1. 24hamburg
  2. Hamburg

Energiekrise: Hamburgs Schulen müssen sparen – „Verordnetes Frieren lehne ich ab“

Erstellt:

Von: Kevin Goonewardena

Kommentare

Auch an Hamburgs Schulen muss Energie gespart werden. Konkrete Vorschläge dazu kommen von Linken und CDU. Energie- und Corona-Politik beißen sich.

Hamburg – Das Szenario vom Gasnotstand ist allgegenwärtig. Zumindest in den Köpfen der Menschen. Wegen des Ukraine-Kriegs droht Deutschland im kommenden Herbst das Gas auszugehen. Die Bundesregierung fürchtet regionale Notlagen, sollte Russland nach Abschluss der aktuell laufenden Wartungsarbeiten an der Gaspipeline Nordstream 1 die Gaslieferungen weiterhin drosseln. Neben der Bereitstellung von Alternativen wie Flüssiggas oder der Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken werden deutschlandweit Maßnahmen diskutiert den Gasverbrauch zu senken.

Auch an den Hamburger Schulen. Schulsenator Ties Rabe hatte bereits in der Vergangenheit seine Sorge über kalte Klassenzimmer im Herbst geäußert. Von Zeitschaltuhren bis Anpassung der Raumpläne und Reduzierung der Temperatur in Sporthallen – mit diesen Ideen beschäftigt sich die Hamburger Schulbehörde jetzt.

Name:Freie und Hansestadt Hamburg
Anzahl städtischer Schulen:375
Fläche der Schulgebäude in Quadratmeter:rund 3 Millionen
BildungssenatorTies Rabe (SPD)

Hamburger Schulen in der Energiekrise: „Daran beteiligen, die Energieverbräuche zu senken“

375 staatliche Schulen gibt es in Hamburg. Diese kommen zusammen auf etwa 3 Millionen Quadratmeter Fläche, die bisher im Winter beheizt wurde. Das wird nun nicht mehr so sein – die Energiekrise und die hohen Energiepreise lassen grüßen. Dass es nicht mehr so weitergehen wird wie bisher, bestätigte der Sprecher der Schulbehörde, Peter Albrecht, dem Hamburger Abendblatt auf Anfrage.

Hamburg, Heimfeld der 05.02.2020 CDU Fraktionsvorsitzender Andre Treppoll und die Bürgerschaftsabgeordnete Birgit Stöver
Die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion in Hamburg, Birgit Stöver (hier zusammen mit Andre Treppoll bei einer CDU-Veranstaltung im Jahr 2020) hat nun konkrete Ideen zum Energieeinsparen an Hamburger Schulen vorgebracht. (Archivbild) © Andre Lenthe / Imago

Denn auch die Schulen Hamburgs werden sich „daran beteiligen, die Energieverbräuche zu senken – so, wie es auch die Bevölkerung und die Unternehmen tun“, sagte Albrecht. Wie genau diese Beteiligung aussieht, durch den Winter und die Energiekrise zu kommen, steht allerdings noch nicht fest. Albrecht versicherte gegenüber dem Abendblatt, dass die technischen Möglichkeiten zur Heizreduzierung geprüft werden und „rechtzeitig vor der kommenden Heizperiode detailliertere Angaben“ gemacht werden könnten, wie Hamburgs Schulen in Zeiten von Gasknappheit, Energiekrise und steigenden Gast- und Strompreisen reagieren und helfen, zu sparen.

Lesen Sie auch: Notfallplan Gas: So sollen Hamburger sparen – „sonst geht im März das Gas aus“

Energiekrise und Gasknappheit: Deutscher Städtetag empfiehlt Temperaturreduzierung in Sport- und Turnhallen

Zurzeit würden etwa die Vorschläge des Deutschen Städtetags zur Energieeinsparung geprüft. Diesem „freiwilligen Zusammenschluss von kreisfreien und kreisangehörigen Städten und Gemeinden“ gehören landesweit 3400 Mitglieder an. Der Deutsche Städtetag hatte unter anderem die Abschaltung von mobilen Luftreinigungsgeräten in Schulräumen, wo diese nicht mehr nötig seien, ins Spiel gebracht. 25 Prozent Energie könnten so gespart werden, heißt es. Auch die Absenkung der Temperatur in Sport- und Turnhallen schlägt der Deutsche Städtetag vor.

24hamburg.de Newsletter

Im Newsletter von 24hamburg.de stellt unsere Redaktion Inhalte aus Hamburg, Norddeutschland und über den HSV zusammen. Täglich um 8:30 Uhr landen sechs aktuelle Artikel in Ihrem Mail-Postfach – die Anmeldung ist kostenlos, eine Abmeldung per Klick am Ende jeder verschickten Newsletter-Ausgabe unkompliziert möglich.

Diese solle auf 15 Grad gesenkt werden. In Hamburg, so berichtet die Zeitung, läge die Temperatur in den Schul- und Sporthallen allerdings sowieso nur bei 14 Grad. Nur dort, wo bestimmte Sportarten eine höhere Temperatur nötig machen, werde diese auf bis zu 17 Grad hochgeregelt. Ob sich in diesen Fällen die Temperatur um das ein oder andere Grad absenken ließe, müsse allerdings mit den Sportvereinen als Nutzer der Hallen besprochen werden.

Energiesparen an Hamburger Schulen: Die Ideen der Linke

Die Linken-Fraktionsvorsitzende in der Hamburgischen Bürgerschaft Sabine Boeddinghaus schlägt vor, täglich die Raumbelegungspläne an Hamburger Schulen zu überprüfen, um so „zielgerichtet in den zeitweise nicht genutzten Räumen die Temperatur herunterzudrehen.“ Für die Überprüfung sei allerdings Extrapersonal nötig. Den Hausmeistern könne man diese Aufgabe nicht überlassen. Zudem würde sie, wäre sie Schulsenatorin, eine Expertenkommission einrichten, mit dem Ziel Einsparmaßnahmen für Hamburgs Schulen zu entwickeln, sagt Boedinghaus.

Energiesparen an Hamburger Schulen: Die Ideen der CDU – Energiesparen beißt sich mit Corona-Politik

Auch Birgit Stöver, bildungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, äußerte konkrete Vorschläge zum Energiesparen an Hamburgs Schulen. Einen ersten Beitrag könne die Wartung aller Heizungen in den Sommerferien und die daraus resultierende optimale Einstellung sein, so Stöver. Sie plädiert außerdem dafür, dass Schulen einen Energiemanager beauftrage, der – unterstützt von einem Team – dafür Sorge trägt, dass Licht in den Räumen gelöscht ist. Zudem im Blick hat, dass – wo es nicht mehr benötigt wird – die Fenster und Türen geschlossen sind und der sich um die Umsetzung ähnlicher kleinerer Kniffe zum Energiesparen kümmert. Für das optimale Heizen schlägt Stöver schlägt zusätzlich die Installation von Zeitschaltuhren und anderen technischen Maßnahmen vor.

Ein verordnetes Frieren im nächsten Winter lehne ich ab.

Birgit Stöver, bildungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion Hamburg

Auch wenn das „Wie“ noch nicht geklärt ist, einig sind sich alle Beteiligten darüber, dass auch an den Schulen Energie gespart werden muss. Doch nicht nur die richtigen Maßnahmen stellen hierbei für die Verantwortlichen eine Herausforderung dar. Die Notwendigkeit auch durch weniger heizen Energie einzusparen, gleichzeitig aber die Räumlichkeiten mehr zu Lüften, wie es gegen die Ausbreitung des Corona-Virus bereits im vergangenen Herbst und Winter gemacht wurde, verläuft konträr zueinander. Und auch die Luftfilter, die in Hamburger Schulen gegen das Corona-Virus zum Einsatz kommen, verbrauchen viel Energie. Für die Verantwortlichen gilt es also auch Corona-Politik und die aufkommende Energiekrise so gut es geht in Einklang miteinander zu bringen.

Auch interessant

Kommentare