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24-Stunden-Streik im Hafen geplant – „Angebot für uns nicht annehmbar“

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Von: Steffen Maas

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Noch mehr Chaos im Hamburger Hafen: Wegen eines „Rückschrittes“ in den Tarifverhandlungen, soll es laut Verdi am Donnerstag erneut zum Warnstreik kommen.

Hamburg – Das wird die angespannte Notsituation im Hamburger Hafen nicht verbessern: Die Gewerkschaft Verdi fordert ihre Mitglieder auf, am Donnerstag, 23. Juni 2022, in einem ganztägigen Warnstreik die Arbeit niederzulegen. Im Hafen in Hamburg betrifft das rund 1000 Beschäftigte. Der Aufruf kommt nach dem Ende der vierten Tarifrunde zwischen Verdi und dem Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS). Der ZDS ist empört – Verdi aber auch.

Name:Hamburger Hafen
Gegründet:7. Mai 1189
Umgeschlagene Container:8,7 Millionen (2021)
Ungeschlagenes Stückgut:1,2 Millionen Tonnen (2021)

Hafen Hamburg: 24-Stunden-Streik am Donnerstag geplant

ZDS-Verhandlungsführerin Ulrike Riedel verurteilte die erneute Streikankündigung und fordert die Gesprächspartner zurück an den Verhandlungstisch: „Die angekündigten 24-stündigen Warnstreiks sind nicht verhältnismäßig“, empörte sich Riedel. Die Gegenseite sieht sich allerdings ebenfalls im Recht: „Wir hätten einen weiteren Warnstreik gern vermieden, aber das jetzt vorliegende, mehrheitlich verschlechterte Angebot ist für uns nicht annehmbar“, entgegnete Verdi-Verhandlungsführerin Maya Schwiegershausen-Güth.

Hafenarbeiter gehen an einem Schild mit der Aufschrift „Warnstreik!“ vorbei zu einer Streikversammlung.
Wiederholen sich die Bilder? Wieder ruft Verdi zum Warnstreik im Hafen auf. © Markus Scholz/dpa

Unterstrichen soll der Warnstreik am Donnerstag durch einen Demonstrationszug, zudem Verdi aufruft. Die streikenden Mitarbeiter wollen ab 9 Uhr von der Speicherstadt über den Jungfernstieg zum Gewerkschaftshaus am Besenbinderhof in der Kurt-Schuhmacher-Alle ziehen, wo um 13 Uhr eine Abschlusskundgebung geplant ist. Neben den Problemen im Hafen dürfte diese Aktion auch für logistische Probleme in der Hamburger City sorgen.

Warnstreik und Containerstau in der Nordsee

Bereits vor der dritten Verhandlungsrunde hatten etwa 12.000 Hafenarbeiter im Hamburger Hafen und in ganz Norddeutschland erstmals seit Jahrzehnten bei einem Warnstreik mehrere Stunden die Abfertigung von Schiffen weitgehend lahmgelegt und die ohnehin massiven Verspätungen an der Kaikante weiter vergrößert.

Unter anderem aufgrund Personalmangels tummeln sich in der Nordsee nach wie vor zahlreiche Containerschiffe, die auf ihre Abfertigung warten. Nach dem Ende des Lockdowns am weltgrößten Containerhafen in Shanghai rollt nun zudem eine Welle an Containerfrachtern auf Europa zu. Dabei gibt es in den Häfen bereits jetzt kaum Container-Stellplätze, weil Boxen, die sonst binnen kurzer Zeit weitertransportiert werden, aktuell zwischengelagert werden müssen.

Tarifkonflikt: Neuestes Angebot eine „klassische Mogelpackung“

Schwiegershausen-Güth nannte das jüngste Angebot der Arbeitgeber für die rund 12.000 Beschäftigten in den 58 tarifgebundenen Betrieben in Hamburg, Niedersachsen und Bremen eine klassische Mogelpackung. „Nach der Annäherung in der dritten Runde haben wir jetzt einen Rückschritt gemacht.“ Sie forderte die Arbeitgeber zu weiteren Verhandlungen auf. „Ihr Angebot kann nicht das letzte Wort bleiben.“

Der ZDS hatte bei der vierten Tarifverhandlung am Dienstag in Bremen nach eigenen Angaben sein „finales“ Angebot vorgelegt. Danach soll der Stundenlohn der Hafenarbeiter bei einer Tariflaufzeit von 18 Monaten um 1,20 Euro steigen, im Autoumschlag um 90 Cent. Darüber hinaus soll die Zulage im Container-Bereich um 1200 Euro steigen. Zudem sei in Vollcontainer-Betrieben eine Einmalzahlung in Höhe von 1000 Euro und in konventionellen in Höhe von 500 Euro geplant.

Verdi fordert dagegen bei einer Laufzeit von nur 12 Monaten für die Beschäftigten ebenfalls eine Erhöhung der Stundenlöhne um 1,20 Euro sowie in Vollcontainerbetrieben eine Erhöhung der jährlichen Zulage um 1200 Euro. Darüber hinaus fordert Verdi einen nicht näher bezifferten „tatsächlichen Inflationsausgleich“. Bei Löhnen von aktuell knapp unter 15 Euro bis gut 28 Euro pro Stunde bedeuten die Verdi-Forderungen eine Gehaltssteigerung um bis zu 14 Prozent. (Mit Material der dpa.)

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