Weil sie das Geschäftsmodell gefährden

Immer Ärger mit E-Scootern – doch Bergedorf will keine Abstellzonen festlegen

  • Bona Hyun
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E-Scooter werden immer mehr wild auf Gehwegen geparkt. In einigen Stadtteile Hamburgs gibt es bereits Abstellzonen – Bergedorf tut sich damit schwer.

Bergedorf – Sie vermüllen die Alster und blockieren nur die Gehflächen – E-Scooter, E-Bikes und E-Roller sind wohl gleich nach Fahrrädern die nervigsten Verkehrsmittel und Verkehrsteilnehmer. Falschparker scheinen trotzdem wenig dazuzulernen. In Hamburg brachten E-Scooter schon 1.000 Beschwerden ein, weil sie häufig im Weg stehen. Deshalb hatte sich die Stadt Hamburg auf neue Regeln für die Nerv-Dinger geeinigt – in einigen Stadtteilen Hamburgs gibt es mittlerweile Verbotszonen für E-Scooter.

Nur in den ausgewiesenen Buchten dürfen sie abgestellt werden. In Bergedorf gab es dafür noch keinen Bedarf aus Sorge um das Geschäftsmodell der Anbieter.

Stadtteil des gleichnamigen Bezirks Bergedorf:Bergedorf
Fläche: 10,3 km²
Bezirk: Bergedorf
Vorwahl: 040

E-Scooter und E-Bikes blockieren Gehwege: Warum will Bergedorf keine Abstellzonen errichten?

In Hamburg-Altona und Mitte wurden bereits feste Abstellzonen für E-Scooter eingerichtet. Bergedorf tut sich bisher noch schwer damit. Und Ende Juli soll die Hansestadt sogar noch mehr E-Bikes bekommen, wofür klare Regeln gefordert werden. Auch in Bergedorf gehen den Anwohnern die falsch geparkten E-Bikes und E-Scooter auf den Zeiger. Die Beschwerdelage bei der Polizei sei enorm, so CDU-Fraktionschef Julian Emrich gegenüber dem Abendblatt.

E-Scooter und E-Roller stehen häufig da, wo sie nicht stehen sollten. Bergedorf will trotzdem keine Verbotszonen einrichten. (Symbolbild)

Doch die CDU und FDP des Kreisverbunds Bergedorf sehen Parkzonen als „letztes Mittel“ zur Bekämpfung des Problems, wie das Abendblatt berichtet. Denn die festen Stellplätze könnten dem Geschäftsmodell der Anbieter die Grundlage nehmen – nämlich die E-Scooter und E-Roller flexibel abstellen oder bedienen zu können, so die CDU-Fraktion.

E-Scooter in Bergedorf: FDP und CDU befürchten Nutzungskonkurrenz bei Abstellzonen

Sonja Jacobsen von der FDP stimmt dem zu. Sie möchte den Betreibern der E-Scooter und E-Roller die Flexibilität nicht nehmen. Allerdings geht sie davon aus, dass feste Abstellplätze unvermeidbar sein werden. Auch Bezirksamtssprecher Lennart Hellmessen schaltete sich in die Diskussion ein. Das Problem mit festen Parkflächen für E-Scooter oder E-Bikes wäre der Konkurrenzkampf der Verkehrsmittel um die Parkplätze. Es gäbe bereits wenige Abstellflächen. Feste Parkzonen würden dieses Problem nur verlagern. „Mit festgestellten Abstellzonen bekämen wir dann eine ­Nutzungskonkurrenz“, so Hellmessen gegenüber dem Abendblatt.

Einig sind sich alle Partien – auch darüber, dass es so wie es jetzt ist nicht weitergehen könne. Trotzdem wollen CDU und FDP andere Möglichkeiten in Erwägung ziehen und durchspielen, bevor sie feste Stellplätze einrichten. Eine Maßnahme wären noch mehr Kontrollen in Bergedorf, wie es die Polizei in Hamburg schon bei Fahrern von E-Roller tut.

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E-Scooter nerven Anwohner – Anbieter Felyx bemüht „Ärger zu vermeiden“

Anwohnern in Bergedorf würde eine baldige Lösung entgegenkommen. Aktuell werden laut Abendblatt an der Lohbrügger Landstraße zwölf Roller der Marke Felyx auf zwei Grünflächen aufgestellt. „Vorher standen sie gegenüber auf dem Gehweg bei der Haspa“, äußerte sich Anwohner Klaus Miedlich (85) verärgert. Fußgänger mussten auf den Radweg ausweichen, weil die Roller den Gehweg blockieren. Mittlerweile wurde für die Elektro-Mofas eine No-Parking-Zone eingerichtet

Betreiber Felyx versteht den Unmut der Anwohner und beteuert, die Geschäftsgebiete würden nur öffentliche Parkplätze umfassen. Für Felyx sei die Situation auch unschön, da die eigene Marke ebenfalls unter Falschparkern leiden würde. Brand-Manager Christopher Eisermann betonte, dass man Ärger vermeiden wolle.

Parkverbot für E-Scooter und E-Roller in Bergedorf: Rechtliche Grundlage gilt zu beachten

Würde es in Bergedorf Abstellzonen für E-Scooter und E-Roller geben, müsste vorerst die rechtliche Grundlage beachtet werden. Rechtlich gesehen werden E-Scooter mit Fahrrädern gleichgestellt und dürften auch auf Gehwegen abgestellt werden. Elektrische „Mofa-Roller“ werden laut Abendblatt mit richtigen Fahrzeugen gleichgesetzt, die auf öffentlichen Verkehrsflächen, wie auf Parkplätzen stehen müssen.

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

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