Spende an Hamburger Tafel

Hamburger Hafen: Kreuzfahrtschiff schenkt Obdachlosen 400 Kilo Schokolade

  • Christian Domke Seidel
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Die Kreuzfahrt-Branche leidet unter dem Coronavirus-Sars-CoV-2. Das Essen, das übrig bleibt, dürfen Reeder erstmals an die Hamburger Tafel spenden. 

Hamburg – Die Kreuzfahrtindustrie leidet massiv unter dem Coronavirus-Sars-CoV-2. Weil weniger Passagiere an Bord der Schiffe sind, wird auch weniger Essen verbraucht. Was übrig bleibt, dürfen die Reeder erstmals auch spenden. Bisher war das verboten. Dafür profitiert die Hamburger Tafel. TUI Cruises spendete am Freitag, 25. September 2020, 400 Kilogramm Schokolade in Hamburg.

UnternehmenTUI Cruises
CEOWybcke Meier (1. Okt. 2014-)
HauptstandortHamburg
Gründung2007
DachorganisationenRoyal Caribbean Group (50%), TUI (50%)

TUI Cruises spendet 400 Kilogramm Schokolade an die Hamburger Tafel

Das ist nicht so leicht, wie es klingt. Denn rein rechtlich betrachtet gelten Kreuzfahrtschiffe als Drittländer. Das bedeutet, dass sie offiziell nicht zur Europäischen Union gehören. Sollen Lebensmittel von einem Kreuzfahrtschiff gespendet werden, gibt es deswegen Probleme beim Zoll. „Es war eine echte Herausforderung, einen Weg zur direkten Übernahme von Lebensmittelspenden von Kreuzfahrtschiffen zu finden, was uns aber letztendlich durch die Unterstützung der Behörden gelungen ist“, erklärt Wolfgang Demel, Vorstand der Hamburger Tafel.

TUI Cruises spendet 400 Kilogramm Schokolade an die Hamburger Tafel. Mangels Passagiere durch das Coronavirus-Sars-CoV-2 werden die Lebensmittel nicht benötigt. (24hamburg.de-Montage)

Vor allem die Stadt Hamburg habe sich auf Bundesebene dafür stark gemacht, dass Kreuzfahrtschiffe „nicht tierische Lebensmittel“ mit „kurzer Mindesthaltbarkeit“ spenden dürfen. Bislang hätte diese vernichtet werden müssen, teilte TUI Cruises mit.

Kreuzfahrtschiffe wollen Lebensmittelverschwendung minimieren

So kommen Menschen, die zur Hamburger Tafel gehen, in Zukunft in den Genuss von insgesamt 400 Kilogramm Schokolade. Dazu kommen 1.350 Liter Wasser und Fruchtsaft. Die Lebensmittel kommen vom Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 2“ von TUI Cruises. Die anderen Kreuzfahrschiffe werden in den kommenden Tagen und Wochen ihre Lebensmittel ebenfalls spenden. Wie die „Mein Schiff 1“ in Kiel.

Dass die Lebensmittel gespendet werden, ist auch Teil eines Pilotprojekts, dass die Reederei mit dem Verein United Against Waste seit 2016 betreibt. Es geht darum, die Lebensmittelverschwendung an Bord der Kreuzfahrtschiffe zu minimieren. Seitdem konnten die Lebensmittelabfälle an Bord um immerhin 17 Prozent reduziert werden.

Fehlkalkulation für Sommerferien wegen Coronavirus: Zu viele Lebensmittel auf Kreuzfahrtschiffen

Die Schokolade und die Getränke, die jetzt an die Hamburger Tafel gespendet wurden, seien ursprünglich für die Sommersaison gedacht gewesen, erklärt TUI Cruises. Wegen der Coronavirus-Epidemie standen die Ozeanriesen allerdings monatelang im Hafen. Dadurch ist auch klar, dass es nicht regelmäßig zu derart großen Spenden kommen wird. Bei der Menge handelte es sich schlichtweg um eine Fehlkalkulation, bedingt durch den Coronavirus-Lockdown für die Kreuzfahrt-Industrie.

Rund vier Monate durften Kreuzfahrtschiffe den Hafen nicht verlassen. Erst seit Ende Juli 2020 dürfen die Kreuzfahrtschiffe wieder in See stechen*. Und auch das nur mit deutlich weniger Passagieren und nur für kurze Ausflüge. TUI und AIDA Cruises konzentrieren sich derzeit auf „Blaue Reisen“. Dabei handelt es sich um Ausflüge auf Kreuzfahrtschiffen ohne Landgang. Die Schiffe verlassen den Hafen, drehen eine mehrtägige Runde auf dem Meer und kehren wieder in den Heimathafen zurück.

Coronavirus legt Kreuzfahrtschiffe lahm: Startschwierigkeiten nach Lockdown

Doch auch bei diesen Ausflügen kam es zu diversen Problemen*. TUI Cruises musste eine Kreuzfahrt verschieben, weil Crewmitglieder wegen des Coronavirus-Sars-CoV-2 nicht rechtzeitig eingeflogen werden konnten. Trotz aller Präventions- und Hygienemaßnahmen wurden bei AIDA Cruises* Crewmitglieder positiv getestet. Allerdings bevor das Schiff ablegen konnte. Bei Hurtigruten kam es an Bord zu einem Coronavirus-Ausbruch*.

Die Grünen hatten bereits im Juli 2020 vor einem zu schnellen Neustart der Kreuzfahrtindustrie gewarnt, wie 24hamburg.de/hamburg berichtet. Erst müssten die hohe Umweltbelastung, die schlechte Entlohnung des Personals und die „Steuerflucht in Offshore-Paradiese“ geklärt werden. Aus wirtschaftlicher Sicht war die Hansestadt aber natürlich froh darüber, dass mit den Kreuzfahrtschiffen wieder mehr Leben in den Hamburger Hafen einkehrte. Zu viele Unternehmen kämpfen wegen des Coronavirus-Sars-CoV-2 ums überleben. Darunter auch der legendäre Fischmarkt*. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Franziska Gabbert/dpa & TUI Cruises/dpa

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