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Impfpflicht in der Pflege: UKE will Querdenker-Personal überzeugen – „keine Konfrontation“

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Von: Kevin Goonewardena

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Die Impfpflicht für Pflegekräfte kommt. Im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) wird mit Nachdruck versucht, das eigene Personal davon zu überzeugen.

Hamburg – Nach zwei Jahren Corona-Pandemie und den damit verbundenen Ängsten, Verlusten, Einschränkungen und Entbehrungen freuen sich die Menschen in Deutschland über das Abflachen der Pandemie und damit auch den Wegfall der meisten Regeln zum sogenannten Freedom Day am 20. März 2022.*

Die Pandemie ist damit jedoch längst nicht vorbei und dennoch droht der ein oder andere damit verbundene Aspekt in der Öffnungsdiskussion und einer Vorfreude unterzugehen. Etwa die allgemeine Impfpflicht für Pflegekräfte, die ab Mitte März 2020 gelten soll. Den rechtlichen Rahmen dafür bestätigte erst kürzlich das Bundesverfassungsgericht.* Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) kritisierte nun, dass die Diskussion darüber dennoch in den Hintergrund rücke.

An der größten Hamburger Klinik, dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, werden seinerseits Maßnahmen ergriffen, um Querdenker unter den Angestellten vom Impfen zu überzeugen.

Name:Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Gründung:1889
Anzahl Beschäftigte:rund 14.100
Anzahl Betten:rund 1700
Anzahl Patienten 2021 insgesamt:448.932 (davon stationär 88.151)

Corona-Impfpflicht in Deutschland: Freedom Day eine Gefahr? Katharina Fegebank warnt

Das Thema Impfpflicht ist auch deswegen in den Kliniken von Asklepios, Helios & Co, dem UKE oder kirchlichen Krankenhäusern ein großes Thema, da es allerorts an Pflegekräften mangelt. Jeder nicht geimpfte Beschäftigte bedeutet durch den Ausfall eine zusätzliche Belastung für Kollegium, Patienten und Klinikabläufe. Das soll vermieden werden. Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank warnte davor, die Diskussion aus den Augen zu verlieren. Die Hamburger Spitzenpolitikerin der Grünen wird unter anderem in der Süddeutschen Zeitung mit einem Appell zitiert:

„Meine Sorge ist groß, dass die Vorfreude über das vermeintliche Ende der Pandemie und den ‚Freedom Day‘ das Thema Impfpflicht überlagert – und wir im Herbst oder Winter bei einer weiteren Virusmutation und den saisonalen Bedingungen wieder in eine sehr schwierige Lage kommen könnten.

Katharina Fegebank, Hamburgs Zweite Bürgermeisterin

Impfpflicht gegen Corona in Deutschland: Klinik-Vorstand warnt vor Personalmangel in der Pflege

Joachim Prößl ist im Vorstand des UKE und außerdem Direktor für Patienten- und Pflegemanagement an dem mit insgesamt rund 14.100 Mitarbeitenden starken Klinikums. Er sagte gegenüber dem Hamburger Abendblatt, dass man sich seit Wochen intensiv mit der kommenden Impfpflicht und den Auswirkungen auf den Betrieb beschäftige. „Wir haben allein im Bereich der Pflege rund 3500 Mitarbeitende. Wenn auch nur ein Prozent davon die Klinik wegen fehlenden Impfschutzes verlassen müsste, fehlen uns diese Mitarbeitenden sehr“, so Prößl gegenüber der Zeitung.

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Corona-Impfpflicht im Pflegebereich: Hamburger UKE trifft Vorbereitungen

Um dem Ausfall durch etwa eine Kündigung der Mitarbeiter vorzubeugen, setzt das UKE auf Aufklärungsarbeit und Beratung. „Wir wollen dabei nicht konfrontativ vorgehen. Es geht darum, die Beschäftigten mitzunehmen und Angst zu entkräften“, so Prößl. Der UKE-Vorstand selbst suche dabei genauso das Gespräch, wie andere Experten und Expertinnen aus dem eigenen Haus. Darunter ist auch Infektiologin Prof. Dr. Marylyn Addo, berichtet das Abendblatt. Addo, die am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung zu Impfstoffen etwa gegen Ebola forscht, bietet etwa Gespräche zu Corona-Schutzimpfungen an, die auch angenommen werden.

Demonstrierende Krankenschwestern vor dem UKE und einer Hand mit einer Spritze und dem Corona-Impfstoff
Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) trifft Vorbereitungen für die bevorstehende Impfpflicht für Pflegepersonal. (24hamburg.de-Montage) © Christoph Hardt/Waldmüller/imago/Alastair Grant/dpa

Corona-Gegner: Auch Querdenker unter UKE-Beschäftigten in Hamburg

„Es gibt auch in einem Universitätsklinikum Menschen, die mit ihren Argumenten wohl der ‚Querdenker‘-Szene zuzuordnen sind. Überwiegend ist aber einfach Sorge und Angst – in allen bekannten Facetten“, sagte Prößl dem Abendblatt. Erst kürzlich wurde die Wohnung einer UKE-Mitarbeiterin in Zusammenhang mit gefälschten Impfpässen von der Polizei Hamburg durchsucht.

Asklepios & Co: So stehen die Klinikbetreiber zur Impfpflicht – das sagt Senatorin Melanie Leonhard

Wie der Klinikbetreiber Asklepios auf seiner Website bekannt gibt, seien in den sieben Hamburger Standorten, wozu etwa die Kliniken in Wandsbek, St. Georg, Altona und Harburg zählen, bereits 12.000 Beschäftigte der insgesamt 14.000 Hamburger Angestellten gegen das Corona-Virus geimpft worden. Eine Impfpflicht halte der Konzern deshalb nicht für notwendig, wie der NDR berichtete. Auch am UKE und dem Alten- und Pflegeheimbetreiber Pflege&Wohnen seien rund 80 Prozent der Beschäftigen nach eigenen Aussagen der Verantwortlichen bereits geimpft.

Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard äußerte sich in der Hamburger Morgenpost Anfang des Jahres ähnlich. Sie wolle das Ziel von 80 Prozent Geimpften in diesem Bereich „mit ganz viel Anstrengung“ ohne die Einführung einer Impfpflicht erreichen, so die Senatorin gegenüber der Zeitung. *24hamburg.de , merkur.de, fr.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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