1. 24hamburg
  2. Hamburg

Jeder sechste muss auf Mahlzeiten verzichten, Aufnahmestopp bei Hamburger Tafeln

Erstellt:

Von: Kevin Goonewardena

Kommentare

Die Hamburger Tafeln können keine Bedürftigen mehr aufnehmen. Die hohe Inflationsrate und der Ukraine-Krieg haben massive Folgen.

Hamburg – Nicht zuletzt wegen des Ukraine-Kriegs hat sich der Andrang bei den Tafeln hierzulande in den letzten Monaten enorm erhöht: Zu den geflüchteten Ukrainern kommen aufgrund der infolge des Krieges gestiegenen Preise immer mehr Menschen, die sich die Lebensmittel für den täglichen Bedarf nicht mehr leisten können. Gleichzeitig sinkt das Spendenaufkommen durch Supermärkte und Unternehmen.

Hinzukommt die hohe Infektionsrate, die viele Menschen zur Verzweiflung bringt. Und auch höhere Kosten für Sprit erschweren schon länger auch das Hilfsangebot der Hamburger Tafeln. Die Folgen für die Bedürftigen sind dramatisch: In Hamburg müssen die Tafeln nun einen Aufnahmestopp verhängen – zudem ergab eine neue Umfrage: Jeder sechste muss auf Mahlzeiten verzichten.

Name:Hamburger Tafel e.V.
Gegründet:1994
Vorsitzende:Mats Regenbogen, 2. Vorsitzender Wolfgang Demel
Anzahl Ausgabestellen:31 Lebensmittelausgabestellen

Hamburger Tafel: Lebensmittelengpass führt zu Aufnahmestopp

An 22 Ausgabestellen der Hamburger Tafeln werden ab sofort nur noch Lebensmittel an die Bedürftigen ausgegeben, die bereits bei den Tafeln registriert sind. Das berichtet das Online-Magazin Fink. Mit dem Schritt reagieren die Tafeln auf den gestiegenen Ansturm auf die Hilfseinrichtungen, der bereits zur Corona-Pandemie begonnen hat und sich mit Beginn des Ukraine-Kriegs noch einmal verschärfte.

Derzeit, so die Sprecherin der Hamburger Tafel, Julia Bauer, müssten vor allem Menschen aus der Ukraine und Beschäftige im Niedriglohn-Segment versorgt werden. In Bremen und Niedersachsen ringen die Tafeln zusätzlich um fehlende ehrenamtliche Helfer und Helferinnen.

Umfrage: Jeder sechste muss auf Mahlzeiten verzichten

Wegen der gestiegenen Inflation verzichten einer Umfrage zufolge 16 Prozent der Deutschen auf reguläre Mahlzeiten. Und weitere 13 Prozent ziehen einen Verzicht in Betracht, wenn die Teuerung anhält, wie die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf eine Insa-Umfrage berichtete. Mit „Nein“ antworteten demnach 68 Prozent.

Die Inflationsrate ist in Deutschland im Mai 2022 auf 7,9 Prozent gestiegen. Lebensmittel sind innerhalb eines Jahres um mehr als elf Prozent teurer geworden.

Hamburger Tafel: Unternehmen spenden in Ukraine – leiden aber auch selbst unter der Krise

Vor allem zu Beginn des Krieges seien die Lebensmittelspenden von Unternehmen oft direkt in die Ukraine oder Polen geleitet worden, anstatt an die Tafeln hier vor Ort, schreibt Fink. Aber auch die Unternehmen selbst hätten aufgrund des Krieges unter Versorgungsengpässen zu leiden. Im Supermarkt hat das Folgen: Zigaretten von Engpässen betroffen – „Lage aktuell angespannt“, berichtet BW24.

Julia Bauer appellierte besonders an Großunternehmen, wieder mehr an die Tafeln zu spenden. In der Vergangenheit hatten die Hamburger Tafeln unter anderem mit einmaligen großangelegten Sammelaktionen für versucht, mehr Lebensmittelspenden zu generieren. Im schleswig-holsteinischen Helmstedt musste die Tafel sogar schließen – weil Ehrenamtler bespuckt und bepöbelt wurden.

Eine Frau wartet auf Essen und ein Mann sammelt Essen aus einem Müllcontainer
Die Zahl der Bedürftigen steigt, gleichzeitig sinken die Lebensmittelspenden. Das hat Folgen. © Panthermedia/Imago und Sebastian Gollnow/dpa

Tafeln in Hamburg: Sogar neue Ausgabestellen möglich - Spenden dringend erbeten

Laut Sprecherin Berger sei sogar die Einrichtung einer neuen Ausgabestelle für Bedürftige möglich. Dafür müssten die Lebensmittelspenden allerdings wieder ansteigen.

Auch interessant

Kommentare