Notbremse nutzlos?

Münchener Studie behauptet: Corona-Lockdown war wirkungslos

  • Susanne Kröber
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Ausgangssperren, Kontaktbeschränkungen, Schulschließungen – war das alles umsonst? Zu diesem Ergebnis kommen jetzt Münchener Forscher.

Hamburg – Kaum ein Bundesland trafen die Lockdown-Maßnahmen so hart wie Hamburg*. Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher* (SPD) setzte die Bundesnotbremse, die auch Kanzlerin Angela Merkel inzwischen beenden möchte*, teilweise sogar strenger um als gefordert. Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität München haben nun neue Daten veröffentlicht, die nahelegen, dass der harte Lockdown nutzlos war.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,841 Millionen (2019)
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)
Vorwahl:040

In regelmäßigen Abständen veröffentlicht die LMU München Berichte der COVID-19 Data Analysis Group (CODAG), die sich mit dem Corona-Infektionsgeschehen in Deutschland beschäftigt. Die aktuelle Studie befasst sich unter anderem mit Infektionsausbrüchen an Schulen und Arbeitsplätzen und mit der generellen Entwicklung des Epidemie-Geschehens.

Schulschließungen haben kaum Einfluss auf Corona-Inzidenzwert

Seit Monaten fand in Deutschlands Schulen praktisch kein Präsenzunterricht statt. Mit der neuen Corona-Verordnung ändert sich dies nun, auch in Niedersachsen* und Hamburg dürfen die Schülerinnen und Schüler seit dem 31. Mai nun wieder täglich in die Schule* gehen. Aber wären Homeschooling und Wechselunterricht eigentlich unnötig gewesen?

Hätte sich auch Hamburg die harte Notbremse sparen können?

„Nach der schrittweisen Öffnung der Schulen für den Präsenzunterricht seit Mitte Februar (KW 8) ist die Anzahl der Fälle, die aus Infektionen an der Schule resultieren, sehr gering geblieben“, so die Experten Dr. Ursula Berger vom Institut für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie und Statistik-Professor Dr. Göran Kauermann in ihrem CODAG-Bericht.

Corona-Pandemie: Infektionstreiber Arbeitsplatz statt Schule

Die Fallzahlen aus Ausbrüchen in Schulen seien weiterhin unbedeutend gering, während die Ausbrüche an Arbeitsplätzen „zahlenmäßig klar dominieren“. Aber nicht nur die flächendeckenden Schulschließungen werden in der Studie der LMU München infrage gestellt, auch andere Maßnahmen der Bundesnotbremse sollen nicht maßgeblich zu einem niedrigeren R-Wert beigetragen haben.

Ein direkter Zusammenhang zwischen der Notbremse und dem Infektionsgeschehen* ließe sich nicht feststellen, die Zahlen gingen schon vor dem Lockdown zurück. Über die dritte Welle heißt es in dem Bericht: „Ab Mitte April fällt der R-Wert erneut. Der Abfall ist auch hier schon vor der ‚Bundesnotbremse‘ erkennbar, sodass die ergriffenen Maßnahmen den Verlauf des Infektionsgeschehens durchaus positiv beeinflusst haben könnten, jedoch nicht allein ursächlich für den Rückgang verantwortlich sind.“ * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Hanno Bode

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