1. 24hamburg
  2. Hamburg

Hamburgs Gastronomie fehlt immer noch Personal: Wie schlimm ist es wirklich?

Erstellt:

Von: Christian Einfeldt

Kommentare

Hamburgs Gastronomie hat noch immer mit den Folgen der Corona-Einschränkungen zu kämpfen. Die Personallage ist dünn – und bedroht eine ganze Branche.

Hamburg – Noch vor Kurzem konnte Hamburgs Gastro- und Tourismusbranche ihr Glück kaum fassen. Hamburgs Tourismus befand sich im Höhenflug. Laut des Statistikamtes Nord konnte Hamburg alleine im April 2022 1,374 Millionen Übernachtungen verbuchen und auch Auswertungen des vergangenen Monats belegen, dass Hamburg nichts von seiner Strahlkraft als beliebtes Reiseziel hat einbüßen müssen. Die Hotels und Restaurants waren gut gebucht.

Gut einen Monat später stehen für viele Bundesländer die Sommerferien an – und damit einhergehend ein potenzieller Ausflug nach Hamburg. Ein weiterer Anlass für die Verkündung neuer Bestmarken? Ganz und gar nicht. Hamburgs Gastronomie leidet an den Spätfolgen der Corona-Lockdowns, die sich weiterhin durch einen akuten Personalmangel bemerkbar machen.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,841 Millionen (2019)
Bürgermeister:Peter Tschentscher

Hamburgs Gastronomie leidet weiter an Corona-Folgen: 8000 Stellen in der Hansestadt offen

Zahlen bestätigen die Not der Gastronomiebranche. Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, haben 2020 in ganz Deutschland noch 788.000 Menschen eine Anstellung in der Gastronomie gefunden. Rund 215.000 von ihnen üben mittlerweile jedoch einen ganz anderen Job aus. Niklas Kaiser von Rosenburg, Vize-Präsident von Hamburgs Hotel- und Gaststättenverband Dehoga, bestätigte unlängst, dass in der Hamburger Branche aktuell rund 8000 Arbeitsplätze nicht vergeben sind.

Besonders ausgebildete Köchinnen und Köche könnten dank der misslichen Lage der Gastronomie auf hohe Gehälter hoffen. Der hohe Bedarf an Personal macht es möglich. Ein Zustand, der nicht zuletzt die Ohnmacht der Gastronomie in der Hansestadt Hamburg ein weiteres Mal unterstreicht. Die Branche braucht den erhofften wie ersehnten Umsatz, den sie sich für gewöhnlich von den Sommerferien in vielen Bundesländern versprechen könnte. Die Verluste vergangener Monate könnten etwa durch längere Öffnungszeiten aufgefangen werden. Es ist die Traumvorstellung, die jedoch nicht viel mit der Realität gemein hat.

Hamburgs Gastronomie kämpft ums Überleben: „Strukturelle Anpassungen“ wegen Personalmangel

„Wir haben die Öffnungszeiten eingeschränkt, weil wir nur Mitarbeiter für eine Schicht haben“, sagt etwa Jean-Sébastien Thimon, Gründer des „Café des Artistes“ im Hamburger Thalia Theater, dem Abendblatt. Dass die Ausgangslage den verheißungsvollen Szene-Restaurant gleichermaßen wie den großen Branchenprimus trifft, zeigt auch die aktuelle Situation rund um das Atlantik-Hotel an der Außenalster. Laut Geschäftsführer Franco Esposito sind es hier „strategische Anpassungen in der Öffnung unserer Restaurants“ – hervorgerufen – auch hier – durch eine dünne Personallage.

Bierflaschen stehen auf Tischen.
Wegen Personalmangel: Hamburgs Gastronomie befindet sich weiterhin in der Krise. (Symbolbild) © Jonas Walzberg/dpa

Mal verstecken sich hinter angekündigten strukturellen Anpassungen Mahlzeiten, die von jedem Mitarbeiter zubereitet beziehungsweise einfach nur erwärmt werden können. Mal spiegelt sich die Umstrukturierung dahingehend wider, dass das Lokal auf Selbstbedienung setzt. In einigen Restaurants in Hamburg mussten Gäste daher bereits ihr Essen selbst holen. Bei anderen Restaurants bedeuteten „strukturelle Anpassungen“ jedoch auch das endgültige Aus.

Eine Vielzahl an Bars und Restaurants musste 2022 wegen Corona schließen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Lokale, die bis heute noch Bestand haben, können ebenso wenig verschnaufen. Häufig kämpfen auch sie weiterhin ums Überleben. Das machte zuletzt auch eine Experteneinschätzung deutlich. Demnach würde jedem sechsten Hamburger Restaurant noch die Corona-Pleite drohen.

Hamburgs Gastro-Branche bietet nur wenig Perspektive – Inflation verschärft die Situation

Auch die Einschätzung von Gastro-Experte Niklas Kaiser von Rosenburg macht dahingehend nur wenig Hoffnung auf Besserung. „Die Arbeitskräfte, die damals regelrecht aus der Branche geflüchtet sind, kehren nicht zurück. Hinzu kommt, dass auch viele Mitarbeiter aus dem Ausland, beispielsweise aus Bulgarien, Polen, Spanien oder Italien, zurück in ihre Heimatländer gegangen sind, weil sie im Zuge der Coronakrise hier keine Perspektive mehr gesehen haben.“

24hamburg.de-Newsletter

Im Newsletter von 24hamburg.de stellt unsere Redaktion Inhalte aus Hamburg, Norddeutschland und über den HSV zusammen. Täglich um 8:30 Uhr landen sechs aktuelle Artikel in Ihrem Mail-Postfach – die Anmeldung ist kostenlos, eine Abmeldung per Klick am Ende jeder verschickten Newsletter-Ausgabe unkompliziert möglich.

Ähnlich würde es sich mit den Geflüchteten aus der Ukraine verhalten. Viele von ihnen hätten Hamburg ebenfalls zugunsten ihrer Heimat oder einer anderen Stadt verlassen. Das Fazit zur aktuellen Lage ist offensichtlich: „Wir haben uns bislang nicht von der Pandemie mit den beiden Lockdowns erholt.“ Die tagesaktuellen Nöte machen darüber hinaus die aussichtslose Lage perfekt. Die erhöhten Preise für den Einkauf von Lebensmittel erschweren das Geschäft und immer weniger junge Menschen interessieren sich für eine Anstellung in der Branche, der nun also weiterhin schwere Zeiten bevorstehen könnten.

Auch interessant

Kommentare