Änderung beim HVV

HVV ersetzt „Schwarzfahrer“: Begriff in Hamburg gestrichen

  • Christian Einfeldt
    VonChristian Einfeldt
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Der Hamburger Verkehrsverbund wird den Begriff „Schwarzfahren“ ersetzen: aus Rücksicht auf Menschen, die ihn als rassistisch oder diskriminierend empfinden.

Hamburg – Auch der Nahverkehrsbetrieb Hamburg verbannt künftig die Formulierung „Schwarzfahren“ aus ihrem Wortschaft. Der HVV schließt sich damit den Verkehrsunternehmen in Berlin, Hannover und Münster an, die bereits zuvor aus Angst vor Rassismus-Vorwürfen auf den Wandel der Sprache reagiert haben.

Unternehmen:Hamburger Verkehrsverbund
CEO:Dietrich Hartmann (2011–)
Hauptsitz:Hamburg
Gründung:29. November 1965

Antwort auf Wandel der Sprache: HVV möchte alle „Schwarzfahrer“-Aufkleber ersetzen

Medienberichten zufolge hätten sich bereits in der vergangenen Woche die HVV-Partner der Hochbahn und S-Bahn auf diese Entscheidung verständigt. Bereits seit längerem tauche das Wort „Schwarzfahren“ nicht mehr auf deren Internetseite auf. Nun sollen auch die großen Aufkleber, die aktuell noch im Hamburger Bus- und Bahnverkehr zu sehen sind, verschwinden. Erst kürzlich haben die hannoverschen Verkehrsbetriebe Üstra bekanntgegeben, den Begriff „Schwarzfahren“ zu streichen. 

Der Hamburger Verkehrsverbund verzichtet künftig auf den Begriff „Schwarzfahren“.

„Fahren ohne gültiges Ticket“ in Hamburg kostet bis zu 60 Euro

Statt mit dem Slogan „Finstere Aussichten für Schwarzfahrer“ werden Fahrgäste künftig durch den Aufkleber „Fahren ohne gültiges Ticket“ an die folgenden Konsequenzen erinnert, die unbelehrbaren Fahrgästen bis zu 60 Euro kosten kann. Der HVV reagiert mit der Maßnahme auf die sich im Wandel befindende Sprache. Alle Infos zum Reisen mit Hochbahn, S-Bahn und Bus des HVV gibt es hier.

Kein „Schwarzfahren“ mehr: HVV-Aufkleber werden ersetzt

HVV-Sprecher Rainer Vohl sagt: „Da wir sehen, dass sich vermehrt Menschen an dem Begriff stören, suchen wir nach Alternativen, um unsere Wortwahl anzupassen“, sagte HVV-Sprecher Rainer Vohl.. So hätte die Formulierung vor allem für schwarze Menschen eine negative Konnotation. „Schwarzfahren“ ist nicht der einzige Begriff, der diskriminierend aufgefasst werden kann. So hat auch Bahlsen ein Produkt umbenannt.

Eine Hochbahn-Sprecherin wies darüber hinaus darauf hin, dass der Slogan im Zuge der aktuellen Gender-Debatte, die in Eimsbüttel auch Einfluss auf den Straßenverkehr hat, ohnehin nicht mehr zeitgemäß sei. Wie der HVV am heutigen Montag, dem 12. Juli, bekannt gab, werden die Aufkleber nun ersetzt.

Der CDU-Verkehrsexperte Richard Seelmaecker meint, dass erst eine selbsternannte Sprachpolizei das Wort zum Problem mache, indem sie einen künstlichen rassistischen Bezug herstelle. Die Grünen begrüßen es hingegen, dass sich der HVV um eine Sprache bemühe, die nicht als Diskriminierung verstanden werden könne. Eine Initiative bemüht sich darüber hinaus, dass auch „Mohren-Apotheken“ nicht diskriminierend verstanden werden.

Begriff „Schwarzfahren“ hat rein etymologisch nichts mit Farbe zu tun

Tatsächlich aber hat der Begriff „Schwarzfahren“ etymologisch nichts mit Farbe zu tun. Ursprünglich geht er eher darauf zurück, dass Tätigkeiten bei Nacht durchgeführt wurden. Sprachwissenschaftler Eric Fuß erklärt, dass der Ausdruck eigentlich vom jiddischen Wort „shvarts“ (Armut) komme und demnach Menschen bezeichnete, die zu arm waren, um sich ein Ticket zu kaufen. *24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Georg Wendt/dpa

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