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„Stehen alleine da“: Tschentscher fehlt Bundes-Hilfe für den Hafen

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Von: Steffen Maas

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Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher hat von der Bundesregierung mehr Engagement für die deutschen Seehäfen gefordert. China sei dabei Vorbild.

Hamburg – Der Erste Bürgermeister der Hansestadt Hamburg, Peter Tschentscher (SPD), zeigt sich unzufrieden mit der Zurückhaltung der Bundesregierung bei der strategischen Ausrichtung der deutschen Häfen – und fordert mehr Konzepte nach internationalem Vorbild: „Andere Länder wie Belgien und die Niederlande haben eine nationale Hafenstrategie“, sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Sie gingen gezielt vor und unterstützten ihre wichtigsten Häfen Rotterdam und Antwerpen, wobei auch andere Hafenstandorte einbezogen würden. „In Deutschland gibt es seitens des Bundes keine aktive nationale Politik zur Unterstützung der Häfen“, bemängelte er.

Name:Hamburger Hafen
Gegründet:07. Mai 1189
Umgeschlagene Container:8,7 Millionen (2021)
Umgeschlagenes Stückgut:1,2 Millionen Tonnen (2021)

Peter Tschentscher fordert Bundesregierung auf: „Stärker an Hafeninvestitionen beteiligen“

Mit der im Bundeswirtschaftsministerium von Robert Habeck (Grüne) angesiedelten Grünen-Politikerin Claudia Müller gebe es zwar eine maritime Koordinatorin der Bundesregierung, „die aber sehr im Hintergrund wirkt“, wie Tschentscher sagte. „Wenn es darauf ankommt, stehen die Hafenstädte mit ihren Entscheidungen dann doch allein da.“

Der Bund sollte sich stärker an den Hafeninvestitionen beteiligen, forderte der Bürgermeister und betonte: „Die Seehäfen sind für die Anbindung der deutschen Wirtschaft an die internationalen Märkte von größter Bedeutung.“ Auch der Hamburger Hafen nimmt eine wichtige Rolle ein – auch, wenn man zuletzt bei einer Entscheidung aus Berlin für neue Flüssiggas-Terminals leer ausging.

China als Vorbild: Deutsche Regierung soll sich mehr um Infrastruktur kümmern

In der Krise zeige sich jetzt besonders, welche Bedeutung die Häfen für die Wirtschaft, die Lieferketten und die Versorgung der Menschen hätten. „Es ist wichtig, dass sich der Bund und die Europäische Kommission genauso um die maritime Infrastruktur und Logistik kümmern wie die chinesische Regierung.“

Containerumschlag im Hafen Hamburg.
Containerumschlag im Hamburger Hafen: Wenn es nach Bürgermeister Peter Tschentscher geht, sollte sich die Bundesregierung hier mehr einmischen. © Christian Charisius/dpa

Die Bundesregierung müsse sich auch jenseits der Kaianlagen aktiv um die Belange der deutschen Häfen kümmern, sagte Tschentscher. „Zum Beispiel, indem sie das Schienennetz im Umfeld der Häfen ausbaut und die Digitalisierung der Bahn vorantreibt.“ Durch eine kuriose Notlandung eines Amateurpiloten wurde der Hamburger Hafen zuletzt aber ausnahmsweise auch mal von einem Flugzeug angeflogen.

Hamburger Hafen: Konkurrenz in Rotterdam und Antwerpen – nicht in Bremen

Der Wettbewerb zwischen den Häfen in Bremen, Wilhelmshaven und Hamburg lenke davon ab, „dass die eigentliche Konkurrenz in Rotterdam und Antwerpen liegt“, sagte er und warb erneut für eine Zusammenarbeit. „Die Senate von Bremen und Hamburg unterstützen die Idee einer gemeinsamen Terminal-Gesellschaft und gemeinsamen Strategie für die drei großen norddeutschen Seehäfen.“

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Trotz der politischen Unterstützung hatten die Hamburger HHLA und die Bremer Eurogate ihre Verhandlungen über einen Gemeinschaftsbetrieb der norddeutschen Containerterminals vor einem Monat zumindest vorerst auf Eis gelegt. Man habe beschlossen, die Gespräche „so lange zu vertagen, bis die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Fortsetzung wieder stabil genug sind“, teilten die Unternehmen mit.

Hafen-Fusion „sinnvoll“: Terminals aus Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven zusammenlegen

Die börsennotierte HHLA, die mehrheitlich der Hansestadt Hamburg gehört, hatte seit Frühjahr 2020 mit Eurogate darüber gesprochen, die acht Container-Terminals beider Unternehmen in Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven in einer Gemeinschaftsfirma zu bündeln.

„Ich halte das Projekt weiterhin für sinnvoll“, sagte Tschentscher. Der Hamburger Hafen sei aber auch alleine stark. „Wir haben Vorteile, die kein anderer Hafen in Europa zu bieten hat, wie die sehr gute Hinterlandanbindung mit der Bahn.“ Hinzu komme eine gute Vernetzung mit der Binnenschifffahrt, eine starke regionale Industrie und eine „insgesamt gute Logistik“.

Umweltpolitik: Tschentscher will Containerlogistik leistungsfähiger machen

Darüber hinaus sei die gute Anbindung der deutschen Häfen auch aus umweltpolitischen Gründen dringend geboten. Insgesamt müsse die Schienen-Infrastruktur für die Containerlogistik in Deutschland leistungsfähiger werden, um die Container von den Straßen zu holen, sagte Tschentscher. „Das ist auch für die Umsetzung der Klimaschutzziele dringend erforderlich.“

Zuletzt war der Hamburger Hafen vorrangig als Schauplatz verbitterter Tarifverhandlungen wahrzunehmen: Die Gewerkschaft Verdi streitet seit Monaten mit dem Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) über neue Verträge für die Hafenarbeiter – dabei kochten Emotionen sogar so hoch, dass es bei einer Demonstration zu Reibereien mit der Polizei Hamburg kam.

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