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Mehr Straftaten als vor Corona am Hauptbahnhof Hamburg

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Von: Kevin Goonewardena

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Der Hamburger Hauptbahnhof ist seit Jahrzehnten Brennpunkt der Kriminalität. Viele Fälle von Delikten gestiegen. Szene auf St. Georg bereitet Polizei Sorgen.

Hamburg – Nirgendwo in der Hansestadt wird so oft gegen Recht und Gesetz verstoßen, wie am Hamburger Hauptbahnhof und den umliegenden Gebieten St. Georgs. Und nicht nur das: die Zahl der Straftaten hat sich im Vergleich zu vor der Pandemie deutlich erhöht. Fünf Prozent mehr Vergehen registrierten die Behörden im Vergleich zu 2019 in dem Gebiet, das auch den Hanseplatz, den ZOB oder die Drogenhilfeeinrichtung Drob Inn unweit der Zentralbibliothek umfasst. Die Zusammensetzung der dort existierenden „Problemszene“, schreibt das Hamburger Abendblatt, sei für die Polizei Hamburg schwer zu fassen. Wie sich diese zusammen setzt – und bei welchen Delikten die Polizei eine Zunahme zu verzeichnen hat.

Name:Hamburg Hauptbahnhof
Erbaut:1912
Gleise:16
Reisenderund 500.000 Reisende täglich

Kriminalitätsbrennpunkt Hauptbahnhof Hamburg: hoher Anteil an Problemklientel

Schon seit Jahrzehnten sei der Hauptbahnhof und dessen Umfeld ein Brennpunkt der Kriminalität, sagt Thomas Jungfer, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, gegenüber dem Abendblatt.  Die Gründe sind in der Zusammensetzung des Milieus in dem Bereich zu finden.

„Das Milieu ist geprägt von einem hohen Anteil an Problemklientel, oft im Zusammenhang mit Drogen, Alkohol und Obdachlosigkeit.“ 

Thomas Jungfer, Landesvorsitzender Hamburg der Deutschen Polizeigewerkschaft

Zwar existieren auch zahlreiche Hilfseinrichtungen für das dort anzutreffenden Problemklientel, wie es im Polizei-Sprech heißt, „die einerseits diesen Menschen eine Hilfe sein sollen, andererseits aber eine Ballung noch forcieren“, führt Jungfer weiter aus. Gemeint ist unter anderem die Drogenhilfeeinrichtung Drob Inn.

Polizei-Sicherheitswache am Hamburger Hauptbahnhof.
Die Polizisten der Polizeisicherheitswache am Hauptbahnhof sollen für Recht und Ordnung sagen. Im Jahr 2022 registrierten die Beamten mehr Straftaten als in den Vorjahren © Winfried Rothermel/DPA

Kriminalität St. Georg: Raub und Körperverletzung vermehrt in der Szene

Viele der Straftaten, die in dem Ortsteil 114 passieren, wie der westliche Teil des Stadtteils St. Georg offiziell heißt, würden in der Szene verübt werden – gerade wenn es um Raub oder Körperverletzung geht. Unter polizeilichen Gesichtspunkten zählt dazu auch das gewaltsame Wegnehmen einer Dose Bier. Mit einem Anstieg der Fallzahlen sei auch in diesem Deliktbereich zu rechnen, so Jungfer. Ein Grund sei die intensive Überwachung – die in der Folge mehr Straftaten sichtbar macht.

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Kriminalität am Hauptbahnhof: Zunahme von Taschendiebstählen um 24 Prozent

Besonders hoch fällt die Steigerung im Bereich der Taschendiebstähle aus. 24 Prozent mehr solcher Fälle wurden 2022 im Vergleich zum Vorjahr registriert. Das entspricht einem Anstieg um rund ein Viertel. In Zahlen heißt das: von 1547 stieg die Zahl der Taschendiebstähle auf 1922. Gemessen wurden jeweils die ersten neun Monate des Jahres. In großer Anzahl ereigneten sich diese Diebstähle im Bahnhof selber. Insbesondere die hohe Nutzung des ÖPNV durch das 9-Euro-Ticket, das auch im Hamburger Verkehrsverbund (HVV) ein großer Erfolg wurde, haben für vermehrte Tatgelegenheiten gesorgt.

Autoaufbrüche St. Georg: Anstieg um rund ein Viertel

Auch die Zahl sogenannter „an/aus Kfz-Kriminalität“, hinter der Bezeichnung, schreibt das Abendblatt, verbergen sich in der Regel Autoaufbrüche, gab es einen Anstieg der Taten zu verzeichnen. 454 ebendieser Taten konnten in den ersten neun Monaten dieses Jahres in dem betreffenden Bereich registriert werden, das ist ein Anstieg um 128 Taten. Allerdings nicht zum Vorjahr, sondern gegenüber 2019.

Hauptbahnhof Hamburg: Viel Beschaffungskriminalität im Umfeld – Bremens Innensenator will Dealer abschieben

Da in den meisten Fällen von den Autoaufbrüchen Bargeld oder Handys aus den Fahrzeugen entwendet wurden, ordnet die Polizei diese Straftaten der sogenannten Beschaffungskriminalität zu. Diese und die entsprechende Problemklientel verzeichnen alle Großstädte im und in der Umgebung des jeweiligen Hauptbahnhofs. Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) will Dealer, sofern die Gegebenheiten dies möglich machen, in ihre Heimatländer abschieben und so den Bremer Hauptbahnhof und dessen Umfeld wieder ein Stück weit sicherer machen.

Wie sich genau die Szene am Hauptbahnhof zusammensetzt, ist auch der Polizei nicht bekannt – es gibt keine Statistiken darüber. Gemessen wurde allerdings eine Zunahme von Obdachlosen rund um den ZOB. Diese werden jedoch mittlerweile im Winternotprogramm der Stadt versorgt.

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