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Impf-Chaos in Hamburg: Termine verfügbar – oder doch nicht?

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Von: Jens Kiffmeier

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Hamburg vergibt wieder Impftermine – theoretisch. Doch es stockt in der Verwaltung. Schuld sieht Erster Bürgermeister Tschentscher (SPD) in Berlin. Faule Ausrede?

Hamburg – Die Terminvergabe für Corona-Impfungen verläuft in Hamburg weiterhin sehr holprig. Aus Sicht von Hamburgs Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) wird sich das Impfchaos auch nicht so schnell beheben lassen. „Es wird in den nächsten Wochen weiter sehr, sehr eng bleiben“, gestand der Rathauschef der Hansestadt Hamburg nach einem Bund-Länder-Gipfel im Kanzleramt. Das Ziel der Bundesregierung, bis Ende September allen Bundesbürgern ein Impfangebot zu machen, sei alles andere als gesichert. Kern des Problems sei dabei aber nicht die Terminvergabe, stellte Tschentscher klar, sondern die Beschaffung der Impfstoffe durch die Bundesregierung.

Deutscher Politiker:Peter Tschentscher (SPD)
Geboren:20. Januar 1966 , Bremen
Ehefrau:Eva-Maria Tschentscher (verheiratet seit 1998)
Aktuelle Ämter:Erster Bürgermeister der Hansestadt Hamburg

Die geringe Impfquote und eine holprige Terminvergabe für das zentrale Impfzentrum sorgen immer wieder für Ärger in der Hansestadt. Bis zu 7000 Impfungen können theoretisch pro Tag in den Hamburger Messehallen vorgenommen werden. Doch wegen Lieferengpässen bei den Impfstoffherstellern musste zuletzt die Terminvergabe für neue Impfungen zeitweise ausgesetzt werden, was Tschentscher mittlerweile selber sehr verärgert.

Coronavirus in Hamburg: Impfungen laufen im Messezentrum nur schleppend

Nach tagelangem Stillstand wurde am Montag dann die Terminvergabe wieder aufgenommen. Insgesamt 33.500 Termine sollten den über 80-Jährigen sowie Pflegekräften für den Zeitraum bis März über die Rufnummer 116117 oder online unter impfterminservice.de angeboten werden. Doch wie bereits in der Vergangenheit waren die Hotlines überlastet, viele Anrufer kamen nicht durch. Am Dienstag war deshalb erst rund die Hälfte der neuen Termine vergeben. „Das sei ein Problem“, gestand Tschentscher. Aber man sei mit dem Betreiber des Impfzentrums, der Kassenärztlichen Vereinigung, im Gespräch, damit möglichst schnell die Kapazitäten aufgestockt würden, teilte der Bürgermeister mit.

Peter Tschentscher (SPD) schaut auf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die eine Corona-Maske trägt. Im Hintergrund wird ein Patient von einem Arzt gegen Corona geimpft.
Kämpfen gegen die Corona-Krise: Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). (24hamburg.de-Montage) © Klaus-Dieter Gabbert/dpa/picture alliance & Bernd von Jutrczenka/dpa/picture alliance & Christian Charisius/dpa/picture alliance

In Hamburg sind laut Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) bis Ende vergangener Woche erst 53.742 Impfdosen verabreicht worden. Fast 45.000 davon waren Erstimpfungen, gut 9000 Menschen wurden bereits zum zweiten Mal gegen Corona geimpft. Hamburg liegt mit einer Impfquote von 2,4 Prozent bei den Erstimpfungen nur leicht über dem Bundesdurchschnitt von 2,2 Prozent.

Aus Sicht der Bundesländer liegt die niedrige Impfquote nicht an den Impf-Kapazitäten. Schuld an den schlechten Fortschritten ist die nicht ausreichende Versorgung der Impfzentren mit Impfstoff. Zuletzt hatte es bei den drei bisher zugelassenen Herstellern Biontech, Moderna und Astrazeneca Lieferschwierigkeiten gegeben, weshalb der Unmut und die Kritik an der Bundesregierung, die für den Einkauf und die Verteilung auf die Länder zuständig ist, deutlich gewachsen war.

Um die Probleme in den Griff zu bekommen, hatten sich die Ministerpräsidenten zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vertretern der Pharmabranche am Montagnachmittag zu einem Krisengipfel zusammengefunden. Dabei sicherten die Hersteller die Steigerung der Produktion zu und Merkel gab im Anschluss das Versprechen ab, dass bis Ende September jeder Bundesbürger geimpft sein könnte, der wollte. Dafür soll in den kommenden Wochen ein nationaler Impfplan aufgestellt werden.

Corona-Impfungen in Hamburg: CDU fordert von Tschentscher bessere Strategie

Tschentscher beurteilt diese Zusagen aber eher skeptisch. Die Belieferung sei alles andere als gesichert. Es seien zunächst einmal Versprechen für die Zukunft, sagte der Bürgermeister. Vor allem in den kommenden Wochen werde man weiterhin nicht auf zusätzliche Impfstoffe zurückgreifen können. Vor diesem Hintergrund verteidigte er auch die zurückhaltende Strategie des Hamburger Senats bei der Terminvergabe. Bevor man neuen Personengruppen einen Impftermin anbieten könne, müsse man sicherstellen, dass alle Menschen mit einer Erstimpfung auch ihre zweite Impfdosis erhalten würden. Deshalb könne man leider nicht verhindern, dass die Terminvergabe nicht so schnell voranschreite wie ursprünglich geplant.

Dass weiterhin Geduld gefragt ist, sieht man auch bei der Hamburger Opposition so. Das stehe seit dem gestrigen Impfgipfel eindeutig fest, teilte der CDU-Fraktionschef in der Hamburger Bürgerschaft, Dennis Thering, mit. Dennoch warf der Oppositionsführer dem Senat auch eigene Versäumnisse vor. Die technischen Probleme bei der Terminvergabe seien nicht neu und müssten besser gelöst werden. „Dieser Zustand hält jetzt bereits seit Wochen an und sorgt nicht gerade dafür, die Impfbereitschaft hochzuhalten“, warnte er. Er schlug vor, die Terminvergabe an einen externen Dienstleister zu übergeben und die Strategie zu ändern. Statt die Menschen anrufen zu lassen, sollten die Impfwilligen registriert werden. Diese sollten dann über einen Online-Service automatisch feste Termine angeboten werden. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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