Zwischen Familienhäusern

Frauen schaffen in Bergedorfer Hostel an

  • Fabian Raddatz
    vonFabian Raddatz
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Hamburger Rotlicht-Arbeiterinnen bieten ihre Dienste nun in einem Hostel im Stadtteil Bergedorf an. Den Frauen bleiben derzeit wenig andere Möglichkeiten.

Hamburg – Zwischen Familienhäusern und gepflegten Vorgärten steht in Bergedorf ein Hostel. Eigentlich herrscht hier tote Hose. Durch Corona verirren sich nur wenige Gäste hierhin. Doch in letzter Zeit ist viel los. Immer wieder parken Autos in den Straßen, Männer huschen schnell ins Hostel – und wieder raus.

Stadtbezirk in Hamburg:Bergedorf
Fläche:10,3 km²
Einwohner:35.796 (31. Dez. 2019)
Vorwahl:040

Nach einem Bericht der „Hamburger Morgenpost“ nutzen Rotlicht-Arbeiterinnen aus Bulgarien das Gebäude, um sich mit Freiern zu treffen. Das Hostel wirbt im Internet mit Zimmern bis zu fünf Betten. Die Preise sind günstig. Die Kontaktaufnahme mit den Damen sei einfach: Auf den Websites sind die Frauen mit Handynummer und Preis aufgelistet. Der Treffpunkt wird dann via WhatsApp ausgehandelt.

Frauen schaffen in Bergedorfer Hostel an: Arbeiterinnen sind in misslicher Lage und Freiern ausgeliefert

Den Frauen bleibt derzeit nicht viel anderes übrig. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern lässt Hamburg seine Bordelle zu. Die Arbeiterinnen rutschen in die Illegalität. Oft mit fatalen Folgen: Ohne die Sicherheit von Bordellen und die Möglichkeit, die Polizei Hamburg zu rufen, sind die Frauen ihren Freiern hilflos ausgeliefert.

Rotlicht-Arbeiterinnen bieten ihre Dienste in einem Bergedorfer Hostel an – weil in Hamburg die Bordelle geschlossen sind. (Smybolbild/24hamburg.de-Montage)

Johanna Weber vom Berufsverband für erotische Dienstleistungen: „Gerade für Frauen, die keinen festen Wohnsitz haben, ist es schwer. Sie können keinen Anspruch auf Corona-Hilfen oder Arbeitslosengeld stellen.“ Trotz immer neuer Corona-Lockerungen ist das Rotlicht-Gewerbe der Hansestadt Hamburg bislang außen vor geblieben.

Und statt zwischen sicheren vier Wänden auf der Reeperbahn gehen die Arbeiterinnen weiter anschaffen – in schmutzigen Hinterhöfen, in Autos, in Hotel-Zimmern. Oder in dem Hostel in Bergedorf. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Rolf Kremming/imago

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