Pandemie

Corona-Partys in Hamburg: Senatorin will Alkoholverbot ausweiten

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Illegale Partys und Corona-Verstöße in Hamburg: Viele nehmen das Alkoholverbot nicht ernst. Jetzt droht der Senat erneut mit drastischen Maßnahmen.

Hamburg – Grölende Jugendliche, alle dicht gedrängt ohne Maske und am Ende fliegen Flaschen gegen Polizisten: Die vielen Verstöße gegen die Corona-Regeln während der Sperrstunde verärgern zunehmend den Hamburger Senat. Nach erneuten Polizei-Einsätzen am vergangenen Wochenende in Hamburg drohte Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) jetzt eine Verlängerung und Ausweitung des Alkoholverbots in Teilen von St. Pauli und dem Schanzenviertel an. „Das sind harte Eingriffe. Aber ich fürchte, wir werden das mindestens noch den ganzen Juni beibehalten müssen“, sagte sie der „Bild“-Zeitung.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,841 Millionen (2019)
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

In der Hansestadt Hamburg waren in den vergangenen Wochen die Inzidenzwerte stark zurückgegangen. Der Senat um den Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hatte deswegen einen Lockerungskurs eingeschlagen und schrittweise die Öffnung der Innen- und Außengastronomie gestattet. Mit einer Ausnahme: In den Szenevierteln von St. Pauli gilt eine Sperrstunde. Zwischen 20.00 Uhr und 6.00 Uhr dürfen im Schanzenviertel oder rund um die Reeperbahn Bier, Schnaps und Wein nicht verkauft und auch nicht mitgeführt werden. Die Gastronomie muss zudem um 23.00 Uhr auch im Außenbereich schließen.

Corona-Regeln in Hamburg: Verstöße gegen Alkoholverbot könnte zu Ausweitung der Sperrzonen führen

Allerdings hatten sich am letzten Mai-Wochenende Tausende Hamburgerinnen und Hamburger nicht an die Regeln gehalten. Es kam zu zahlreichen Verstößen gegen das Maskengebot, die Kontaktbeschränkungen und Zusammenstößen mit der Polizei. Und auch am Sonntagabend, 5. Juni 2021, mussten Einsatzkräfte wieder einschreiten und eine Mega-Party im Stadtpark teilweise mit Gewalt auflösen. Probleme gab es zudem auch im Stadtteil Ottensen, wo sich zahlreiche Menschen draußen zum Feiern versammelt hatten.

Warnt vor einer Ausweitung des Alkoholverbots in Hamburg: Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD).

Wegen des Partytrubels zeigte sich Leonhard mächtig verstimmt. Die Feier-Exesse hätten bei ihr „deutlichen Ärger“ ausgelöst, sagte die Senatorin in dem Zeitungsinterview. Sie könne ja verstehen, dass nach dem monatelangen Lockdown die vorwiegend jungen Menschen wieder hinaus zum Feiern wollten. „Aber die Opfer sind am Ende viele Gastronomen, denen es sowieso schon schlecht geht“, stellte Leonhard klar. Diese litten nun unter Einschränkungen, die der Senat habe verhängen müssen. 

Alkoholverbotszone: Senat sieht Party-Treiben mit Sorge – Warnung vor steigenden Corona-Zahlen

Im Gegensatz zu Schleswig-Holstein und Niedersachsen* hatte Hamburg lange mit einer Öffnung der Gastronomie gezögert. Tschentscher fürchtete durch zu frühe Lockerungen einen JoJo-Effekt bei den Corona-Zahlen. Im Vorfeld des Neustarts in den Kneipen, Restaurants und Bars hatte er eindringlich Disziplin bei der Einhaltung der Regeln angemahnt. Insbesondere bei der Gastronomie handele es sich um einen äußerst sensiblen Bereich, in dem die Ansteckungsgefahr enorm hoch sei für Nicht-Geimpfte, so Tschentscher. Selbst einige Wirte sind wegen der Corona-Gefahr hin- und hergerissen* über die neuen Öffnungsmöglichkeiten.

In Hamburg gilt es als nicht ausgeschlossen, dass die Regeln bei steigenden Inzidenzwerten sofort angezogen und wieder verschärft werden. Bereits vor Leonhard hatten sich Senatoren in diese Richtung geäußert. So hatte Innenressortchef Andy Grote (SPD) bereits in der vergangenen Woche eine Warnung an alle Partygänger geschickt. Man könne das Alkoholverbot und die Sperrzonen jederzeit ausweiten, betonte er, wenn sich das Partytreiben von den bekannten Szenevierteln wegverlagern würde. Die Probleme im Stadtpark und in Ottensen haben die Bedenken des Senats nun sicher nicht kleiner werden lassen. * 24hamburg.de, kreiszeitung.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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