Wirtschaftswunder von der Elbe

Olaf Scholz (SPD) soll mehr Kohle für Hamburger Hafen locker machen

  • Jens Kiffmeier
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Kanzlerkandidat Olaf Scholz soll für den Hamburger Hafen Geld locker machen, denn dieser sichert in der Corona-Krise 600.000 Arbeitsplätze. 

Hamburg – Nach der Veröffentlichung einer neuen Arbeitsplatz-Studie zum Hamburger Hafen hat der Senat eine bessere Förderung mit Bundesmitteln angeregt. Weil der Standort bundesweit eine viel größere Relevanz habe als gedacht, eröffne dies eine ganz neue Perspektive, sagte Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) der dpa. Es müsse die Frage erlaubt sein, ob der Hansestadt Hamburg nicht mehr „Unterstützungsleistungen“ durch den Bund zustehen könnten.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Einen Tag zuvor hatte eine neue Analyse des Bremer Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) für viel Aufsehen gesorgt. Demnach ist die Bedeutung des Hamburger Hafens nicht nur für die Hansestadt selber groß. Bundesweit sichert der Standort mit seinen angeschlossenen Betrieben, Industriezweigen und Branchen mehr als 600.000 Arbeitsplätze. Dabei werden insgesamt 2,6 Milliarden Euro an Steuergeldern generiert.

Hamburger Hafen: Ein Arbeiter sichert laut Studie bundesweit 141 Arbeitsplätze

Die Studie ist von der Wirtschaftsbehörde zusammen mit der Hamburg Port Authority (HPA) in Auftrag gegeben worden. Zuvor war man in der Fachbehörde davon ausgegangen, dass nur etwa 269.000 Jobs in Deutschland direkt oder indirekt von dem Hafen abhängen. Bereits 2014 hatte es eine ähnliche Studie gegeben.

Absoluter Wirtschaftsmotor: Der Hamburger Hafen sichert bundesweit rund 600.000 Jobs. (24hamburg.de-Montage)

Hamburgs Hafenarbeiter leben in ihrem Job gefährlich. Erst kürzlich war ein Arbeiter am Terminal schwer verunglückt. Doch mit ihrer harten Arbeit jeden Tag tragen sie bundesweit zum Wohlstand bei. Denn laut der neuen Analyse sichert rein rechnerisch ein einziger Beschäftigter mit seiner Arbeit an den Kaikanten bundesweit 141 Jobs.

Allein 110 davon befinden sich in der Hafen-bezogenen Industrie, also in Unternehmen, die für ihre Exporte auf Häfen angewiesen sind. Von den mehr als 600.000 Jobs, die am Tropf der Hafenindustrie hängen, befinden sind lediglich 124.000 selber in der Metropolregion Hamburg. Der überwiegende Rest ist über das gesamte Land verteilt.

Hamburger Hafen: Einer der größten Umschlagplätze Europas

Damit ragt die Bedeutung des Hafens weit über den Norden hinaus. Für Westhagemann bietet dies ganz neue Argumente in den Verhandlungen mit Berlin. In der Vergangenheit habe man das gesamte Ausmaß „vielleicht nicht gesehen“, wagte der Wirtschaftssenator einen ersten vorsichtigen Vorstoß. Seine Hoffnung: Für viele große und kleine Infrastrukturprojekte könnte es in Zukunft vielleicht schneller Geld und Unterstützung vom Bund geben.

Nach Rotterdam und Antwerpen ist Hamburg der drittgrößte Seehafen in Europa. Seine Kraft zieht er aus dem Containerumschlag, aber auch bei Kreuzfahrern ist er als Standort beliebt. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss die Infrastruktur in den kommenden Jahren kräftig verbessert werden. Nach jahrelangem Gerichtsstreit mit Umweltschützern wurde die erneute Elbvertiefung bereits auf den Weg gebracht.

Für 900 Millionen Euro soll zudem mit der A26-Ost eine Autobahnquerverbindung von der A1 und der A7 gebaut werden, die sogenannte Hafenpassage. Und auch die berühmte Köhlbrandbrücke muss abgerissen und ersetzt werden, wahrscheinlich durch einen Tunnel. Die Liste ließe sich beliebig lang fortsetzen.

Olaf Scholz: Spendiert der Bundesfinanzminister Geld für Infrastruktur?

Doch ob die Bundesregierung für die aktuellen und zukünftigen Projekte die Staatskasse aufschließt, bleibt abzuwarten. Zwar hat die Hansestadt mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) einen absoluten Vertrauten im Kabinett sitzen. Doch Hamburgs ehemaliger Erster Bürgermeister, der selber noch den Abriss der maroden Köhlbrandbrücke mitbeschlossen hatte, kann nichts ohne die Zustimmung von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ausrichten.

Vieles hängt ohnehin vom Ausgang der anstehenden Bundestagswahl ab. Zwar will Scholz als SPD-Kanzlerkandidat die Wahl im kommenden September gewinnen und Angela Merkel (CDU) mit einer klaren Strategie im Kanzleramt beerben. Doch in den Umfragen hinkt er der Union und den Grünen weit hinterher. Insofern ist es gut möglich, dass Westhagemann ab Herbst mit ganz anderen Ministern verhandeln muss.

Gute Argumente liefern ihm aber die neuen Zahlen sicherlich. So beträgt die mit dem Hamburger Hafen, wo auch schon mal Rekord-Kokain-Funde aus dem Verkehr gezogen werden, verbundene Bruttowertschöpfung deutschlandweit sage und schreibe 50,8 Milliarden Euro. 12,4 Milliarden Euro davon werden in der Metropolregion erwirtschaftet.

Das Hamburger Economic Trends Research (ETR) hat dabei ausgerechnet, dass der Hafen insgesamt 1,26 Milliarden Umsatz- und knapp 960 Millionen Euro Einkommensteuer in die Staatskasse spült. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Christian Charisius/dpa/picture alliance

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