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Hamburger Schulsenator kocht vor Wut: Millionen falsche Tests an Schulen und Kitas

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Von: Anika Zuschke

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Ständiger Ärger mit Corona-Schnelltests: 4,1 Millionen fehlerhafte Tests wurden an Hamburger Schulen und Kitas ausgeliefert. Senator Rabe schimpft auf Hersteller.

Hamburg – Schon seit Monaten führen Hamburger Lehrer und Schüler zur allgemeinen Sicherheit und um den Präsenzunterricht beibehalten zu können, regelmäßig Corona-Schnelltests durch. Doch bereits im Herbst vergangenen Jahres beklagten sich etliche Schüler und Lehrer über häufig falsch-positive Testergebnisse. Der Grund dafür ist jetzt klar: Offenbar war ein Großteil der verwendeten Schnelltests fehlerhaft. Der Hersteller „Genrui“ hat die betroffenen Chargen nun zurückgerufen, über den Rückruf wurde die Hansestadt laut Gesundheitsbehörde am Dienstag informiert. Schulsenator Ties Rabe äußerte sich anschließend mit drastischen Worten zu dem Rückruf und der bestenfalls dürftigen Entschuldigung von „Genrui“.

Mitglied des Bundesrates der Bundesrepublik Deutschland:Ties Rabe
Hamburger Senator für Schule und Berufsbildung:Seit März 2011
Geboren:14. November 1960 (Alter: 61 Jahre) in Hamburg
Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands

Schnelltest-Chaos an Hamburger Schulen: Fehlerhafte Tests werden zurückgerufen – Senator schäumt vor Wut

Im Oktober 2021 wurden rund 4,1 Millionen Schnelltests einer fehlerhaften Charge von „Genrui“ nach Hamburg geliefert und an Schulen sowie behördliche Dienststellen verteilt. Satte 80 Prozent der fehlerhaften Tests landeten dabei an Hamburger Schulen. „Wir können nicht mit Sicherheit ausschließen, dass Sie im vergangenen Jahr mit Tests aus der fehlerhaften Charge beliefert wurden. Daher bitten wir Sie, Testpakete mit der LOT-Nr. 20211008 nicht weiter zu verwenden“, schrieb die Sozialbehörde in einer Mitteilung an Kitas und Schulen in Hamburg.

„Diese Produkte wurden schon zum größten Teil ausgeliefert oder verwendet. Restbestände sind noch im Lager“, heißt es laut Hamburger Abendblatt weiter. Restmengen der Charge wurden jetzt aber gesperrt.

Ständige Probleme mit Schnelltests an Hamburger Schulen – häufig falsch-positive Ergebnisse

Dass die Schnelltests fehlerhaft waren, sollte tatsächlich keine große Überraschung darstellen. Vor allem an Schulen kam es im Herbst 2021 zu erheblichen Beschwerden vonseiten der Eltern, Lehrkräfte und Schüler. Angaben der Schulbehörde zufolge waren an einzelnen Schulen 19 von 20 Corona-Meldungen falsch-positiv – da viele Tests eine Corona-Infektion* anzeigten, wo gar keine Viren waren.

Ein Kita-Kind und seine Mutter warten daheim auf das Ergebnis eines Corona-Selbsttests.
Test-Chaos an Hamburger Schulen und Kitas: Hersteller ruft Schnelltests zurück – Schulsenator schäumt vor Wut. © Friso Gentsch/dpa

Für die Schüler hatte das massive, und zum Teil teure, Auswirkungen: Kinder mussten abgeholt, isoliert und mit PCR-Tests versorgt werden. Erst nach einem negativen Testergebnis durften die Betroffenen in die Schule oder Kita zurückkehren. Das bedeutete eine Menge Stress für Kinder, die seelisch sowieso schon unter der Corona-Situation leiden.

Die Wahl des unzuverlässigen Schnelltest-Herstellers begründete die Gesundheitsbehörde mit einer guten Bewertung des Paul-Ehrlich-Instituts. Doch aufgrund der Vielzahl an Beschwerden setzt Hamburg schon seit Januar 2022 auf den Schnelltest-Hersteller Siemens Healthcare. In Niedersachsen gilt übrigens ab dem 15. Februar die Testpflicht in Kitas*. An Hamburger Schulen wird diese Pflicht bereits seit Mitte Januar geltend gemacht.

Hamburger Schulsenator Ties Rabe tobt über Rückruf des Schelltest-Herstellers „Genrui“

Trotz des bereits erfolgten Hersteller-Wechsels zeigt sich Schulsenator Ties Rabe über den Rückruf und das E-Mail-Statement von „Genrui“ keineswegs versöhnlich: „Die fehlerhaften Tests haben Kosten in Millionenhöhe verursacht und zahllose Schulgemeinschaften und Familien mit falschen Corona-Meldungen in Angst und Schrecken versetzt“, erbost sich der SPD-Politiker laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Es sei nicht nachvollziehbar, „dass der Hersteller nach diesen gewaltigen Problemen jetzt lediglich eine schnodderige E-Mail in alle Welt verschickt, ohne sich um Wiedergutmachung und Schadenersatz zu bemühen“, fährt Rabe vor Wut schäumend fort und fügt hinzu, dass er wenigstens eine Entschuldigung und eine faire Wiedergutmachung von dem Hersteller „Genrui“ erwarten würde.

„Wir werden uns mit einer lapidaren E-Mail nicht zufriedengeben“, schließt der Schulsenator erbost und kündigt an: „Der Hamburger Senat prüft jetzt rechtliche Schritte.“ Aufgrund der Mega-Inzidenzen an Schulen lag bereits vor diesem Vorfall eine Menge Druck auf Schulsenator Rabe – dem er jetzt offenbar lautstark Luft macht.

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In Hamburg sind wohl nicht nur PCR-Tests knapp – auch Vorrat an Schnelltests in Kitas schrumpft

Doch Hamburg trifft es momentan nicht nur in Bezug auf das Schnelltest-Chaos an Schulen hart: Auf der Ministerpräsidentenkonferenz am Montag, 24. Januar 2022, wurde für die Hansestadt in Zukunft auch eine Priorisierung bei der Verteilung von PCR-Tests entschieden – aus dem einfachen Grund heraus, dass nicht ausreichend PCR-Test-Kapazitäten für jedermann da sind.

Und offenbar sind nicht nur PCR-Tests Mangelware: Abendblatt-Informationen zufolge liegt derzeit auch in einigen Kitas keine ausreichende Anzahl an Tests der Marke Siemens vor. In einem Schreiben einer Hamburger Einrichtung wurde darauf hingewiesen, dass Eltern offizielle Teststationen aufsuchen sollen, sollten ihnen die Siemens-Schnelltests ausgehen. Die Sozialbehörde möchte die Bestände der Schnelltests aber eigenen Angaben nach zeitnah überprüfen und gegebenenfalls darauf reagieren.

Dass es generell nicht genügend Testmöglichkeiten in Hamburg gibt, weiß wohl auch TV-Koch Tim Mälzer, der deswegen vor seinem Restaurant „Bullerei“ nun einen eigenen Test-Container aufbauen lässt. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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