Hamburger Datenschutz-Boss knallhart

H&M bespitzelt Mitarbeiter: Datenschutz-Skandal kostet 35 Millionen Euro

  • Johanna Ristau
    vonJohanna Ristau
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Dem schwedischen Mode-Konzern H&M steht ein bitterer Winter bevor. Im nächsten Jahr will die Kette 250 Filialen in Deutschland schließen – trotz fixer Erholung nach der Corona-Pandemie. Und jetzt verhängt der Hamburger Datenschutzbeauftragte auch noch ein saftiges Bußgeld. Grund ist ein folgenschwerer Datenschutz-Skandal.  

  • H&M schließt 250 Filialen in Deutschland.
  • Schwedischer Mode-Konzern erholt sich von Coronavirus*-Krise.
  • Hamburgs* Datenschutzbeauftragter fordert 35,26 Millionen Euro Bußgeld.

Hamburg – Datenschutz-Drama bei H&M. Die Mitarbeiter des H&M-Kundenservices, der in Nürnberg sitzt, sollen ausgeforscht worden sein. Dabei sollen Führungskräfte ihre Angestellten nach etwaigen Urlaubs- oder Krankheitsabwesenheiten gezielt ausgefragt haben. Daten wie besondere Urlaubsereignisse, Diagnosen, Symptome, Streitigkeiten in Familie und Beziehung sollen die Vorgesetzten dann professionell dokumentiert haben.

Unternehmen:H&M
Gründer: Erling Persson
Gründung:4. Oktober 1947, Västerås, Schweden
Umsatz: 25,19 Milliarden USD (2016)
CEO: Helena Helmersson (30. Jan. 2020–)
Zentrale: Stockholm, Schweden

H&M: Datenschutz-Skandal in Nürnberger Kundenzentrum – Hamburger Datenschutzbeauftragter fordert dickes Bußgeld

Weil sich der Firmensitz von H&M Deutschland in Hamburg befindet, kümmert sich Landesdatenschutzbeauftragter Johannes Caspar um den Skandal. Seine Behörde fordert nun ein Rekord-Bußfeld in Höhe von 35.258.707,95 oder kurz gesagt 35,26 Millionen Euro von H&M.

Johannes Caspar, Hamburgs Datenschutzbeauftragter, fordert von H&M 35,26 Millionen Euro. (24hamburg.de-Montage)

Bei den Vorwürfen handele es sich um „umfassende Aufzeichnungen über Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, wie die FAZ schreibt. Führungskräfte des Mode-Riesens sollen systematisch detaillierte Aufzeichnungen digital dokumentiert haben. „Es handelt sich dabei auch um Gesundheitsdaten der Betroffenen, von der Blasenschwäche bis zu Krebserkrankung, sowie um Daten von Personen aus deren sozialen Umfeld wie etwa familiäre Streitigkeiten, Todesfälle oder Urlaubserlebnisse.“

Johannes Caspar bringt das Ausmaß der Bespitzelung in der „FAZ“ auf den Punkt: „Das qualitative und quantitative Ausmaß der für die gesamte Leistungsebene des Unternehmens zugänglichen Mitarbeiterdaten zeigt eine umfassende Ausforschung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in den letzten Jahren ohne vergleichbares Beispiel ist.“ Ausgerechnet die ausspionierten Kundenservice-Mitarbeiter selbst waren es, die dem Skandal vor Monaten auf die Schliche gekommen waren. Der unfassbare Grund: ein Datenleck! 24hamburg.de berichtet auch über Tim Mälzers Bullerei, die nach Renovierungen* endlich wieder aufmacht.

H&M: Mitarbeiter-Daten von Führungskräften dokumentiert

Als die Mitarbeiter interne Dateien des Kundenzentrums durchstöberten, fanden sie im IT-System plötzlich die offen zugänglichen Ordner mit dem heißbegehrten Datenmaterial. Und was sagt H&M zu dem Vorfall? In einer Pressemitteilung des Mode-Riesens heißt es: „Nach der Aufdeckung und Meldung des Vorfalls leitete H&M im Nürnberger Servicecenter unverzüglich weitreichende Maßnahmen ein. Zur Verbesserung wurde einen umfassenden Aktionsplan aufgelegt zur Verbesserung der internen Audit-Praktiken, um die Einhaltung der Datenschutzbestimmungen zu gewährleisten und um das Wissen der Führungskräfte für die Sicherstellung eines sicheren und datenschutzkonformen Arbeitsumfeldes zu stärken, sowie zusätzliche Schulungen von Mitarbeitern und Führungskräften in diesem Bereich.“ Zudem sollen die Angestellten des Servicezentrums finanziell entschädigt werden.

H&M lässt Datenschutz-Skandal juristisch prüfen – bevor Mode-Konzern 35,26 Millionen Eurp Bußgeld zahlt

Eine H&M-Sprecherin in der „FAZ“: „Da sich der Vorfall in juristischer Prüfung befindet, bitten wir Sie um Verständnis, dass wir uns zum aktuellen Zeitpunkt nicht weiter äußern können.“ Laut Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) darf das Bußgeld in der Höhe von vier Prozent des weltweiten Umsatzes des vorangegangenen Geschäftsjahres sein. Nun hat Hamburgs Datenschutzbeauftragter also ein Bußgeld von 35,26 Millionen Euro verhängt.

„Der vorliegende Fall dokumentiert eine schwere Missachtung des Beschäftigtendatenschutzes am H&M-Standort Nürnberg“, erklärt Johannes Caspar. „Das verhängte Bußgeld ist dementsprechend in seiner Höhe angemessen und geeignet, Unternehmen von Verletzungen der Privatsphäre ihrer Beschäftigten abzuschrecken.“ Doch das ist nicht das einzige Problem, mit dem sich der schwedische Mode-Gigant gerade herumschlagen muss. 24hamburg.de berichtet auch über das Aus der Galeria Kaufhof in der Mönckebergstraße* und über die Kunden, die sich auf die letzten Tage völlig daneben benehmen.

H&M erholt sich von Coronavirus-Krise und schließt trotzdem 250 Filialen weltweit

Im kommenden Jahr will H&M von den 5.000 Filialen weltweit rund 250 schließen. Das teilte H&M am Donnerstag, 1. Oktober 2020, zur Vorlage seiner endgültigen Zahlen für das bis Ende August gelaufene dritte Geschäftsquartal mit, wie RND berichtet. Nach der Corona-Krise war es H&M gelungen, bereits im Sommerquartal wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Konzern-Chefin Helena Helmersson: „Obwohl die Herausforderungen an uns noch bei weitem nicht vorbei sind, dürfte das Schlimmste hinter uns liegen.“

Die Erholung der H&M-Filialen laufe schneller als erwartet. Helmersson dazu: „Wir haben ein starkes und profitables Wachstum im Online-Geschäft erzielt, und mehr und mehr Geschäfte haben inzwischen wieder geöffnet.“ Noch seien 166 der 5000 Filialen aufgrund von Corona dicht. Trotz schwarzer Zahlen im Sommer sei auch das dritte Quartal noch stark durch die Pandemie belastet. Im Jahr 2020 hatte H&M im dritten Quartal 50,9 Milliarden schwedische Kronen (rund 4,83 Milliarden Euro) umgesetzt. Im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang um 16 Prozent. Nach Steuern habe sich der Gewinn auf 1,82 Milliarden Kronen mehr als halbiert. Für September 2020 meldete H&M nun einen Rückgang der Erlöse um „nur“ noch 5 Prozent*24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © Hauke Christian-Dittrich/dpa & Lukas Schulze/dpa

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