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Hartz IV: Corona-Bonus für glückliche Kinder

  • Jens Kiffmeier
    VonJens Kiffmeier
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Kinder sind in Corona-Krise benachteiligt. Zum Ausgleich hat Politik Maßnahmen und finanzielle Unterstützung parat: Corona-Bonus für Hartz-IV-Familien kommt.

Hamburg/Berlin – Mehr Hilfen für benachteiligte Familien in der Corona-Krise: Kinder aus Hartz-IV-Haushalten sollen erneut einen Corona-Bonus bekommen. Geplant ist eine Einmalzahlung von 100 Euro, die speziell für Ferien-, Sport- und Freizeitaktivitäten eingesetzt werden kann. Das beschloss das Bundeskabinett am Mittwoch im Rahmen des „Aktionsprogramms Aufholen“. Den Angaben zufolge soll das Geld im August ausgezahlt werden.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,841 Millionen (2019)
Aktuelle Arbeitslosenquote:8,0 Prozent

Für das Aufholprogramm stellt das Bundesfinanzministerium von Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) insgesamt zwei Milliarden Euro zur Verfügung. Es stützt sich dabei auf zwei Pfeiler. Eine Milliarde Euro ist dabei für Förder- und Nachhilfeprogramme für Schüler gedacht, die durch den langen Ausfall des Präsenzunterrichts an den Schulen im Knallhart-Lockdown große Lernrückstände aufgebaut hatten. Die zweite Milliarde ist für soziale Maßnahmen vorgesehen, um die Krisenfolgen für Kinder und Jugendliche abzufedern.

Hartz IV: Corona-Bonus für arme Kinder – Aufholprogramm stellt 100 Euro für Freizeit-Spaß bereit

Seit Monaten warnen Kinderärzte und Psychologen vor den Gefahren, die der Dauer-Lockdown für die Entwicklung der Heranwachsenden, insbesondere auch in armen und benachteiligten Familien, hat. Die fehlenden sozialen Kontakte durch die Schließung von Kitas, Schulen, Sport- und Freizeiteinrichtungen treffe insbesondere Kinder und Jugendliche hart, hieß es in vielen gemeinsamen Aufrufen an die Politik. Hinzu drohte eine Zunahme von Gewaltproblemen in vielen Familien.

Urlaub am Strand? Mit einem Corona-Bonus will die Bundesregierung Kinder von Hartz-IV-Familien unterstützen. (24hamburg.de-Montage)

Doch lange war nichts passiert, weshalb die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock zwischenzeitlich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sogar Kindeswohlgefährdung vorgeworfen hatte. Doch nun hat die Bundesregierung reagiert und ein Maßnahmenpaket vorgelegt. Für Hartz-IV-Familien ist es dabei die dritte Finanzspritze in der Corona-Krise. Zuvor gab es bereits einen einmaligen Zuschuss zum Regelsatz für den Kauf von FFP2-Masken sowie einen einmaligen Kinderbonus*.

Mit Blick auf das neue Aufholprogramm forderte der Deutsche Städtetag jetzt eine zügige Umsetzung. Nur so könne man Kindern und Jugendlichen helfen, die sozialen und psychischen Folgen schnell zu bewältigen, sagte Vizepräsident Markus Lewe dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Deshalb dürfe es nun keine komplizierten Antragsverfahren geben. Zugleich forderte er die Bundesländer auf, die Bundesförderung mit eigenen Mitteln zu ergänzen.

Hartz IV: Freizeitbonus soll im August ausgezahlt werden und Folgen der Corona-Krise abmildern

Der Bedarf ist jedenfalls riesig. Bereits in den März-Ferien hatte der Hamburger Senat an 241 Einrichtungen in der Hansestadt Kurse angeboten, in denen Kinder und Jugendliche ihre Lernrückstände aufholen konnten. Für das Programm hatte die Schulbehörde, die zuletzt auch viel Geld für Schnelltests an Schulen verschleudert hatte, insgesamt 550.000 Euro zur Verfügung gestellt. Insgesamt 10.630 Schülerinnen und Schüler hatten das Angebot in Anspruch genommen, teilte Schulsenator Ties Rabe (SPD) jüngst mit.

Inwieweit die eingeleiteten Maßnahmen aber ausreichen, um die Folgen der Krise abzumildern, bleibt abzuwarten. Grundsätzlich warnen Gewerkschaften und Verbände davor, dass insbesondere Hartz-IV-Familien dauerhaft weiter durch die wirtschaftlichen Entwicklungen abgehängt werden. Nur mit Einmalzahlungen und Boni werde man das Problem wachsender Armut nicht in den Griff bekommen, hieß es zuletzt immer wieder. Wer noch nicht von dem Corona-Bonus profitiert*, berichten die Kollegen von ruhr24.de.

In gemeinsamen Aufrufen fordert deshalb ein Bündnis von 36 Organisationen bereits seit Längerem eine generelle Erhöhung des Hartz-IV-Regelsatzes. Zwar zeigen sich Grüne und SPD grundsätzlich aufgeschlossen, doch in der CDU stößt das Vorhaben auf Ablehnung. Zudem wies der Vorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, dieses Ansinnen erst kürzlich in einem Interview brüsk zurück. Er glaube nicht, so ließ er wissen, dass dadurch ein Hartz-IV-Empfänger langfristig glücklicher werden würde. * 24hamburg.de, merkur.de und ruhr24.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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