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„Housing First“: Dach über dem Kopf für Obdachlose nach finnischem Vorbild

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Von: Kevin Goonewardena

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Neue Wege bei der Bekämpfung von Obdachlosigkeit: Ohne Bedingungen sollen in einem Modellprojekt 30 Obdachlose eine Bleibe erhalten. Das Vorbild kommt aus Skandinavien.

Hamburg – In diesem Jahr sind bereits 29 obdachlose Mitbürger auf den Straßen der Hansestadt gestorben. Erfroren, erstochen, angezündet, irgendwo unter Brücken, in Parks oder in Hauseingängen. Unbemerkt von der Mehrheit, wie ihr Leben „auf Platte“. Hamburg will nun neue Wege beschreiten bei dem Versuch, möglichst vielen Menschen, ohne Obdach ein Dach über dem Kopf zur Verfügung zu stellen und damit auch vor den Gefahren zu schützen, die das Leben auf der Straße mit sich bringt. Dabei setzt die Stadt auf das sogenannte „Housing First“-Programm, das in Finnland schon seit rund fünfzehn Jahren angewandt wird.

Angriffe auf obdachlose Mitbürger 2020 in Hamburg206 (immer polizeilich registrierte Fälle)
Angriffe auf obdachlose Mitbürger im Jahr 201989
Davon Fälle mit schwerer Körperverletzung 202051
Davon Fälle schwerer Körperverletzung 201920

Housing First: Ein ganzjähriges Dach überm Kopf, ganz ohne Bedingungen

Wie der Name schon vermuten lässt, geht es bei dem Projekt darum, zuerst einmal wieder von der Straße in die eigenen vier Wände ziehen zu können. Ohne Bedingungen und bevor Süchte oder psychische Probleme, an denen viele Mitbürger auf der Straße leiden, überhaupt entstehen. Seit 2008 gibt es das Projekt „Housing First“ bereits in Finnland, nun greift Hamburg den in dem skandinavischen Land praktizierten Ansatz auf.

Zwei bis drei obdachlose Menschen sterben jeden Monat. Das macht mich fassungslos und es ist kein Zustand, an den wir uns gewöhnen dürfen.

Stephanie Rose, Sprecherin der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgschaft

Die Bewerbungsfrist für interessierte Träger eines auf drei Jahre ausgelegten Modellprojekts läuft noch bis Ende des Jahres. Dabei geht es um bis zu 30 Haushalte, die spätestens im Sommer 2022 im Rahmen des Projekts obdachlosen Menschen zur Verfügung gestellt werden sollen. Die Sozialbehörde stellt 880.000 Euro an Fördermitteln für den Projektzeitraum zur Verfügung.

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Housing First: Auch weitere Unterkünfte in Hamburg neu geschaffen

Die Unterkünfte sind ganzjährig bewohnbar und unterscheiden sich darin von denen, die die Stadt im Rahmen des Winternotprogramms zur Verfügung stellt, das dieses Jahr mit einem Rekordetat ausgestattet wurde. Auch hier geht Hamburg mittlerweile neue Wege, denn erstmals wurde für das diesjährige Winternotprogramm – das von November bis März dauert – mit dem Plaza Inn in Moorfleet ein Hotel angemietet.

Ein Obdachloser liegt unter einer Brücke am Hamburger Dammtor.
Nicht alle Obdachlose in Hamburg müssen in Zukunft auf der Straße schlafen. Die Stadt plant Micro-Unterkünfte nach finnischem Vorbild. © Hanno Bode/imago

Die Zimmer des Hotels müssen die Obdachlosen allerdings tagsüber verlassen. Und auch für Menschen mit psychischen Erkrankungen hat die Stadt eine neue Möglichkeit geschaffen. Zusammen mit dem städtischen Betreiber Fördern & Wohnen sind in der Hein-Hoyer-Straße auf dem Kiez Räumlichkeiten für Menschen, die an eben solchen Krankheiten leiden. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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