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HVV U5: Wie klimafreundlich ist Hamburgs neue mega U-Bahn?

  • Natalie-Margaux Rahimi
    vonNatalie-Margaux Rahimi
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Die neue Hamburger U-Bahn soll laut Bürgermeister Peter Tschentscher die „modernste Bahn Deutschlands“ werden. Doch wie gut ist sie für das Klima?

  • Hamburg* beginnt in diesem Jahr mit dem Bau einer neuen U-Bahn.
  • Die U5 soll nach der kompletten Fertigstellung vom Hamburger Osten über die Innenstadt bis in den Westen führen.
  • Klimaschützer schlagen jetzt Alarm – eine U-Bahn ist nicht gleichbedeutend mit Umweltschutz.

Hamburg – Schon in diesem Jahr sollen die Bauarbeiten für die neue Hamburger U-Bahn U5 im Osten der Stadt losgehen. Seit ein paar Wochen ist auch der gesamte Streckenverlauf der Bahn bekannt. So soll sie vom Hamburger Stadtteil Bramfeld, die City Nord und die Innenstadt, über den Siemersplatz bis zu den Arenen in Hamburg-Stellingen führen. Laut Peter Tschentscher* wird die Bahn, die ohne Fahrer unterwegs sein wird, die modernste Bahn Deutschlands. Aber wird sie auch klimafreundlich? Erst kürzlich hatte Verkehrssenator Anjes Tjarks berichtet, dass für den Bau der U5 auch die Alster leergepumpt werden muss.

Bürgermeister von Hamburg:Peter Tschentscher
Geboren:20. Januar 1966, Bremen
Amt:Bürgermeister von Hamburg seit 2018
Ausbildung:Universität Hamburg (1995)
Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Ehepartner:Eva-Maria Tschentscher (verh. 1998)

HVV U-Bahn U5: Klimaschützer halten Bahn erst nach 100 Jahren für klimafreundlich

Wenn neue Bahnen in Planung sind, spricht man oft von einem Schritt für den Klimaschutz. Doch wie umweltfreundlich ist der Bau einer U-Bahn eigentlich? Diese Frage beantwortete der Umweltverband BUND jetzt im Zusammenhang mit der neuen Hamburger U5. Im Interview mit dem Hamburger Abendblatt heißt es von den Umweltschützern dazu: „Die U5 zahlt mindestens 100 Jahre lang nicht auf den Klimaschutz ein.“ Der Grund dafür ist simpel. Denn beim Bau der neuen U-Bahn-Tunnel wird massig CO2 ausgestoßen.

Verkehrssenator Anjes Tjarks stellte die Planungen zur U5 offiziell vor. (24hamburg.de-Montage)

Das gelte laut Hamburgs BUND-Chef Manfred Barsch auch für den Bau der U5. Daher könne man bei U-Bahnen nicht ohne Weiteres von klimafreundlichen Verkehrsmitteln reden, sondern müsse auch den CO2-Ausstoß in der Bauphase mit einrechnen, so Barsch. Besonders kritisiert der BUND-Chef, dass der Hamburger Senat* bisher keine Angaben zu den Klimafolgen des Bahnbaus gemacht hat. „In Zeiten der drohenden Klimakrise ist das nicht akzeptabel“, so Barsch.

Hamburger U5 laut Klimaschützer „so falsch wie Autobahnen“

Weiter noch sieht der Umweltverband den Bau der U5 sogar als Hindernis im Erreichen der Klimaziele an. Dazu sagte Manfred Barsch nämlich: „In Bezug auf den Klimaschutz und vor dem Hintergrund der Herausforderungen, die Pariser Klimaschutzziele auch in Hamburg zu erreichen, sehen wir die U5 weiterhin äußerst kritisch, wenn nicht sogar als kontraproduktiv.“ Deshalb sei eine ehrliche politische Debatte über die Vor- und Nachteile des Baus notwendig, meint Barsch.

Allerdings hätte eine solche Debatte an den Anfang der Planung gehört und nicht ganz ans Ende, so der Klimaschützer. In seinen Augen sei der Bau der U5 genau „wie der Bau neuer Autobahnen“ eine Fehlentscheidung. Diese habe es in Hamburg schon zuhauf gegeben. Der Senat habe bei der Planung den Fehler begangen, nie zu überprüfen, wie umweltschädlich der Bau einer neuen Bahn werde, kritisiert Barsch. Wegen des enormen CO2-Ausstoßes während der Bauphase könne die U5 keine Antwort auf die Klimakrise sein, so der Umweltverband.

Kritik an Hamburger U5: Schlecht geplant und viel zu teuer?

Kritik gibt es aber nicht nur bezüglich Klimaschutz – auch die Kosten für den Bau der neuen U-Bahn sind dem BUND ein Dorn im Auge. Mittlerweile werden die Kosten der U5 auf circa acht bis zehn Milliarden Euro geschätzt. Damit würde sie die teuerste Bahn werden, die bisher in Deutschland gebaut wurde. Damit werde über Jahrzehnte Kapital für andere Projekte im öffentlichen Nahverkehr fehlen, meint Manfred Barsch. Und auch der Streckenverlauf der U5 sei laut Umweltverband alles andere als gut gewählt.

„Es erfolgt erneut eine zentralistische Streckenführung über den Hauptbahnhof, der bereits überlastet ist“, kritisiert der BUND-Chef. In der Tat gilt der Hamburger Hauptbahnhof* seit Jahren als überlastet. Schon seit längerer Zeit wird deshalb auch über den längst notwendigen Umbau des Bahnhofes nachgedacht. Dennis Krämer, Sprecher der Verkehrsbehörde, wies die Vorwürfe des Umweltverbands entschieden zurück. Der Hauptbahnhof sei ein zentrales Ziel vieler Hamburger und mit der neuen Bahn schnell und komfortable erreichbar, so Krämer. Über 300.000 Hamburger werden durch die Linie angeschlossen.

BUND-Umweltverband fordert ehrlichen Systemvergleich zwischen U-Bahn und Stadtbahn

Aufgrund der vielen Kritikpunkte halte der Umweltverband BUND einen erneuten und vor allem „ehrlichen Systemvergleich zwischen Stadtbahn und U-Bahn unter der Berücksichtigung aller Faktoren, vor allem des Klimaschutzes“, für unerlässlich. Bei einer Stadtbahn, welche ausschließlich über der Erde fährt, würde ein aufwendiger und umweltbelastender Tunnelbau wegfallen. Allerdings hätte er umfassende Auswirkungen auf den sonstigen Straßenverkehr.

Besonders kritisiert Manfred Barsch, dass es solch einen Systemvergleich zu keinem Zeitpunkt gegeben hatte. Aus Sicht des Umweltverbandes liege bei der U5 ein „gravierender Planungs- und Abwägungsfehler“ vor. Seine Bedenken habe der BUND dem Hamburger Senat auch mehrfach vorgetragen. Zu den Vorwürfen bezüglich des Klimaschutzes gab es vom Hamburger Senat bisher keine Stellungnahme. Zahlreiche Modernisierungen im HVV haben übrigens auch in diesem Jahr wieder zu einer Preiserhöhung geführt. Immerhin könnte es bald günstigere Homeoffice-Tickets geben. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © xim.gs/Imago Images & Chris Emil Janßen/Imago Images

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