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Hamburger Hafen: Nach Streik folgt Demo-Druck vor Verhandlungen

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Von: Steffen Maas

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Rund 400 Mitarbeiter des Hamburger Hafens begleiteten lautstark die dritte Verhandlungsrunde im Tarifstreit in einem Hotel in Barmbek.

Hamburg – Einen Tag nach den Warnstreiks im Hamburger Hafen unterstrichen hunderte Arbeiter ihre Forderung nach Lohnerhöhungen. Am Rande der dritten Verhandlungsrunde zwischen den Gewerkschaftlern von ver.di und dem Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) machten sie bei einer Kundgebung in Hamburg erneut Druck auf die Arbeitgeber.

Name:Hamburger Hafen
Gegründet:07. Mai 1189
Umgeschlagene Container:8,7 Millionen (2021)
Umgeschlagenes Stückgut:1,2 Millionen Tonnen (2021)

In den Verhandlungen fordert ver.di einen „tatsächlichen Inflationsausgleich“ in nicht näher bezifferter Höhe sowie eine Lohnerhöhung von 1,20 Euro pro Stunde für die Angestellten der 58 tarifgebundenen Betriebe in den Häfen in Hamburg, Bremen, Bremerhaven, Emden und Wilhemshaven.

Hamburger Hafen: Streik am Donnerstag nur der Anfang?

Dafür fanden sich am Freitagmorgen begleitend zu den Verhandlungen im Intercity-Hotel in Barmbek etwa 400 Demonstranten in Warnwesten und mit Trillerpfeifen und Sirenen zusammen. Einen Tag nach den Warnstreiks von über 1000 Hamburger Hafenarbeitern opferten die Arbeitnehmer am Freitagmorgen größtenteils ihre Freizeit, um erneut auf sich und ihre Forderungen aufmerksam zu machen.

Kundgebung von Hafenmitarbeitern zur dritten Verhandlungsrunde im Tarifstreit zwischen ver.di und den Seehafenbetrieben
Einen tatsächlichen Inflationsausgleich fordern die Hafenmitarbeiter von ihren Arbeitgebern, den Seehafenbetrieben. © Georg Wendt/dpa

Das geschah nicht nur durch lautes Pfeifen und das Abbrennen von mehreren Benagalos, sondern auch durch klare Worte: Man sei bereit, Deutschland dichtzumachen, verkündete etwa Malte Klingforth vom Betriebsrat des Gesamthafenbetriebs bei der Kundgebung und bezeichnete den Warnstreik vom Donnerstag als bloßen Anfang – zumindest dann, wenn die Arbeitgeber ihr Angebot in den Verhandlungen nicht deutlich nachbessern.

Für die Firmen der Seehafenbetriebe kam der Warnstreik und die verbundenen Verhandlungen zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt: In der Nordsee stauen sich aktuell die Containerschiffe und warten darauf, an den norddeutschen und europäischen Häfen entladen zu werden. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von der Angst vor einem möglichen Lockdown in Häfen in China über volle Lagerkapazitäten bis zu überlasteten Logistikmitarbeitern.

Mitarbeiter am Ende: Überstunden und Nachtarbeit

Protestierende Hafenarbeiter äußerten sich gegenüber dem NDR konkret zu den großen Diskrepanzen zwischen sprudelnder Gewinne der Firmen und der Überlastung der Mitarbeiter. Als „täglichen Wahnsinn“ bezeichnete ein Mitarbeiter die Zustände im Hamburger Hafen und sprach von fehlendem Personal, täglichen Überstunden und regelmäßiger Nachtarbeit.

Ver.di verhandelt für rund 12.000 Beschäftigte in Seehafenbetrieben in ganz Norddeutschland. Sie hätten „als Teil der kritischen Infrastruktur in den letzten Jahren“ erheblich dazu beigetragen, für eine reibungslose Lieferkette zu sorgen, unterstrich Maya Schwiegershausen-Güth, die ver.di-Verhandlungsführerin. Sie betont: „[Die Beschäftigten] haben Anerkennung und ihren gerechten Anteil verdient.“

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