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Volksinitiative gegen das Gendern gestartet – Sabine Mertens: „Wollen es nicht“

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Von: Lia Stoike

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Eine Volksinitiative möchte Gendersprache aus Ämtern verbannen. Das feuert die heiß umstrittene Gender-Debatte an. Experten ordnen ein.

Hamburg – „Schluss mit der Gendersprache in Verwaltung und Bildung“, das fordert die gleichnamige Volksinitiative. „Wir wollen nicht von oben permanent angegendert werden und von Politikern und Beamten darüber belehrt werden, wie der Volksmund sprechen soll“, sagt Initiatorin Sabine Mertens. Zu ihrem Grauen hat der Hamburger Koalitionsvertrag 500 Gendersterne, deshalb möchte sie direkt in ihrer Heimatstadt beginnen. Im Februar geht es los.

NameSabine Mertens
GeburtsortSolingen
TätigkeitenVorsitzende im Verein Deutsche Sprache, Berater, Übersetzer, Autor

Sabine Mertens gegens Gendern: Schafft es die Volksinitiative gegen die Pflicht zum Gendern bis in den Bundestag?

Aktuell wird der Abstimmungstext der Volksinitiative geprüft. Ist dieser gesetzeskonform, könnte die Initiative in einem bundesweiten Entscheid enden. Sabine Mertens sieht sich schon jetzt als Gewinnerin: „CDU und FDP unterstützen unsere Initiative und hunderte von Gleichgesinnten haben sich gemeldet, die ihre Netzwerke für die Sammlung einsetzen werden.“ Ihre Vorhaben könnte somit Realität werden.

Egal, ob digital oder auf Papier: Behörden haben beim Gendern eine Vorreiterrolle übernommen.
Doppelpunkte und Sternchen könnten in Hamburg bald der Vergangenheit angehören. Eine Volksinitiative fordert ein Verbot für Gendersprache in Behörden und Ämtern. © Marijan Murat, dpa

Erst im 2021 wurde Gendersprache in Ämtern und Behörden eingeführt

Dabei wird in Hamburg noch gar nicht so lange in Behörden und Ämtern gegendert. Um genau zu sein, gehört sie erst seit dem 15-06.2021 zum Tagesprogramm öffentlicher Einrichtungen. Senatorin und zweite Bürgermeisterin Hamburg, Katharina Fegebank, setzte sich vehement dafür ein, dass sich Beamte gendersensibel äußern müssen – und hatte Erfolg.

Umfrage für die „Bild“-Zeitung zeigt: Mehrheit der Deutschen ist gegen Gendern

Damit setzte die Stadt ein Zeichen in der umstrittenen Debatte. „Gendersprache nervt die meisten Leute einfach nur, eine überwältigende Mehrheit lehnt sie nachweislich ab“, betont Sabine Mertens und hat Recht. Gleich mehrere Umfragen belegen das. Unter anderem auch eine des Instituts INSA für die „Bild“-Zeitung von 2022, nach der 74 Prozent der Deutschen Gendern ablehnten, nur 19 Prozent waren dafür. Warum dann überhaupt diskutieren?

Landesfrauenrat Hamburg über Gendern in Ämten und Behörden: „Mitgemeint reicht nicht“

„Ich verstehe, dass die Debatte für manche Menschen anstrengend erscheint“, sagt Dr. Christina Maria Huber, Vereinsvorstand des Landesfrauenrats Hamburg. Trotzdem reicht aus ihrer Sicht der Hamburger Status Quo nicht aus. Huber meint, dass in Behörden oft die Bezeichnung „Bürgerinnen und Bürger“ verwendet werde. Das schließe aber Menschen aus, die sich als „divers“ identifizieren. Besser seien die Schreibweisen „:innen“ sowie jene mit Sternchen oder Unterstrich, so Huber.

Was bedeutet „Gendern“ eigentlich?

Das Wort „Gender“ kommt aus dem Englischen und bedeutet Geschlecht. Es handelt sich hierbei nicht um das biologische, sondern um das soziale Geschlecht. Dies betrifft typische Merkmale des gelebten und gefühlten Geschlechts, also keine körperlichen Merkmale.

„Gendern“ bedeutet also einen geschlechtergerechten, inklusiven und diskriminierungsfreien Sprachgebrauch. Ausdrücke wie Schülerinnen und Schüler sind eine Form des Genderns.

Seit der rechtlichen Einführung einer dritten Geschlechtsoption (2018) namens „divers“ wird auch über eine mehrgeschlechtliche Schreibweise diskutiert.

Hamburger Germanist stellt klar: Gendern ist ein Zeichen von Höflichkeit und Respekt

„Es ist immer sinnvoll“, sagt auch Lars Vorberger, Germanist an der Universität Hamburg. Beim Gendern gebe es nur zwei Fragen, die sich jeder stellen sollte: „Wen möchte ich ansprechen?“, und: „Wie höflich oder respektvoll möchte ich sein?“. Die Verwendung geschlechtergerechter Sprache ist allerdings nur ein Aspekt einer größeren Diskussion, an dem sich diese dann oft entzündet: Gleichberechtigung und Inklusion. Im Kampf darum könnte Sprache einen Beitrag leisten, da diese mit dem Denken eng verknüpft ist.

Kampagne des Landesfrauenamts Hamburg bietet Volksinitiative gegen das Gendern die Stirn

Aus diesem Grund hat das Landesfrauenamt eine Kampagne mit dem Namen „:innen – Mitgemeint reicht nicht“ gestartet. Ziel ist unter anderem zu verdeutlichen, dass gendersensible Sprache keine „Gängelung“ ist, sondern solche Verbote, wie von der Hamburger Volksinitiative angestrebt. Gegen Inklusion und Gleichberechtigung lehnt sich die Volksinitiative nicht auf, sondern gegen Vorschriften und Empfehlungen „von oben“, also aus der Politik.

Gender-Gegner: „Gendersprache produziert zu viel Nebel, der vom eigentlichen Inhalt ablenkt“

„Wenn man eine allgemeine Aussage treffen möchte, muss man niemanden ‚mitmeinen‘ oder gesondert ansprechen.“ Dafür seien die grammatisch generischen, geschlechtsneutralen Formen der deutschen Sprache da: das Maskulinum (der Bürger), Femininum (die Katze) sowie das Neutrum (das Genie). Menschen mit Lernschwierigkeiten, Sehbehinderte oder Zuwanderer, haben es mit dem Hochdeutschen schwer genug, so die Initiatorin der Volksinitiative. „Gendersprache produziert zu viel Nebel, der vom eigentlichen Inhalt ablenkt. Sie will angeblich „alle mitmeinen“ und „alle ansprechen“, sie wirkt aber in der Praxis exkludierend, nicht inklusiv.“

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