Wettrennen mit Delta-Variante

Hartz-IV-Stadtteile: Mobile Teams spüren Impfverweigerer auf

  • Jens Kiffmeier
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Delta ist auf dem Vormarsch – und bedroht natürlich auch Hartz-IV-Empfänger. Impfteams sollen jetzt in Brennpunkten die Corona-Impfschwänzer finden. Macht das Sinn?

Hamburg – Das Coronavirus droht Europa wieder in den Würgegriff zu nehmen: Im Wettrennen gegen die rasante Ausbreitung der aggressiven Delta-Variante drängt die SPD jetzt auf eine Steigerung der Impfquote in Stadtteilen mit einem hohen Hartz-IV-Anteil. So warb Kanzlerkandidat Olaf Scholz eindringlich für den Einsatz von mobilen Impfteams in sozialen Brennpunkten. Es sei jetzt „entscheidend, dass wir alles versuchen, die Menschen zu erreichen, die wir bisher noch nicht für eine Impfung gewinnen konnten“, sagte der Vizekanzler dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,841 Millionen (2019)
Arbeitslosenquote:8,0 Prozent

Unbestritten ist das Coronavirus wieder auf dem Vormarsch. Zwar verzeichnet Hamburg seit Wochen wieder einen niedrigen Inzidenzwert, doch die Delta-Mutation breitet sich rasant aus* – auch in der Hansestadt. So gehen mittlerweile die Hälfte der Neuansteckungen auf die zuerst in Indien entdeckte Variante zurück, die als hochgradig ansteckend gilt und in Ländern wie Großbritannien oder Portugal die Inzidenz wieder kräftig nach oben getrieben hat.

Wettrennen mit Delta-Variante: SPD will Impfbereitschaft in Hartz-IV-Vierteln steigern

Nach Expertenmeinung schützt eine vollständige Impfung ausreichend gegen Delta, zumindest kann der Krankheitsverlauf abgemildert werden. Nachdem in den ersten Monaten des Jahres die Terminvergabe für eine Corona-Impfung heftig umkämpft worden war, ließ die Impfbereitschaft bei den Deutschen in den vergangenen Tagen jedoch spürbar nach. Politiker und Ärzte sorgen sich bereits darum, dass bis zum Herbst die angestrebte Herdenimmunität vielleicht nicht erreicht werden könnte.

Wettrennen mit der Delta-Variante: Mobile Impfteams sollen die Impfquote in sozialen Brennpunkten steigern. (24hamburg.de-Montage)

Vor diesem Hintergrund will die SPD jetzt zur Steigerung der Impfquote die ärmeren Viertel in den Städten in den Blick nehmen. Doch warum genau? Klar ist, dass in ärmeren Stadtteilen die Ansteckungsgefahr wegen beengter Wohnverhältnisse ungleich höher ist als in wohlhabenderen Vierteln. Das haben Studien mittlerweile mehrfach belegt. Unklar ist, ob aber auch tatsächlich die Impfbereitschaft in den Brennpunkten niedriger ist.

Hartz IV: Ansteckungsgefahr bei Leistungsempfängern größer – ebenso die Impfskepsis

Zwar gibt es dazu aktuell keine genauen Auswertungen. Doch bereits vor Wochen warnte die damalige Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) vor einer hohen Impfskepsis in ärmeren Stadtteilen. Es seien viele Falschinformationen im Umlauf, die die Menschen vor allem in sozialen Brennpunkten verunsichern und verängstigen würden, sagte sie im ARD-Morgenmagazin. Neben dem mangelnden Wissen, wo und wann man sich Impfen lassen könnte, machten auch einfache Sprachbarrieren den Gang zu einem Arzt oder ins Impfzentrum schwierig. Giffey forderte deshalb umfangreiche Aufklärungskampagnen.  

In der Hansestadt Hamburg wurden bereits mehrere Modellprojekte gestartet. So kamen bereits mobile Impfzentren in den ärmeren Stadtteilen im Osten zum Einsatz. Auch im Jobcenter in Wilhelmsburg gab es Impfaktionen. Inwieweit die Hansestadt diese Initiativen mit der fortschreitenden Delta-Ausbreitung noch einmal ausweitet, bleibt abzuwarten. Aber Scholz riet dringend dazu. Dem RND sagte der Vizekanzler: „Ob jemand geimpft ist oder nicht, darf keine soziale Frage sein.“ * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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