Ramadan im Lockdown

Hamburger Muslime im Ramadan – so verändert Corona die Fastenzeit

  • Joanna Abou Boutros
    vonJoanna Abou Boutros
    schließen

Es ist schon der zweite Ramadan im Corona-Lockdown. Muslime in Hamburg müssen auf viele wesentliche Traditionen weitestgehend verzichten.

Hamburg – Für Muslime ist der Fastenmonat Ramadan der heiligste Monat im Jahr. Traditionell verzichten Gläubige in diesen 30 Tagen auf körperlichen Genuss sowie auf Speisen und Getränke von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. In diesem Jahr müssen sie auch auf Treffen und Feierlichkeiten mit Freunden und Familien verzichten – nicht traditionell, sondern coronabedingt.

Religion: Islam
Mitglieder: 1,8 Milliarden
Heilige Schrift: Koran

Ramadan fällt zum zweiten Mal in Corona-Lockdown

Normalerweise kommen praktizierende Muslime im Ramadan täglich zum Beten und zum gemeinsamen Fastenbrechen „Iftar“ mit Freunden und Familie zusammen. Aufgrund der Corona-Situation in Hamburg ist das allerdings nur bedingt möglich. Es ist der bereits zweite Ramadan im Lockdown.

Muslime sind wegen Ausgangssperren isoliert

Viele Muslime in Hamburg trifft der Shutdown hart. Weil aktuell auch Ausgangsbeschränkungen gelten, können sie am Abend nicht zum „Iftar“ zu ihren Familien fahren. Auch das gemeinsame Kochen mit Freunden in der eigenen Wohnung ist in Pandemie-Zeiten nicht möglich. „Es ist traurig. Das Essen abends ist etwas Wichtiges und wirklich Schönes am Ramadan“, erzählt Sara Karim (Name von der Redaktion geändert).

Für die gebürtige Hamburgerin mit palästinensischen Wurzeln gehört das jährliche Fasten seit ihrer Kindheit zum Leben dazu. Sie erklärt die Problematik: Das Fastenbrechen begehen Muslime traditionell mit einer Dattel und einem Glas Wasser nach Sonnenuntergang – aktuell ungefähr um 20.30 Uhr. Wer sich zu dieser Uhrzeit auf den Weg zu Verwandten macht, schafft es nicht mehr nach Hause zurück, bevor ab 21 Uhr die Ausgangssperre in Hamburg greift.

Die Moscheen in Hamburg sind – wie auch die christlichen Kirchen – trotz allem geöffnet. Allerdings dürfen nur wenige Gläubige kommen. Alternativ werden für Gemeindemitglieder Online-Angebote geschaffen. Doch das Gemeinschaftsgefühl fehlt auch hier.

Hamburger Moscheen bieten Online-Gottesdienste zu Ramadan an

Immerhin: Unterkriegen lassen sich die rund 130.000 Hamburger Muslime von der Pandemie nicht. In der Yeni Ayasofya Moschee in Hamburg-Wilhelmsburg haben Verantwortliche sich ein besonderes Konzept überlegt: „Iftar“ to go. Heißt: Die Gemeinde kocht wie in jedem Jahr auch zu Pandemie-Zeiten für ihre Mitglieder und für Bedürftige. Statt des gemeinsamen abendlichen Essens in der Moschee holen sich die Mitglieder die Speisen jedoch vor Ort ab. Für alte und kranke Menschen wurde in Wilhelmsburg sogar ein Lieferservice eingerichtet. Das berichtete der NDR.

Fasten in der Pandemie: Viele Muslime müssen coronabedingt auf das gemeinsame Fastenbrechen verzichten. (24hamburg-Montage)

Der Ramadan gehört zu den fünf Säulen des Islam

Am Ende des Fastenmonats feiern Muslime das Zuckerfest. In der Vergangenheit hat es in der Hansestadt Hamburg große Veranstaltungen zu diesem Termin gegeben, beispielsweise kamen tausende Menschen in der Alsterdorfer Sporthalle zusammen. Auch Sara war schon dabei: „Wenn man nicht so eine große Familie in Deutschland hat, ist es besonders schön mit vielen Menschen zusammenzukommen. Es ist schön, wenn man sieht, wer mit einem gefastet hat.“

Ramadan ist eine der 5 Säulen des Islam

Der Ramadan ist eine der wichtigsten Grundlagen der muslimischen Religion. Neben dem Glaubensbekenntnis, dem täglichen Beten, der Wohltätigkeit für Bedürftige und der Pilgerfahrt nach Mekka gehört der Fastenmonat zu den 5 Säulen des Islam.

Besonders wichtig sind die letzten zehn Tage im Fastenmonat, erklärt Sara. Der Grund: „Man geht davon aus, dass dem Propheten Mohammed in dieser Zeit der Koran offenbart wurde.“ Praktizierende Muslime gedenken in diesen Tagen Allah (Gott) und Mohammed, sie lesen den Koran und beten häufiger.

Ramadan ist auch die Zeit, in der Muslime über den Sinn des Lebens nachdenken. „Ramadan bedeutet für mich, dass man sich wirklich auf die wertvollen Dinge des Lebens konzentriert und darüber nachdenkt, warum man eigentlich auf der Welt ist. Essen und Trinken sind eigentlich nur nebensächliche Dinge. Was am Ende zählt, ist dass die Seele rein ist“, sagt Sara.

Hoffnung auf Normalität und Gemeinsamkeit für die nächste Fastenzeit

Für das kommende Jahr hofft die Hamburgerin, dass große Feiern wieder möglich sein werden. Dazu müsste Deutschland mit den Impfungen gegen das Coronavirus vorankommen und das Virus weitestgehend unter Kontrolle bringen. Dann wären auch das gemeinsame interkulturelle Feiern endlich wieder möglich. Schließlich vermissen auch viele nichtmuslimische Hamburger die Einladungen ihrer Freunde und Nachbarn zum Zuckerfest. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Georg Wendt/dpa/picture alliance/Canva Datenbank

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare