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„Hass auf die Polizei“: Eskalation nach FC St. Pauli – HSV sorgt weiter für Ärger

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Von: Jan Knötzsch

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Das Derby FC St. Pauli – HSV ist Geschichte. Das Geschehen vorm Spiel und der Vorwurf der Polizeigewalt nicht. Im Gegenteil: Es schlägt noch immer Wellen.

Hamburg – Nach der Eskalation beim Fanmarsch vor dem Stadtderby zwischen dem FC St. Pauli und dem HSV am Freitag, 14. Oktober 2022, das die Braun-Weißen vom FC St. Pauli im Millerntorstadion mit 3:0 für sich entscheiden konnten, dem Vorwurf der Polizeigewalt und der Ankündigung, dass es nach den brutalen Festnahmen beim Derby nun Ermittlungen gegen die Bundespolizei gibt, kommen die Auseinandersetzungen nicht zur Ruhe.

Während sich der FC St. Pauli wegen der Vorfälle bereits am Spieltag zu den Vorfällen geäußert und das Vorgehen der Polizei scharf verurteilt hat, gibt es nun auch Aussagen von Polizei, Gewerkschaften, Fanlagern und der Politik zum Geschehen.

Nach Eskalation vorm Stadtderby FC St. Pauli gegen HSV: So beurteilt die Hamburger Polizei die Vorfälle

Die Darstellung der Polizei Hamburg nach den Vorfällen vor dem Derby zwischen den beiden Hamburger Stadtrivalen FC St. Pauli und HSV liest sich wie folgt: Beim Marsch der HSV-Fans vom Altonaer Balkon über die Reeperbahn im Stadtteil St. Pauli bis zum Stadion sei friedlich gelaufen, obwohl die HSV-Anhänger auf dem Weg von Altona in Richtung des Millerntorstadions Pyrotechnik gezündet haben. Die 3500 Fans der Mannschaft von HSV-Trainer Tim Walter seien dann von rund 150 maskierten Fans des FC St. Pauli angegriffen worden. Die St. Pauli-Sympathisanten sollen mit auffälligen roten Schals gekleidet gewesen sein.

Fans des FC St. Pauli werden nach einer Auseinandersetzung von der Polizei festgenommen und überwältigt.
Polizisten überwältigen und bewachen Anhänger des FC St. Pauli nach deren Attacken auf HSV-Fans vorm Millerntorstadion. © Elias Bartl

„Das war eine gezielte Aktion. Wir sind dazwischengegangen und haben damit verhindert, dass die HSV-Fans massiv angegriffen wurden“, erklärte Polizeipressesprecherin Sandra Levgrün noch am Freitag, 14. Oktober 2022. Es gebe zudem Hinweise dafür, dass Fans des FC St. Pauli auch versucht hätten, Beamte anzugreifen. Der FC St. Pauli erneuerte am Montag via Pressemitteilung seine Kritik am Vorgehen der Polizei. „Denn bei der Ingewahrsamnahme von Personen wurden diese geschlagen, wie auf Videos zu sehen ist“, teilte der Verein am Montag mit. Zudem hätten sich Menschen verletzt, als die Polizei vor der Gegengerade Verdächtige festsetzen wollte, monierte der Club.

Polizei greift gegen FC St. Pauli-Fans hart durch: Anzeige eingegangen und Strafverfahren eröffnet

Die Polizei habe dem FC St. Pauli mitgeteilt, dass derzeit werde geprüft werde, inwieweit die Verhältnismäßigkeit bei dem Einsatz gewährleistet gewesen sei. „Unabhängig davon stellt sich die Frage, wie es verhältnismäßig sein kann, auf den Kopf von einer am Boden liegenden Person zu schlagen“, kritisierte der Verein weiter. Er stehe im Austausch mit dem Fanprojekt, „um weitere Informationen zu den Vorfällen zu sammeln und diese dann zu bewerten.“ Polizeisprecher Thilo Marxsen hatte am Sonntag bestätigt, dass bei den Ermittlungsbehörden eine Anzeige eingegangen und ein Strafverfahren eröffnet worden sei.

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„Wie in solchen Fällen üblich, führt nun das Dezernat Interne Ermittlungen, das direkt bei der Staatsanwaltschaft und nicht bei der Polizei angegliedert ist, die Ermittlungen“, sagte Marxsen. Bei dem Einsatz waren 47 Personen in Gewahrsam genommen und nach dem Spiel wieder entlassen worden. Fünf Polizisten seien verletzt worden, hieß es. Insgesamt waren den Angaben zufolge 1445 Polizisten im Einsatz. Die Hamburger Polizei wurde unterstützt von Beamten der Bundes- sowie der Landespolizei aus Brandenburg, Bremen/Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Fans des FC St. Pauli wiesen die Darstellung der Polizei zurück. Der FC St. Pauli- Blog „Millernton“ bezeichnete das Verhalten der Polizei als „völlig unverhältnismäßige Eskalation.“

Nach FC St. Pauli gegen HSV: Hamburger Vorsitzender der Polizeigewerkschaft fordert Aufklärung von Handeln der Polizei

Derweil hat auch der Hamburger Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Horst Niens, Stellung zu den Vorfällen vor dem Derby zwischen dem FC St. Pauli und dem HSV bezogen. „Nicht jeder, der zu Boden gebracht wurde, hört auf, Gewalt auszuüben“, sagte Niens dem Hamburger Abendblatt mit Blick auf die St. Pauli-Fans, „Da ist viel Adrenalin im Spiel. Hinzu kommt der Hass auf die Polizei, den die Beamten vor Ort aushalten müssen“, so Niens gegenüber dem Abendblatt.

„Die Gewalt ist ursprünglich von den St. Pauli-Fans ausgegangen, aber was dann passiert ist, muss nun aufgeklärt werden“, sagte derweil der Hamburger Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Thomas Jungfer, gegenüber der Hamburger Morgenpost.  

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