„Richtig gute Nachrichten“

Impfquote in Hamburg höher als angenommen – fallen alle Corona-Regeln weg?

  • Anika Zuschke
    VonAnika Zuschke
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Aktueller RKI-Bericht bringt gute Neuigkeiten: Offenbar sind deutlich mehr Menschen gegen Corona geimpft als angenommen – auch in Hamburg. Hat das Konsequenzen?

Hamburg – In einem aktuellen Bericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom Stichtag des 5. Oktobers kamen bezüglich der Corona-Impfquote in Deutschland positive Neuigkeiten ans Licht: Eine Schätzung des RKIs aus Bürgerbefragungen und Meldedaten hat ergeben, dass es in der Bundesrepublik rund fünf Prozentpunkte mehr Geimpfte geben könnte als bisher angenommen. Der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) zufolge könnten auch in Hamburg bereits mehr Menschen geimpft worden sein. Was bedeutet das für die aktuell geltenden Corona-Regeln?

Bestätigte Corona-Neuinfektionen in Hamburg:+177 (Stand: 8. Oktober 2021)
Inzidenzwert Hamburg:61 (Stand: 8. Oktober 2021)
Schutzimpfungen in Hamburg:Einmal geimpft: 1.343.587 | Vollständig geimpft: 1.286.083 (Stand: 7. Oktober 2021)
Patienten in klinischer Behandlung in Hamburg:Stationär: 93 (Stand: 7. Oktober 2021)
Todesfälle in Hamburg:1748 (Stand: 7. Oktober 2021)

In den letzten Wochen hat die Anzahl von wahrgenommenen Corona-Impfterminen in Deutschland den Anschein gegeben, dass eine gewisse Impfmüdigkeit aufgetreten ist. Doch jetzt wurden unerwartet gute Neuigkeiten publik: Dem RKI-Bericht nach sei anzunehmen, dass bereits bis zu 84 Prozent der Erwachsenen mindestens einmal und bis zu 80 Prozent vollständig geimpft sind. Das entspricht einer Steigerung der Impfquoten von fünf Prozentpunkten im Vergleich zu den offiziellen Meldungen der Impfstellen.

RKI Impfquote verweist auch in Hamburg auf positivere Zahlen

In Hamburg sind aktuellen Angaben zufolge 84,6 Prozent der Erwachsenen mindestens einmal und 81,3 Prozent vollständig geimpft. Doch auch in der Hansestadt könnten die tatsächlichen Quoten deutlich höher liegen. Der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg, Jochen Kriens, äußerte sich gegenüber der Hamburger Morgenpost folgendermaßen:

„Die KV Hamburg begrüßt, dass das RKI nun die Auffassung der KV bestätigt hat, dass die offiziell mitgeteilte Impfquote offenbar zu niedrig ist.“ Denn die vom RKI genannte wahrscheinliche Erhöhung der Quote um fünf Prozentpunkte decke sich Kriens‘ Angaben zufolge mit den Hochrechnungen der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg aus dem zweiten Quartal diesen Jahres.

Viele Hamburger sind schon geimpft. Brauchen wir die Corona-Regeln dann überhaupt noch? (24hamburg.de-Montage)

Bereits im September 2021 hat die Hamburger KV vermeldet, dass die Impfquote in der Hansestadt mindestens drei Prozentpunkte über dem damals aktuellen Stand läge. Allein im Quartal zwischen April und Juni seien über 70.000 Impfungen von niedergelassenen Ärzten noch nicht an das Robert-Koch-Institut gemeldet worden, berichtet die Hamburger Morgenpost.

Höhere Impfquote des RKI würde auf 80.000 Impfungen mehr hinauslaufen

Wenn von einer Impfquote mit fünf Prozentpunkten über dem angedachten Wert bei Erwachsenen ausgegangen wird, würden sowohl bei der Erst- als auch bei der Zweitimpfung rund 80.000 Schutzimpfungen dazukommen. Für einige Personengruppen steht im Übrigen bereits die dritte Impfung gegen Corona an.

„Die Ärzte, bei denen eine hohe Differenz zwischen RKI-Meldungen und Abrechnung vorlag, tragen diese aktuell nach, sodass wir davon ausgehen, in wenigen Tagen leidlich ‚saubere‘ Daten zu haben“, erläutert Jochen Kriens gegenüber der Hamburger Morgenpost. Die Abrechnungen des dritten Quartals werden dem KV-Sprecher zufolge gerade erst eingereicht, sodass über die Monate Juli bis September noch kein Überblick bestehe.

Neue Corona-Regeln in Aussicht? Jens Spahn gibt Entwarnung für Herbst und Winter

Das Impfziel von einer zu 85 Prozent geimpften Bevölkerung ab 12 Jahren ist also definitiv in Sicht. Was bedeuten diese Neuigkeiten jetzt für die geltenden Corona-Regeln? Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach am Donnerstag laut Welt.de von „richtig guten Nachrichten“ und gab für den Herbst und Winter Entwarnung.

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„Aus heutiger Sicht sind bei dieser Impfquote keine weiteren Beschränkungen nötig“, äußerte Spahn optimistisch. Das bedeutet, dass die Masken-Vorgaben im Freien nun tatsächlich fallen. Die Hygieneregeln mit Abstand und Masken in Bus und Bahn sowie die 3G-Regel (oder in einigen Fällen in Hamburg 2G) für Innenräume bleiben jedoch zunächst bestehen.

Freedom Day für Deutschland ist wegen neuer RKI Impfquoten wieder Thema

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, hat bereits im September auf einen „Freedom Day“ für Deutschland gepocht – Hamburg hat diesen bisher strikt abgelehnt. Nun äußert er als Folge der korrigierten Impfquoten: „Daraus ergibt sich verstärkt die Notwendigkeit eines politischen Fahrplans, wann mit dem Ende aller Beschränkungen zu rechnen ist. Kurzum: Wann genau die epidemische Lage beendet werden kann.“

Jens Spahn hingegen ist der Meinung: „Wir wollen mit Umsicht und Vorsicht Schritt für Schritt zurück in Freiheit und Normalität.“ * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Markus Scholz/Christoph Soeder/dpa

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