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Hospitalisierung plötzlich uninteressant: Warum hält Lauterbach an Inzidenz fest?

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Von: Jan Knötzsch

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Die Inzidenzen sind hoch, die Hospitalisierungsrate den Umständen entsprechend okay. Doch Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) interessiert Zweiteres nicht.

Hamburg/Berlin – Er ist, wenn man so will, eines der Gesichter der Coronavirus-Pandemie. Wann immer es in den letzten knapp zwei Jahren seit dem Ausbruch der Pandemie, die derzeit mit der Omikron-Variante nicht nur in Hamburg für hohe Inzidenzwerte sorgt, etwas zu besprechen gab: Karl Lauterbach war nie weit weg. Zumeist sogar mittendrin. Vornehmlich in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz, wo er sich Lauterbach unter anderem mit dem Virologen Hendrik Streeck zoffte. Inzwischen ist Karl Lauterbach unter Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) längst Gesundheitsminister. Und als solcher noch mehr mittendrin im Corona-Wahnsinn als je zuvor.

In der Corona-Krise wird derzeit allerorts der Ruf nach Lockerungen laut. Auch in Hamburg, wo der Hamburger Senat sich entschlossen hat, die 2G-Regel im Einzelhandel abzuschaffen. Weitere Corona-Lockerungen könnten schon im Februar in Hamburg folgen. Doch nicht, wenn es nach Karl Lauterbach geht. Der hält nach wie vor unnachgiebig an den Inzidenz-Werten fest – und lässt einen ganz anderen Punkt außer Acht.

Deutscher Mediziner, Gesundheitsökonom und Politiker:Karl Wilhelm Lauterbach
Geboren:21. Februar 1963 (Alter 58 Jahre), Düren
Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Amt:Gesundheitsminister (seit 2021), Mitglied des Deutschen Bundestages (seit 2005)
Ehepartnerin:Angela Spelsberg (verheiratet 1996 bis 2010)

Inzidenz oder Hospitalisieruntsrate? „Lauterbach kann nicht plötzlich mit neuen Parametern um die Ecke kommen“

„Es gibt täglich 100 bis 150 Tote. Das ist viel zu viel“, zitiert die BILD-Zeitung den amtierenden Bundesgesundheitsminister. Karl Lauterbach sagt aber auch: „Ich glaube, dass wir deutlich vor Ostern lockern werden. Davon bin ich fest überzeugt“ – und das ebenfalls via BILD. Doch Karl Lauterbach wäre nicht Karl Lauterbach, wenn er in der Coronavirus-Pandemie, in der Virologe Klaus Stöhr den sofortigen Wegfall von Corona-Regeln fordert, nicht zum großen „Aber“ ausholen würde: „Wir sind vor dem Höhepunkt der Welle. In das Maximum der Fallzahlen jetzt zu lockern, das bedeutet: Ich gieße Öl ins Feuer“, sagt Lauterbach.

Im Hintergrund ein Straßenschild mit einem Coronavirus und der Aufschrift Lockerung. Davor Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach.
Gesundheitsminister Karl Lauterbach hält nichts von schnellen Lockerungen und setzt statt auf die Hospitalisierungsrate bei der Argumentation auf die Inzidenzwerte. (24hamburg.de-Montage) © Frank Ossenbrink/imago

Von der Hospitalisierungsrate, die Karl Lauterbach sonst gerne als Argument für das Nicht-Lockern von bestehenden Corona-Regeln – diese Corona-Maßnahmen gelten übrigens aktuell in Hamburg – genutzt hat, ist allerdings bei dem SPD-Politiker keinerlei Rede mehr. Sehr zur Verwunderung der politischen Gegner, wie die BILD berichtet. „Lauterbach kann nicht plötzlich mit neuen Parametern um die Ecke kommen, wenn zwei Jahre lang das Ziel war, einen Klinik-Kollaps zu verhindern – und davon sind wir zum Glück weit entfernt“, zitiert das Medium den CDU-Gesundheitsexperten Tino Sorge.

Coronavirus-Pandamie: Karl Lauterbach hält Diskusionen über Lockerungen für „fehl am Platze“

Dieser führt weiter aus: „Der sinkende R-Wert, die steigende Verdopplungszeit, die stabile Klinikauslastung und die hohe Zahl milder Verläufe sind klare Signale. Es bilden sich Spielräume für Lockerungen.“ In Hamburg lag der R-Wert am Dienstag, 8. Februar 2022, bei 0,86, wie Senatssprecher Marcel Schweitzer im Rahmen der Landespressekonferenz im Hamburger Rathaus erklärt hat. Und auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft sagt in Person ihres Vorsitzenden Gerald Gaß via BILD voraus: „Ich rechne aktuell für die kommenden Wochen nicht mehr mit einer Überlastung des deutschen Gesundheitswesens.“

Ich rechne aktuell für die kommenden Wochen nicht mehr mit einer Überlastung des deutschen Gesundheitswesens.

Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft

Vielmehr könne man dann, wenn der Scheitelpunkt der Omikron-Welle, in der eine freiwillige Infektion keine gute Idee ist, überstanden sei, seitens der Politik „ohne Zweifel schrittweise Lockerungen für die kommenden Wochen ins Auge fassen“. Apropos freiwillige Infektion: Zwei Studien zeigen, wie es in Sachen Superimminutät gegen das Coronavirus aussieht. Sind Geimpfte oder Genesene besser geschützt – wer hat die besagte Superimmunität gegen Corona? Losgelöst von dieser Frage, so sagt FDP-Fraktionschef Christian Dürr der BILD, müsse „die nächste Ministerpräsidentenkonferenz erste Beschlüsse fassen“, wenn es um Lockerungen gehe.

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Aus Sicht Dürrs sei es absolut legitim, bereits jetzt „über konkrete Öffnungsperspektiven zu sprechen“, die dann eintreten könnten, sobald „diese Gefahr nicht mehr besteht“. Diese Rechnung macht der FDP-Mann allerdings ohne Karl Lauterbach. Der Gesundheitsminister nämlich hält Diskussionen um Lockerungen für „fehl am Platz.“ Weil er eben weiter auf die Inzidenz schaut. Und nicht auf die Hospitalisierungsrate. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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