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Hamburgs ältester Fischfabrikant verlegt ganze Produktion nach Polen

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Von: Christian Einfeldt

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Nach über 100 Jahren verlässt die Feinkost-Firma Friedrichs Hamburg. Aufgrund von steigenden Kosten wurde die Verlegung nach Polen alternativlos.

Hamburg – Zuletzt wurde dem Currywurstladen „Bruzzelhütte“ und dem „Gasthaus zum Kiekeberg“ dasselbe Schicksal zuteil. Innerhalb kürzester Zeit mussten in Harburg gleich zwei Hamburger Institutionen schließen. Besonders bitter: Das „Gasthaus zum Kiekeberg“ schließt nach 120 Jahren für immer. Mit viel Tradition bediente auch die Feinkost-Firma Friedrichs seine Kundschaft. „Klassische Handwerkskunst“ wird mit modernen Produktionsabläufen kombiniert – so hat man sich nach eigenen Angaben den Status als „Markt- und Qualitätsführer im hochwertigen Feinfisch-Segment“ erarbeitet. Nach über 100 Jahren muss jedoch auch das Altonaer Traditionsunternehmen seine Segel streichen – die Produktion verlässt nun die Hansestadt Hamburg.

Name:Gottfried Friedrichs KG
Adresse:Adresse: Hermann-Wüsthof-Ring 7, 21035 Hamburg
Telefon:040 398280

„Erste hanseatische Feinfisch-Manufactur“ verlässt Hamburg in Richtung Polen

Um das selbsternannte Erfolgsrezept macht Gottfried Friedrichs längst kein Geheimnis mehr. Seit 1908 verspricht die Firma Friedrichs „Qualität, Genuss und Verantwortung“ – der Grund, warum das Unternehmen aus Altona über Jahrzehnte Bestand hat. Die Firma präsentiert sich auf ihrer Internetseite als „erste hanseatische Feinfisch-Manufaktur“. Beschreibungen wie diese deuten bereits das Traditionsbewusstsein des Hamburger Unternehmens an. Der Lachs wird hier noch sorgfältig mit den Händen gebeizt, anschließend über Buchenholz geräuchert – so wie es die Tradition eben verlangt.

Lachs.
Traditionsunternehmen Friedrichs verlässt nach über 100 Jahren Hamburg und steht zum Verkauf. (Symbolbild) © Frank Sorge/Imago

Tradition war auch 2016 Thema, als Gottfried Friedrichs – damals noch in einer eigenen Pressemeldung als „einer der führenden europäischen Anbieter für Premium-Feinfisch“ gefeiert – das Unternehmen Stührk aufgekauft hatte. Neben eigenen Produkten verkauft Friedrichs nun auch Lachs und Caviar aus dem Hause Stührk. Im Online-Shop wird man unter 8,70 Euro je 100 Gramm Lachs nicht fündig, gleichzeitig steigen im Betrieb die Kosten – der Grund, warum das Unternehmen jetzt seine Produktionsstätte verlegen muss?

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Aus nach über 100 Jahren: Hamburger Traditionsunternehmen muss „altersbedingt verkauft werden“

Der Hamburger Standort konnte dem Unternehmen bis zuletzt noch erhalten bleiben. An Produktionsprozessen wurde hier jedoch schon lange nicht mehr gedacht. In der Hansestadt ging es vornehmlich um den Vertrieb und das Marketing, berichtet das Online-Portal „Lebensmittelpraxis“. Nach Berichten des Hamburger Abendblatts wurde die wesentliche Produktion schon vor knapp 20 Jahren nach Waren (Mecklenburg-Vorpommern) gebracht. Die Stätte wurde jedoch schon Ende März 2022 geschlossen. Bereits seit einigen Monaten werden die Produkte von Friedrichs und Stührk im polnischen Doble hergestellt.

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Man fasste diesen Entschluss, um Energie- und Lohnkosten einzusparen. Gestiegene Kosten in Bezug auf den Fischfang sowie der Einfluss der Corona-Pandemie, der vor allem die Logistik getroffen hatte, stellten das Unternehmen darüber hinaus vor weitere Herausforderungen. Mathias Schlüter, Geschäftsführer von Friedrichs, nennt die Konsequenz in einer Mitteilung: Das Unternehmen muss „altersbedingt an einen strategischen Partner zur erfolgreichen Weiterentwicklung verkauft werden“. Nach 114 Jahren wird die Traditionsfirma Hamburg also schon bald endgültig verlassen – nicht jedoch ohne das Unternehmen „unter Einsatz erheblicher Ressourcen restrukturiert und auf einen guten Weg gebracht“ zu haben, heißt es vom Unternehmen.

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