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Geistertunnel am Hauptbahnhof: Seit 1968 ungenutzt – jetzt hat der HVV Pläne

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Von: Jan Knötzsch

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An der HVV-Haltestelle Hauptbahnhof Nord verbergen sich zwei Geistertunnel. Sie sind seit Jahren ungenutzt. Der HVV will sie für die neue Linie U5 nutzen.

Hamburg – Aktuell geht nichts. Keine U-Bahn der Hamburger Verkehrsbetriebe fährt dort, dennoch gibt es sie: Hinter Gittertüren verborgen befinden sich an der Hamburger U-Bahnstation Hauptbahnhof Nord zwei Geistertunnel. Die 125 Meter langen Röhren, die vor der berühmten gefühlten halben Ewigkeit für Planungen einer U4 des HVV nach Lurup bestimmt waren, gingen nie in Betrieb – sie bekamen noch nichtmal Gleise. „Das hing mit der Bevölkerungsentwicklung in Hamburg zusammen, aber auch mit konjunkturellen Schwächen spätestens in Folge der Öl-Krise“, sagt Daniel Frahm, der als Historiker bei der Hamburger Hochbahn tätig ist.

Verkehrs- und Tarifverbund:Hamburger Verkehrsverbund (HVV)
Gegründet:29. November 1965
Offizielle Betriebsaufnahme:1. Dezember 1966
Hauptsitz:Hamburg

Hauptbahnhof Hamburg: HVV will Geistertunnel für U5 nutzen

Doch bleibt‘s dabei, dass hier nicht mal der einst von Christian Anders besungene „Zug nach Nirgendwo“ fahren und die beiden Röhren am Hauptbahnhof Hamburg nie genutzt werden? Die U4 des HVV gibt‘s inzwischen längst – HVV-Bahnen aber fahren in diesen beiden Geistertunneln, der so gesehen ins Jahr 1968 führt, am Hauptbahnhof noch immer nicht.

Geistertunnel an der U-Bahnhaltestelle Hauptbahnhof Nord.
In den Geistertunneln an der U-Bahnhaltestelle Hauptbahnhof Nord sind nie U-Bahnen gefahren. © Axel Heimken/dpa

Vorbeieilende Passagiere der benachbarten HVV-Linie U2 wundern sich bei einem Blick durch die Gitter, die die beiden Tunnel verbergen öfter, was dahinter genau verborgen sein könnte. Aber für sie lässt sich von außen nur schwer erkennen, was ohne Nutzung durch den HVV dort schlummert: In der einen Tunnelröhre werben viele Plakate für Veranstaltungen und Orte in der Hansestadt Hamburg, die es längst nicht mehr gibt. In der anderen Tunnelröhre wurde in den 1990er Jahren ein Kunstwerk mit dem Namen „Firmament“ installiert.

Doch schon bald könnte sich in den beiden Geistertunneln am Hamburger Hauptbahnhof, der irgendwann in ferner Zukunft ja auch noch eine zweite Halle bekommen soll, etwas tun. Könnten Klänge von ein- und ausfahrenden U-Bahnen dafür sorgen, dass der Stille, die dort seit Jahrzehnten herrscht, endlich neuem Leben weicht. Denn laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) hat die Hamburger Hochbahn einen Plan. Sie will die beiden Röhren in Zukunft für die neue U5 zu nutzen. „Irgendwann in den 2030er Jahren“ könne der Betrieb dort voraussichtlich aufgenommen werden, sagt Verkehrsplaner Roluf Hinrichsen.

Verkehr in Hamburg: Hier führt die neue HVV-Linie U5 entlang – früher Gerüchte über Geisterbahnhof in Steilshoop

Geistertunnel ohne Gleise
Eine Tunnelröhre wurde in den 1990er Jahren ein Kunstwerk mit dem Namen „Firmament“ installiert. © Axel Heimken/dpa

Er ist beim HVV so etwas wie der „Mister U5“. Denn Hinrichsen, seines Zeichens Projektleiter Verkehrsplanung bei der Hamburger Hochbahn, ist der Mann, der die nächste U-Bahn Linie des HVV neben der U1, auf der es wegen Bauarbeiten noch monatelang Ersatzverkehr geben wird, der U2, der U3, die für sechs Monate dicht ist, weil die Sierichstraße wird barrierefrei wird, und der U4 plant. Die neue U5 soll auf 24 Kilometern von Bramfeld über die City Nord, Winterhude und den Jungfernstieg bis zum Grindelviertel, zum UKE, nach Lokstedt und dann weiter zu den Arenen im Volkspark führen - quasi also bis direkt vor die Haustür des HSV, der im Volksparkstadion anno 2022 in die fünfte Saison in der 2 Liga gehen wird. Mal abwarten, in welcher Liga der HSV dann zuhause ist, wenn die U5 ihren Betrieb aufnimmt ...  

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Dass es Geisterbahnhöfe in Hamburg, oder aber zumindest Spekulationen darüber gibt, ist nichts Neues. Das Gerücht um den Untergrundbahnhof Steilshoop war in der Vergangenheit über Jahrzehnte nicht totzukriegen. Bereits seit über 40 Jahren wird regelmäßig darüber diskutiert, ob ein geheimer Bahnhof unter der Gründgensstraße in Steilshoop existiert oder eben nicht. Darüber berichteten anlässlich eines Ortstermins vor Jahren sowohl das Hamburger Abendblatt als auch „Die Welt“, „Viele Bürger haben uns aufgefordert, für die Bauarbeiten den bereits vorhandenen U-Bahnhof zu nutzen“, sagt Pia Gängrich von der Hochbahn damals. Bei einer Ortsbegehung mit 150 Teilnehmern wurde seinerzeit aber nichts Neues entdeckt. (mit dpa-Material)

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