Gendersensible Sprache

Katharina Fegebank fordert Gendersprache in Hamburger Behörden

  • Joanna Abou Boutros
    vonJoanna Abou Boutros
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Katharina Fegebank (Grüne) setzt sich für Gendersprache ein. Einzelne Behörden in Hamburg wehren sich jedoch dagegen.

Hamburg – Mit Gender-Sternchen, Doppelpunkt, Unterstrich oder Binnen-I? Wie sollten die Deutschen gendern? Sollten sie es überhaupt tun? Das Thema Gendersprache ist in Deutschland umstritten. Die einen wehren sich gegen eine Veränderung der Sprache. Ihre Kritik: Der Gender-Gap, also die Lücke in „Leser*innen“ oder „Journalist_innen“, störe den Rede- und Schreibfluss.

Richtig gendern: Sprache soll geschlechtsneutral sein

Auf der anderen Seite stehen die Befürworter der Sprachform, die sich wünschen, dass endlich alle Menschen angesprochen werden. Auch die, die sich keinem Geschlecht angehörig fühlen.

Katharina Fegebank ist für ein Umkrempeln der Behördensprache

Zu den Unterstützern gehört auch die Senatorin für Gleichstellung und Zweite Bürgermeisterin in Hamburg, Katharina Fegebank (Die Grüne). Die Politikerin und Partei-Kollegin der Grünen-Bundesvorsitzenden Annalena Baerbock will die Sprache in den Hamburger Behörden umkrempeln. Das berichtet die Bild.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,841 Millionen (2019)
Erster Bürgermeister: Peter Tschentscher (SPD)

Die Planungen Fegebanks sehen vor, Anreden auf Anschreiben und Formularen zu verändern. Statt „Hallo Herr Mustermann“ könnte ein Schreiben künftig mit „Hallo Max Mustermann“ beginnen. Zudem sollen geschlechtsneutrale Alternativen zum Einsatz kommen.

Gender-Stern: Aus Mitarbeiter wird Mitarbeiter*innen

In der Umsetzung könnte das wie folgt aussehen: Lehrerinnen oder Lehrer könnten mit „Lehrkraft“ angeschrieben werden, aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden „Mitarbeiter*innen“, Frau Doktor Meier wird zu Frau Dr.in Meier. Der Mutter-Kind-Parkplatz könnte in „Familienparkplatz“ umbenannt werden.

Wünscht sich gendersensible Sprache: Hamburgs Gleichstellungssenatorin und Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank. (24hamburg-Montage)

Ziel des Vorhabens ist es, den Fokus auf die geschlechtsneutrale Sprache zu legen. Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk gehe hier bereits mit gutem Beispiel voran, heißt es in dem Entwurf. Immer häufiger werde in ARD- und ZDF-Sendungen gegendert. Dazu gehört unter anderem die Talk-Show von Anne Will im Ersten.

Universitäten und Betriebe gendern bereits

Auch in vielen Institutionen findet bereits ein Umdenken statt. So wird beispielsweise in Universitäten oder Betrieben wie Audi gegendert*. Auch in der Katholischen Kirche werden alle Geschlechteridentitäten angesprochen – zum Beispiel über den Twitter-Account des Münchner Erzbistums*.

In der Hamburger Verwaltung stoßen die Planungen von Katharina Fegebank jedoch auf Kritik. Einzelne Hamburger Behörden und Abteilungen wehren sich gegen das Vorhaben. Sie fordern eine Handlungsempfehlung für den Gebrauch der genderneutralen Sprache, nicht etwa eine Anordnung. Eine Entscheidung soll in der kommenden Woche fallen.

Auch außerhalb des Hamburger Senats werden Diskussionen rund um dieses emotionale Thema weitergehen. Ein winziger Anstoß kann dafür manchmal schon ausschlaggebend sein. Erst kürzlich löste beispielsweise ein Aushang in einem Treppenhaus* eine solche Debatte in den Sozialen Netzwerken aus.

Ausgrenzung aufgrund des Geschlechts gehört zum Alltag

Ausgrenzung aufgrund des Geschlechts gehört auch in anderen Bereichen unserer Gesellschaft zum Alltag. Zum Beispiel beim Thema Gehalt. Frauen verdienen oftmals weniger als Männer – obwohl sie die gleiche Arbeit leisten. In Bremen zog eine Mitarbeiterin deswegen vor Gericht*. Darüber berichtet das Portal nordbuzz.de ausführlich.  * 24hamburg.demerkur.de und nordbuzz.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Georg Wendt/dpa/picture alliance/Canva Datenbank

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