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Rollendes Büro mit WLAN: S-Bahn Hamburg schickt „Ideenzug“ auf die Strecke

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Von: Steffen Maas

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Seit Mitte September rollen in Hamburg autonome S-Bahnen über die Schienen. Jetzt gesellt sich auch der „Ideenzug“ dazu. Er bietet unter anderem WLAN.

Update vom 17. November 2022, 17:50 Uhr: Seit Donnerstag, 17. November 2022, setzt die S-Bahn Hamburg auf der Linie S2 (Altona-Bergedorf) endlich den sogenannten „Ideenzug“ ein. Die Waggons sind nach Angaben eines Bahnsprechers mit innovativen Möbeln und einem neuen Informationsangebot ausgestattet. Die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten solle die Attraktivität des ÖPNV erhöhen, sagte Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Der „Ideenzug“ ist von außen an einem besonderen Design zu erkennen: Statt der üblichen roten Farbe ist er in hellem Grau gehalten. Er verkehrt den Angaben zufolge von Montag bis Freitag zu den Stoßzeiten.

Mit dem Ideenzug machen wir die S-Bahn der Zukunft anfassbar und zeigen neue Entwicklungen für mehr Komfort, Information und Kapazität. Unsere Fahrgäste können die Innovationen in realer Umgebung testen. Ihre Rückmeldungen fließen direkt in die Vorbereitungen der nächsten Zug-Serie der S‑Bahn Hamburg ein. So wollen wir noch mehr Menschen für den klimafreundlichen Nahverkehr gewinnen.

Kay Arnecke, Chef der S-Bahn Hamburg

Erstmeldung vom 28. September 2022: Hamburg – Im letzten Jahr wurde er noch als große Innovation auf dem ITS-Weltkongress für intelligente Mobilität vorgestellt, ab kommender Woche rollt er als Realität auf den Schienen des Hamburger Netzes: der „Ideenzug“ der S-Bahn Hamburg. Er reiht sich als einer von vier vollautomatisch fahrenden Bahnen in das große Projekt „Digitale S-Bahn“ ein, das der lokale Verkehrsbetrieb zusammen mit der Deutschen Bahn entwickelt und in den kommenden Jahren ausrollen will. Die autonomen Züge waren Mitte September 2022 auf der S2-Linie in einer Deutschlandpremiere auf die Gleise entlassen worden. Der „Ideenzug“ bringt jetzt noch weitere Vorteile und Besonderheiten mit sich – zum Beispiel eine „Co-Working-Area“ mit Steckdosen, WLAN und Platz für Laptops.

Name:\tS-Bahn Hamburg GmbH
Tarifverbund:\tHamburger Verkehrsverbund (HVV)
Tochterunternehmen von:\tDeutsche Bundesbahn
Gründung:\t2007

„Co-Working-Area“ im „Ideenzug“: Vorgeschmack auf die Zukunft

„Co-Working-Area“ nennt die S-Bahn Hamburg den mittleren Wagon des „Ideenzuges“, wie das Abendblatt zuerst berichtete. Dort finden sich Stromanschlüsse, WLAN schwingt durch die Luft und auf einer Arbeitstheke lassen sich Laptops und Tablets abstellen. Alles, was man braucht, wenn man an einem stressigen Tag schon den Arbeitsweg effektiv nutzen will. Drei Leute passen sitzend nebeneinander an eine Theke.

Nachrichten aus Hamburg direkt aufs Handy – ganz einfach via Telegram

Doch die „Co-Working-Area“ ist nur ein Teil des „Ideenzuges“, der gerade auf dem Rückweg von der Verkehrstechnik-Messe „InnoTrans“ ist. Denn der wiederum ist nur ein Teil des großen Zukunftsversprechens des Verkehrsunternehmens an die Fahrgäste. Er soll quasi eine Vorschau bieten, wie das Reisen im hamburgischen Zugverkehr in naher Zukunft aussieht.

„Ideenzug“ wird zum Info-Zug: Passagiere besser und schneller informiert

Denn der „Ideenzug“, der ab kommender Woche auf der für die automatischen Züge umgebauten Linie zwischen Altona und Bergedorf fahren wird, bietet noch einige Änderungen mehr, die in Zukunft zum Standard werden sollen. Ein großes Thema dabei ist die bessere und schnellere Information der Fahrgäste.

Größere Displays sollen eine bessere Übersicht bieten, in Echtzeit sollen Informationen rund um die Fahrtstrecke und mögliche Anschlusszüge gegeben werden. Die bessere Orientierung soll dabei nicht im Zug enden: Bevor die Fahrgäste aussteigen, soll ihnen etwa die Richtung zum nächsten Ausgang mit auf den Weg gegeben werden. Das alles gibt es als Direkt-Info bei Bedarf auch aufs Handy, zudem werden Bahnsteiganzeigen und Fahrgast-TV ebenfalls aufgewertet.

Die Co-Working-Area im Ideenzug der S-Bahn in Hamburg
Großes Info-Display, Steckdosen, WLAN, Arbeitsfläche: So sieht die Co-Working-Area im Ideenzug der S-Bahn Hamburg aus. Die findet sich im mittleren Wagon des Zuges, was man von außen an der entsprechenden Kennzeichnung erkennt. © Deutsche Bahn/S-Bahn Hamburg

Wer gezielte Fragen hat, der kann sich in Zukunft an den Chat-Bot der S-Bahn Hamburg wenden: Der Service, der sich durch maschinelles Lernen stetig weiterentwickeln soll, versucht allen Fahrgästen bei individuellen Problemen zu helfen. „Der ,Ideenzug S-Bahn Hamburg‘ macht die Zukunft für Fahrgäste erlebbar“, bringt es ein S-Bahn-Sprecher gegenüber dem Abendblatt auf den Punkt.

S-Bahn Hamburg: Digitalisierung kostet wahrscheinlich rund 800 Millionen Euro

Die Technik aus dem „Ideenzug“ und der automatische Fahrbetrieb der Bahnen soll dann bald zum Standard werden. Der Chef der Hamburger S-Bahn, Kay Arnecke, sprach schon zur Jungfernfahrt der autonomen S-Bahnen Mitte September von einem „Epochenwechsel“. Mit der neuen Fahrt-Automatik und der damit zusammenhängenden Technik könnten bis zu 30 Prozent mehr Züge eingesetzt werden, ohne einen Meter Gleis neu zu bauen. Zudem sollen die Züge pünktlicher sein und weniger Energie verbrauchen.

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Das Projekt „Digitale S-Bahn Hamburg“ ist Teil des Vorhabens „Digitale Schiene Deutschland“, mit dem die Bahn ihre an vielen Stellen betagte Infrastruktur bis zum kommenden Jahrzehnt generell ins digitale Zeitalter bringen will.

Die Kosten für die komplette Digitalisierung der S-Bahn in der Hansestadt waren in einer Studie mit rund 800 Millionen Euro beziffert worden. Allein die Modernisierung und der Bau neuer Stellwerke erfordern demnach Investitionen von 620 Millionen Euro. 175 Millionen Euro werden für die Umrüstung der aktuellen Flotte veranschlagt. Bis etwa 2030 soll der komplette S-Bahn-Betrieb in der Hansestadt digitalisiert sein. (Mit Material der dpa)

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