Nach Entscheidung der Stiko

Kinder-Impfempfehlung: Hamburger Kinderarzt drängt zur Corona-Impfung

  • Matthias Udwardi
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Nach der Empfehlung der Stiko: Im Altonaer Kinderkrankenhaus (AKK) in Hamburg werden nun auch Kinder ab zwölf Jahren gegen Corona geimpft.

Hamburg – Prof. Dr. med Philippe Stock vom Altonaer Kinderkrankenhaus (AKK) in Hamburg unterstützt die Entscheidung der Ständigen Impfkommission (Stiko), Kinder ab zwölf Jahren gegen Corona impfen zu lassen. Denn immer mehr junge Menschen infizieren sich in Deutschland mit dem Sars-CoV-2-Virus.

Der Mediziner beobachtet auch die schnelle Verbreitung der Delta-Variante in der Bundesrepublik* mit Sorge. Die Primär- und Folgeerkrankungen der ansteckenden Corona-Mutante seien noch unberechenbar und nicht zu unterschätzen, erklärt der Mediziner in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt.

Krankenhaus:Altonaer Kinderkrankenhaus (AKK)
Adresse:Bleickenallee 38, 22763 Hamburg
Öffnungszeiten:Rund um die Uhr geöffnet
Telefon:040 889080
Gründung:24. Mai 1859
Ärzte:150 (Stand: 2018)
Mitarbeitende:949
Betten:221 stationäre und 31 teilstationäre Plätze
Trägerschaft:AKK Altonaer Kinderkrangenhaus gGmbH

Laut dem leitenden Arzt der Pädiatrie im AKK in Hamburg dienen die Impfungen vor allem dem Schutz der Kinder und Jugendlichen selbst, aber sie haben auch andere positive Auswirkungen. In den seltenen Fällen, wo Geimpfte an Corona erkranken, ist die Virenlast geringer und die Krankheit wird nicht so schnell übertragen. Dadurch schützt man mit einer Impfung auch Familienmitglieder, die nicht geimpft werden können, wie etwa kleinere Kinder oder ältere Personen.

Darüber hinaus ist eine hohe Durchimpfungsrate der beste Weg, um zukünftigen gesellschaftlichen Einschränkungen aufgrund von Corona entgegenzuwirken. Der Mediziner findet es wichtig, dass weitere Schulschließungen verhindert werden. Zuletzt stieg die Inzidenz in Hamburg wieder über 90, eine vierte Welle wird prophezeit.

Nachdem Hamburgs Bürgermeister Tschentscher aufgrund dieser Entwicklungen zurzeit einen harten Kurs gegen Ungeimpfte fährt, bedeutet eine Impfung auch persönliche Freiheit – der Hamburger Senat strebt eine 2G-Regel (geimpft und genesen) für Gastro, Clubs und Kultur an.

Corona-Impfung für Kinder ab zwölf Jahren: Risiko ist für Ungeimpfte höher

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat die mRNA-Impfstoffe für alle Personen ab zwölf Jahren zugelassen. Diese Verwendung wird nun auch von der Stiko und vom AKK in Hamburg empfohlen. Ausgenommen sind all jene Personen, die an Vorerkrankungen leiden und die Corona-Impfung dadurch nicht in Anspruch nehmen können. Doch die behandelnden Ärzte klären diesen Punkt bereits vor der Impfung in einem Aufklärungsgespräch mit den Jugendlichen und deren Eltern ab.

Dr. Philippe Stock vom AKK Hamburg rät dazu, Kinder ab 12 Jahren gegen Corona zu impfen. (24hamburg.de-Montage)

Auch Risiken und Nebenwirkungen werden vorab bei diesem Gespräch abgeklärt. Zu den häufigeren Nebenwirkungen der Corona-Impfung gehören Schmerzen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen, Muskel- oder Gelenkschmerzen, Erschöpfung, Fieber und Schüttelfrost. Diese Symptome verlaufen aber meist leicht und klingen bald wieder ab.

Laut der Stiko und Dr. Stock ist das Risiko einer Herzmuskelentzündung nach einer Impfung ebenfalls überschaubar. Keine dieser Fälle ist laut dem Mediziner bisher unkompliziert verlaufen. Dr. Stock erklärt im Interview mit dem Hamburger Abendblatt: „Wir dürfen bei dieser Debatte nicht vergessen, dass beim PIMS Syndrom das Herz beziehungsweise die Koronargefäße am Herzen oft mitbetroffen sind, und das ist häufig viel schwerer als die beschriebenen Fälle mit Muskelentzündung nach Impfung.“

Pädiatrisches Inflammatorisches Multiorgan-Syndrom (PIMS) ist eine mögliche Spätfolge einer Covid-19-Erkrankung. Es ist sehr selten, aber umso gefährlicher. Symptome variieren von Bauchschmerzen und Fieber bis hin zu schweren Herz-Kreislauf-Störungen oder neurologischen Ausfällen. Wenn es nicht behandelt wird, kann PIMS sogar tödlich sein.

Corona-Impfung: Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren werden im AKK geimpft

Ab dem 27. August 2021 bietet das Altonaer Kinderkrankenhaus (AKK) in Hamburg jeden Freitag von 13 bis 17 Uhr Impfsprechstunden für alle Kinder und Jugendlichen von zwölf bis siebzehn Jahren an. Alle Termine können entweder per Telefon unter der Nummer 116 117 oder online auf impfterminservice.de vereinbart werden. Nach einem Aufklärungsgespräch wird die Impfung im medizinischen Versorgungszentrum durchgeführt. Danach werden die Geimpften fünfzehn Minuten lang überwacht.

Bei Kindern zwischen zwölf und vierzehn Jahren muss ein Elternteil bei der Corona-Impfung anwesend sein. Bei Jugendlichen zwischen vierzehn und sechzehn Jahren ist die sogenannte Einsichtsfähigkeit wichtig. Das heißt, sie müssen wissen, wie und warum sie geimpft werden. Da diese Einsichtsfähigkeit aber nur vor Ort bei einem Gespräch ermittelt werden kann, ist es auch hier notwendig, dass ein Erziehungsberechtigter dabei ist.

Dass ein Elternteil vor Ort ist, sei bei Jugendlichen ab sechzehn Jahren nicht mehr nötig. Doch auch hier muss die Einsichtsfähigkeit gegeben sein. „Wenn die Eltern nicht mit dabei sind, werden wir abfragen, wie diese zu der Impfung stehen. Und sollten sie dagegen sein, was vermutlich Einzelfälle sind, werden wir versuchen, die Eltern mit ins Boot zu holen, um Konflikte zu vermeiden“, erklärt Dr. Stock im Interview.

Corona-Impfung in Hamburg: Sollen bald Kinder unter zwölf Jahren geimpft werden?

Die Frage, ob wir bald mit einer Impfstofffreigabe für Unter-12-Jährige rechnen können, antwortet der Arzt, dass dazu in anderen Ländern bereits Studien laufen. Er vermutet, dass die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) die mRNA-Impfstoffe zuerst für Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren freigeben wird. „Somit rechne ich damit, dass über kurz oder lang die EMA eine Freigabe für die kleineren Kinder geben wird“, so Stock. Konkrete Hinweise dafür gebe es aber noch keine.

Die jüngsten Familienmitglieder, die noch keinen Corona-Impfschutz erhalten können, sollen laut dem Mediziner bis dahin durch das Einhalten der bestehenden Regeln geschützt werden. Dazu gehören das Tragen eines Mund-Nasenschutzes, regelmäßiges Händewaschen und Lüften sowie die Vermeidung von großen Menschenansammlungen. Außerdem sollte man von Reisen ins Ausland absehen.

Doch am wichtigsten ist es, dass so viele Menschen wie möglich die Impfung auch wahrnehmen. Für einen vollständigen Impfschutz reichen zwei Impfungen. Der Virologe Christian Drosten legte sich erst kürzlich dazu fest – eine dritte Impfung sei nicht nötig. Zur Wahrnehmung des Impfangebots findet auch Dr. Stock klare Worte: „Nur wenn möglichst viele Ältere geimpft sind, nähern wir uns der Herdenimmunität – und schützen damit die derzeit schutzlosen Kinder.“ *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Bodo Marks/Daniel Bockwoldt/Fabian Sommer/dpa

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