Vorreiter für hybrides Arbeiten

Wie gehen Firmen wie Otto, Beiersdorf, Haspa mit dem Homeoffice-Ende um?

  • Anika Zuschke
    VonAnika Zuschke
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Ab dem 1. Juli fällt die Homeoffice-Pflicht für Berufstätige. Müssen nun alle wieder ins Büro? Hamburger Unternehmen wie Otto setzen auf hybride Arbeit.

Hamburg – Seit heute, 1. Juli 2021, gibt es für Unternehmen in Deutschland keine Homeoffice-Pflicht mehr. Die strengen Vorschriften wurden zum 30. Juni gekippt. Es müssen aber nicht alle Beschäftigten sofort ins Büro zurückkehren. Die großen Hamburger Unternehmen Otto, Haspa und Beiersdorf zeigen, wie es gehen kann.

Hamburg:Hansestadt in Deutschland
Fläche:755,2 km²
Gegründet:500 nach Christus
Bürgermeister:Peter Tschentscher

Die Corona-Inzidenz in Hamburg sinkt stetig, am 30. Juni lag diese nur bei 8,3 – vergangene Woche war der Wert noch zweistellig. Aus dem Grund stand einer Aufhebung der Homeoffice-Pflicht nichts mehr im Wege. Und tatsächlich wurde die Forderung vom Bund, dass Beschäftigte wenn möglich von zu Hause aus arbeiten sollen, nach Monaten aufgehoben. Im Büro werden demnach ebenfalls neue Corona-Regeln gelten*.

Ende der Bundes-Notbremse: Homeoffice ist nicht länger Pflicht

Seit Januar 2021 sah die Covid-Arbeitsschutzverordnung die Pflicht für Arbeitgeber vor, ihren Beschäftigten Homeoffice zu ermöglichen. Zunächst war die Verpflichtung nur bis zum 15. März befristet, die Aufhebung wurde aber immer wieder in die Zukunft verschoben. Zum 1. Juli konnten die geltenden Regeln mit dem Ende der Bundes-Notbremse* endlich aufgehoben werden. Wie reagieren Otto, Beiersdorf und die Hamburger Sparkasse darauf?

Auf dem Otto-Campus in Bramfeld gab es zuletzt eine starke Homeoffice-Quote von 90 Prozent. Ab heute lässt der Hamburger Versandhändler die Beschäftigten selbst entscheiden, ob diese weiterhin mobil oder wieder vom Büro aus arbeiten wollen. „Bei Otto können Mitarbeitende auch nach Ende der gesetzlichen Homeoffice-Pflicht am 30. Juni 2021 weiterhin mobil arbeiten - deutschlandweit“, teilt die Otto-Einzelgesellschaft der Deutschen Presse Agentur (dpa) mit.

Unternehmen Otto setzt auf hybrides Arbeitsmodell

Das Unternehmen ordnet für seine Mitarbeiter keine generelle, tägliche Präsenzpflicht an. Die rund 6.100 Beschäftigten sollen sich in ihren jeweiligen Teams gemeinsam darauf einigen, welcher Arbeitsort für wen wann am besten passt. Es wird also weiterhin auf ein hybrides Arbeitsmodell gesetzt.

Grund dafür ist unter anderem eine Umfrage von Anfang 2021, die ergeben hat, dass 90 Prozent der Mitarbeiter auch über die Corona-Pandemie hinaus verstärkt mobil arbeiten wollen. Aber auch die Sorge vor einer erneuten Corona-Welle mit der Delta-Variante durch Reiserückkehrer ruft Pressesprecher Frank Surholt zufolge eine gewisse Vorsicht hervor. Das äußerte er dem NDR gegenüber.

Deswegen beschäftigt sich Otto mit einem Öffnungsszenario zum Ende der Hamburger Sommerferien – in Abhängigkeit von der Inzidenz und Infektionsrate in Hamburg und Deutschland. Zur tageweisen Büroarbeit sind laut dem Hamburger Abendblatt keine Vorschriften geplant. Aber die Kantinen auf dem Gelände in Bramfeld werden langsam wieder hochgefahren.

Ende der Homeoffice-Pflicht: Wie gehen große Hamburger Unternehmen damit um?

Haspa hat Homeoffice bereits vor der Bundes-Pflicht weitläufig eingeführt

Die Hamburger Sparkasse war ihrer Zeit schon voraus: Denn bereits vor der Homeoffice-Pflicht arbeitete jeder, für den es möglich war, von zu Hause aus für die Haspa. „Trotz der zwingend gebotenen Aufrechterhaltung unseres Filialnetzes ist das der größere Teil unserer Mitarbeitenden“, erzählt die Sparkasse der dpa.

Wegen guter Erfahrungen möchte das Unternehmen in Hamburg einen Mix aus mobilem Arbeiten und Präsenz im Büro in Zukunft beibehalten. Unter Beachtung des Gesundheitsschutzes und in Absprache mit den Führungskräften vor Ort werden ab dem 1. Juli nach und nach mehr Beschäftigte in ihre Büros zurückkehren – Masken- und Abstandregeln müssen aber weiterhin eingehalten werden.

Bei Nivea-Hersteller Beiersdorf darf maximal die Hälfte der Angestellten ins Büro zurückkehren

In dem Unternehmen Beiersdorf arbeiten schon seit Anfang November 2020 nahezu alle Mitarbeiter, bei denen es möglich ist, mobil. Das läuft in der Hamburger Konzernzentrale auf rund 2.500 Beschäftigte hinaus. Ab heute darf maximal die Hälfte der Beschäftigten wieder gleichzeitig im Büro vor Ort sein. Auf diese Weise soll unter Aufsicht der Chefs eine vorsichtige Rückkehr an den Arbeitsplatz ermöglicht werden.

Nach einer neuen Beiersdorf-Betriebsvereinbarung haben die Kollegen einen Anspruch darauf, bis zu zwanzig Prozent ihrer individuellen Soll-Arbeitszeit außerhalb des Beiersdorf-Betriebsgeländes erbringen zu dürfen. Wenn die äußeren Gegebenheiten es zulassen, fördert das Unternehmen aber auch darüber hinaus das Arbeiten an flexiblen Orten mit bis zu vierzig Prozent.

Ein weiteres Goodie des Nivea-Herstellers: Beiersdorf hat seinen Angestellten einen Corona-Bonus in Höhe von 600 Euro netto zur Verfügung gestellt, von dem sie ihren mobilen Arbeitsort ausgestalten konnten. Insgesamt scheint es so, als würden sich die großen Hamburger Unternehmen auch weiterhin auf einen gewissen Anteil von Homeoffice-Nutzern einstellen. * 24hamburg.de und Kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Westend61/Imago

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