus wieder ungebremst. Vor allem die Ausbreitung der Delta-Variante lässt den Inzidenzwert wieder nach oben schnellen. Am Montag wurde mit 500 Neuinfektionen eine Verdopplung der Fälle innerhalb von 24 Stunden registriert, 90 Prozent sind dabei auf die zuerst in Indien festgestellte Variante zurückzuführen. Der Großteil des Corona-Ausbrüche fand dabei in Schulen statt.

Corona-Impfung: Kaum Bedenken wegen Nebenwirkung – Israel impft Kinder und Jugendliche

Vor diesem Hintergrund rief Ministerpräsident Naftali Bennet alle Eltern auf, die Kinder und Jugendlichen impfen zu lassen. Der Anlauf auf die Impfeinrichtungen ist seit dem riesig, wie die Wochenzeitung „Die Zeit“ berichtet. Das liegt unter anderem auch daran, dass in Israel eine andere Impfkultur und ein hohes Vertrauen in die Wissenschaft herrscht. Impfungen für Kinder gegen Polio und Masern sind seit der Staatsgründung an der Tagesordnung. Jeden Winter baut der Staat große Grippe-Impfzentren auf. Und in der Corona-Pandemie wurde umgehend eine Impfpflicht für das medizinische Personal verhängt.

Israel schaltet im Kampf gegen die Delta-Variante den Impfturbo an: Kinder und Jugendliche werden jetzt schnell gegen die Corona-Variante geimpft.

So überrascht es nicht, dass die 2,5 Millionen Kinder im Alter zwischen 12 und 16 Jahren, seit Mai auch gegen das Coronavirus geimpft werden. Israel folgt dabei einer Empfehlung der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA. Große Bedenken wegen möglicher Nebenwirkungen bei dieser Impfung für Kinder gibt es laut dem Medienbericht nicht. Zwar tauchten insbesondere in Israel zuletzt verstärkt Meldungen über Herzmuskelentzündungen bei Corona-Geimpften auf. Doch das führen die Experten darauf zurück, dass in dem Land vor allem der Impfstoff von Biontech/Pfizer verimpft wird und sich dadurch die immer gleichen Risiken häuften.

Damit hat Israel einen anderen Weg eingeschlagen als Deutschland. Hierzulande ist man noch vorsichtiger, was die Impfung von Kindern und Jugendlichen angeht, obwohl die Gefahr der Delta-Variante so groß scheint. So hat die Ständige Impfkommission (Stiko) bisher keine generelle Impfempfehlung Heranwachsende ab zwölf Jahren ausgesprochen. Die Stiko rät dazu, Impfungen für Kinder nur für 12- bis 17-Jährige mit bestimmten Vorerkrankungen wie Adipositas, Diabetes und chronischen Lungenerkrankungen durchzuführen. Jedoch können Eltern selber entscheiden, ob sie ihr Kind trotzdem impfen lassen wollen.

Impfung gegen Delta: Trotz Kritik an Empfehlung – Deutschland bleibt zurückhaltend

Zuletzt hatten Politiker wie SPD-Chefin Saskia Esken und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die Zurückhaltung bei Impfungen für Kinder der Stiko kritisiert. Doch Stiko-Chef Thomas Mertens verbat sich die Einmischung der Politik in die Entscheidungen des unabhängigen Gremiums. Dennoch wird die Entscheidung weiterhin emotional weiterdiskutiert werden.

Der israelische Arzt Pessach jedenfalls spricht sich vehement für die Impfung für Kinder aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind schwer an Covid erkranke, sei hundertmal höher als eine Komplikation der Impfung, sagte er. „Selbst wenn man unter Nebenwirkungen des Impfstoffs leiden sollte, erholen sich 99,9 Prozent der Fälle wieder komplett. Das gilt nicht für eine Covid-19-Erkrankung, auch nicht unter den Jüngeren.“ * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Fabian Sommer/dpa

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