Hamburg hilft Ahrweiler

Hochwasser-Spenden-Wunder: Hamburger 40-Tonner rock ´n rollt nach Ahrweiler

  • VonUlrike Hagen
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Spenden für Ahrweiler: Wilhelmsburger Veranstaltungsprofis stemmen innerhalb von 24 Stunden Hilfsaktion. 40-Tonner mit Hilfsgütern erreicht das Katastrophengebiet.

Ahrweiler – 117 Tote, immer noch mindestens 170 Vermisste, wenig Hoffnung auf Überlebende. Kein Strom, kein Gas, weder Mobilfunk noch Trinkwasser. Die Hochwasser-Katastrophe hat den Landkreis Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) besonders hart getroffen.

Die rund 130.000 Einwohner stehen nach der verheerenden Flut vergangene Woche vor den Trümmern ihrer Existenz. Während sich in Niedersachsen Hunderte Landwirte auf den Weg machten, um im Katastrophengebiet zu helfen*, reagierte nun in Hamburg ein Netzwerk von Hamburger Veranstaltungsprofis, „Hamburg United“, mit einer spontanen Hilfsaktion: Heute rollte ein 40-Tonner vollgepackt mit Spenden aus dem Norden in die gebeutelte Region.

Landkreis:Ahrweiler
Einwohner:130.479
Fläche:787 km²
Sehenswürdigkeit:Nürburgring

Hochwasser in Ahrweiler – „Hamburg United“ reagiert

Die Spendenaktion riefen Lars Vegas Ide von Rock n´ Roll Hamburg, Mario Stramm und Timo Meinen von Tourhafen, WilhelmsRock und Rock ´n Roll Trucking gemeinsam ins Leben. Dem Aufruf über Facebook und Instagram folgte ein wahrer Spendenmarathon gegen die Flut-Katastrophe: „Wir waren überwältigt. Es kamen sogar ältere Damen aus dem Speckgürtel mit säckeweise Kleidung, Menschen, die 200 Kilometer fuhren, den Kofferraum randvoll mit Hygieneartikeln, aber auch kleine Kinder mit Tüten voller Spielzeug und Gummibärchen für die kleinsten von der Katastrophe Betroffenen“, berichtet Lars Vegas Ide.

Hochwasser-Spendenaktion Ahrweiler: „Haben das Know-how und die Leute!“

„Wir als von der Corona-Pandemie wirtschaftlich besonders hart getroffener Zweig wissen, wie wichtig es ist, zusammenzuhalten. Und wenn wir eins gut können, ist es innerhalb kürzester Zeit gemeinsam Produktionen abzuwickeln und zu organisieren. Wir haben eben das Know-how und die Leute“, erklärt Ide. In normaleren Zeiten ist er ganzjährig mit großen Acts auf Tour, auch mit Jan Delay, der gern für das Hamburger Impfzentrum ein Gratis-Konzert gegeben hätten, wenn der Senat es nicht verboten hätte. Know-how und Leute – gesagt, getan: Innerhalb einer viertel Stunde bekam er vom befreundeten Transportunternehmen Rock ´n Roll Trucking die Zusage für den kostenfreien 40-Tonner, inklusive Sprit und Fahrer.

Ahrweiler: „Hamburg United“ sammelte Spenden für Hochwasseropfer. In der Mitte: Lars Vegas Ide, Initiator.

Überwältigende Hilfe für Ahrweiler: Ein 40-Tonner voller Spenden in zwei Tagen

Binnen kürzester Zeit wurden über die Social-Media-Aufrufe Hunderte Spender mobilisiert; nach wenigen Stunden schon stapelten sich auf dem Gelände in Hamburg-Wilhelmsburg die Sachspenden: Palettenweise Trinkwasser, Arznei- und Lebensmittel, Schaufeln, Schlammabsauggeräte, Werkzeug, Hygieneartikel und Kinderspielzeug. Gestern wurde der Truck beladen, um gegen fünf Uhr abends prall gefüllt in das Hochwasser-Katastrophengebiet nach Ahrweiler loszurollen. Heute morgen entluden wartende Helfer dann die Spendenlieferung im Krisengebiet.

Hochwasser-Spendenaufruf für Ahrweil: Folgeaktion schon in Planung

Noch versinkt Ahrweiler in Schutt und Schlamm – und sowohl gefährliche Keime als auch die Corona-Infektionsgefahr bei ohnehin schon explodierenden Inzidenzen* sind Probleme, mit denen die Menschen der Region derzeit obendrein zu kämpfen haben. Es wird Wochen dauern, bis sich die Lage beruhigt und die Häuser der Region wieder bewohnbar sind. „Im Moment geht es dort nur darum, das Elend unter Kontrolle zu bekommen“, so Lars Vegas Ide, „aber sobald es gilt, den Leuten, die alles verloren haben, eine Einrichtung zu ermöglichen, sind wir sofort wieder zurück“. Dann wird es einen neuen Spendenaufruf geben. Und der Rock ´n Roll 40-Tonner tourt wieder gen Südwesten – diesmal vollbepackt mit Möbeln und Einrichtungsgegenständen. *kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Lars Ide/ Julia Schwendner & Thomas Frey/dpa

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