Frustration über Bestimmungen

Hamburgs Schulen: Lehrkräfte mit Corona-Regeln überfordert

  • Matthias Udwardi
    VonMatthias Udwardi
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Die Corona-Regeln zum Schulstart machen Lehrkräften in Hamburg das Leben schwer. Die Regeländerungen sind viel zu kurzfristig und unberechenbar. Eine Lehrerin rechnet ab.

Hamburg – Die Corona-Bestimmungen der Behörden sorgen an Hamburger Schulen für Verwirrung. Lehrerinnen und Lehrer, die diese umsetzen sollen, beklagen sich darüber, dass die Regeländerungen unzureichend und viel zu spät kommuniziert werden. Viele Lehrkräfte sind durch die spontanen Entscheidungen zum Schulstart verunsichert und überarbeitet. In einem Interview mit t-online.de erzählt eine Hamburger Lehrerin von ihrem anstrengenden Alltag.

Aufgrund der Corona-Pandemie ist es im Moment unmöglich, langfristige Projekte an den Hamburger Schulen auszuarbeiten. Planänderungen stehen auf der Tagesordnung. So teilten die Behörden vor zwei Wochen noch mit, dass es keine Schulschließungen aufgrund von Corona mehr geben werde. Doch kurz darauf musste ein ganzer Jahrgang wieder in den Remote-Unterricht von zu Hause aus.

Anzahl Grundschulen Hamburg:228
Anzahl Weiterführende Schulen Hamburg (Stadtteilschulen und Gymnasien):163
Anzahl Berufsschulen Hamburg: 39
Anzahl Sonderschulen Hamburg: 38

Corona-Regeln an Hamburgs Schulen nach Schulstart: Geplante Projekte und Ausflüge wurden abgesagt

Die Hamburger Pädagogin erzählt, dass sie schon einige Projekte und Ausflüge für ihre Schulklassen geplant hatte. Durch die Vorgaben der Behörden musste sie aber alle Pläne über Bord werfen und das komplette Programm für den Fernunterricht zuschneiden. Das kostet natürlich Zeit. Sie gibt zu, dass sie und viele Kolleginnen und Kollegen sehr motiviert und dadurch wohl zu naiv waren. Trotzdem frustrieren diese Vorgaben natürlich ungemein.

Die sich ständig ändernden Coronaverordnungen setzen Hamburger Lehrkräften zum Schulstart zu. (24hamburg.de-Montage)

Die engagierte Lehrerin entwickelte die Projekte in der schulfreien Zeit, da sie gehofft hatte, im Laufe der Ferien würde sich bei den Behörden alles normalisieren und zum Schulstart klare Vorgaben für die Schulen kommuniziert werden. Doch Pustekuchen, die Schulen erhielten kein einziges Update. Während sich der Senator in den Medien selbst lobe, passiere hinter den Kulissen rein gar nichts. Noch nicht einmal die versprochenen Luftfilteranlagen für die Klassenräume der Hamburger Schule wurden bis jetzt geliefert. Die Lehrerin ist verärgert: „Da hat man das Gefühl, als habe in den Ferien bei den Behörden niemand gearbeitet.“

Die Schulen selbst werden jedoch mit neuen Vorgaben bombardiert. „Einen Tag vor Schulbeginn hat die Behörde beispielsweise noch eine Neuauflage einer Reiserückkehr-Erklärung an die Schule geschickt.“, erzählt die Pädagogin. Diese Erklärungen sollten innerhalb von vierundzwanzig Stunden unterschrieben werden. Doch es war schlichtweg unmöglich, in dieser kurzen Zeit alle Unterschriften von den Eltern einzuholen.

Zu diesen ständigen Kursänderungen kommen noch die regelmäßigen Coronatests hinzu, die vom Lehrpersonal ausgeführt werden. Auch diese bedeuten zusätzliche Arbeit für die Lehrenden. Diese müssen früher zur Arbeit kommen und sich auch in den Pausen darum kümmern. So werden Überstunden angehäuft, die nicht ausgeglichen werden können. „Ich bin gestresst und überfordert“, beklagt sich die Hamburger Lehrerin. „Niemand hat die Kraft, das alles zu leisten. Ein regelmäßiger Dankesbrief an die Lehrkräfte reicht dann einfach nicht!“

Corona-Vorgaben an Hamburgs Schulen: Auch Schüler leiden unter den sozialen Einschränkungen

Trotz aller Anstrengungen behält die Lehrerin das Wohl ihrer Schülerinnen und Schüler stets im Blick. Im Interview erzählt sie, dass diese während der Coronazeit viel durchgemacht haben und die sozialen Einschränkungen sehr wohl an ihnen nagen. Doch sie bewundert die Jugendlichen dafür, dass sie so gut mit der Pandemie umgehen. „Ich finde das sehr beeindruckend. Ich könnte das verstehen, wenn sie langsam wütend würden oder sogar traurig“, gesteht die Lehrerin ein. Deshalb unterstützt sie die Jugendlichen, wo es nur geht.

Die Hamburger Pädagogin erklärt im Interview auch, dass die beliebten Klassenfahrten bisher noch behördlich erlaubt sind. Doch sie bleibt dabei realistisch. „Ich glaube, dass es schlauer wäre, jetzt noch zu stornieren“, äußert sie ihre Bedenken gegenüber t-online.de. Die Vorbereitung der Ausflüge bedeute jedes Mal sehr viel Arbeit für die Lehrkräfte. Und es gibt keine Garantie, dass sie zum geplanten Termin auch tatsächlich stattfinden dürfen. „Das frustriert mich total“, seufzt die Lehrerin. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Oliver Dietze/dpa & agefotostock/imago

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