Rüstungsauftrag bei Blohm+Voss

„Allzweckwaffe“ MKS 180 – Sechs Milliarden für das Corona-Kriegsschiff im Hamburger Hafen

  • Enno Eidens
    vonEnno Eidens
    schließen

Das modernste deutsche Kriegsschiff wird bei Blohm+Voss gebaut. Der Bundestag erteilt einen Sechs-Milliarden-Euro-Wehrauftrag an den Hamburger Hafen – indirekt. Zuvor gab es Streit, weil eine Werft aus den Niederlanden die Projektleitung für das MKS 180 übernimmt.

  • Der größte deutsche Marineauftrag für Kriegsschiffe geht an Niederländer.
  • Gebaut wird das Corona-Kriegsschiff MKS 180 bei Blohm+Voss in Hamburg.
  • Die Vergabepraxis um das moderne Kriegsschiff wird kritisiert.

Hamburg/BerlinSechs Milliarden Euro stehen für das größte Rüstungsprojekt der deutschen Marine bereit. Vier super-moderne Mehrzweckkampfschiff (MKS) 180 sollen gebaut werden. Die Vergabe des Auftrags an eine niederländische Werft steht seit Januar in der Kritik. Mitten in der Coronavirus-Krise gibt es nun eine Einigung. Die Corona-Kriegsschiffe sollen bei Blohm+Voss in Hamburg gebaut werden. Dabei werden viele Rekorde aufgestellt, das neue Kriegsschiff soll vielfältige Rollen auf der ganzen Welt übernehmen können. Zudem ist das MKS 180 schwer bewaffnet.

SchiffswerftBlohm+Voss
CEORalph Petersen (1. Jan 2018-)
Gründung5. April 1877
DachorganisationLürssen
ZentraleHamburg
Mitarbeiterzahlrund 600 (2019)
GründerHermann Blohm, Ernst Voss

Das neue Corona-Kriegsschiff MKS 180 wird im Hamburger Hafen bei Blohm+Voss gebaut

Mitte Januar gab es den Zuschlag für die Niederländer. Die Damen-Werft soll das neue Mehrzweckkampfschiff (MKS) 180 für die deutsche Marine bauen. Das Volumen des Auftrags wurde laut NDR-Berichten mit 5,3 Milliarden Euro angegeben. Auch deutsche Unternehmen hatten sich an der Ausschreibung beteiligt, den Zuschlag bekamen jedoch die Niederländer. Die hatten schon im Januar angekündigt, einen Großteil der Arbeit am Corona-Kriegsschiff im Hamburger Hafen, in der Werft von Blohm+Voss erledigen zu lassen.

Eine erste Computeranimation vom modernen Kriegsschiff MKS 180.

An der Vergabe in die Niederlande gab es Kritik, die vor allem in Schleswig-Holstein laut wurde. Doch im Mai zog die Kieler Werft German Naval Yards (GNYK) seinen Nachprüfungsantrag zurück*, das berichtete der Münchener Merkur. Damit war der Weg frei für den Haushaltsausschuss des Bundestags. Der hat nun am Mittwoch, 17. Juni satte sechs Milliarden Euro für das MKS 180 der Marine freigegeben. Damit ist der größte Kriegsschiff-Wehrauftrag der deutschen Marine beschlossene Sache.

Hamburgs Corona-Kriegsschiff: Kieler Politiker protestieren gegen Vergabe des MKS 180 an niederländische Werft

Die Kieler GNYK hatte sich jahrelang ebenfalls um den Auftrag beworben, zog gegenüber der niederländischen Damen Shipyards Group im Januar aber schließlich den kürzeren. Nach Berichten des NDR haben die Kieler Schiffbauer laut eigenen Angaben „alles in unserer Macht Stehende getan“, um den Auftrag doch noch zu bekommen. Die GNYK ging mit einem Nachprüfungsantrag bei der Vergabekammer des Bundes gegen die Entscheidung vor und zog diesen erst im Mai zurück. Damit war der Weg für die Niederländer frei.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hatte laut NDR-Berichten gehofft, dass der Bund auf „das vorhandene Know-how in Deutschland setzt“ – zudem sei diese Entscheidung aus sicherheits- und industriepolitischer Sicht nur schwer nachzuvollziehen. Sein Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) kritisierte die Entscheidung in einem YouTube-Video. Darin sagte er, dass Schiffsbauaufträge in Europa üblicherweise ins eigene Land vergeben werden und Deutschland sich so im Wettbewerb behindern würde.

Wir sorgen dafür, dass die anderen in Europa sich herzlich über uns totlachen.

Bernd Buchholz, Wirtschaftsminister Schleswig-Holstein

Hamburger Hafen: Deutschland verliert das Technologie-Wettrennen um Corona-Kriegsschiff MKS 180

Nun werden trotzdem die Stadt Hamburg, lokale Arbeitnehmer und Blohm+Voss an dem Projekt verdienen. Doch obwohl rund 80 Prozent der Wertschöpfung in Hamburg umgesetzt werden sollen, ginge die Vergabe in die Niederlande zulasten der deutschen technologischen Entwicklung, kommentiert Christoph Prössl von NDR Info. Die Planung und Entwicklung würden weiterhin in den Niederlanden ablaufen, dort also der technologische Fortschritt stattfinden. In Deutschland würde hingegen nur zusammengebaut.

Das sorge für einen Nachteil im internationalen Wettbewerb. Auch er spricht über das in Europa übliche Vorgehen, Militäraufträge an nationale Werften und Firmen zu vergeben. Einen fairen Wettbewerb im europäischen Raum gebe es nicht. Das zeigt auch das Beispiel des neuen Kampfflugzeugs, das in deutsch-französischer Kooperation gebaut werden soll.

In Deutschland wird geschweißt, die maßgebliche Ingenieursleistung erbringt die niederländische Werft Damen.

Christoph Prössl, NDR Info

Stichwort: Schlüsseltechnologie. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD ist geplant, den Schiffbau als eine solche einzuordnen. Dann könnte die Bundesregierung Aufträge direkt und ohne Ausschreibungen an deutsche Werften vergeben. Allerdings fiel dieser Beschluss erst nach der Ausschreibung der vier MKS 180. Die Hamburger Wirtschaft wird vom Corona-Kriegsschiff profitieren, aber Deutschland hat sich im europäischen Wettbewerb möglicherweise geschadet.

MKS 180: „Allzweckwaffe“ für Einsätze auf der ganzen Welt: Corona-Kriegsschiff für Hamburger Hafen

Die deutsche Marine spricht in höchsten Tönen von ihrer zukünftigen Errungenschaft: „Das MKS 180 wird eine Allzweckwaffe sein.“ Die Abkürzung MKS steht dabei für Mehrzweckkampfschiff. Mit unterschiedlichen Modulen soll Hamburgs Corona-Kriegsschiff für seine Missionen angepasst werden können. Aktuell sind zwei Module vorgesehen. Eins für den Kampf gegen U-Boote und eins mit Zellen und Sanitätsstationen für Piraten, die in Gewahrsam genommen wurden.

Geplant sind zudem eine Taucherkammer und ein Modul mit Ausrüstung gegen Seeminen. An drei Bereichen des modernen Kriegsschiffs können diese „Bausteine“ mit einem externen Kran ausgetauscht werden. Ein vorgang, der weltweit funktionieren soll. Das MKS 180 ist laut Marine in den Tropen, wie auch in Eismeer einsatzbereit.

Modernes Riesenschiff MKS 180 mit schweren Waffen – Hamburgs Corona-Kriegsschiff stellt Rekorde auf

Das MKS 180 bricht viele Rekorde. Hamburgs Corona-Kriegsschiff wird nochmal größer als der bisherige Stolz der deutschen Marine. Die Fregatten vom Typ 125 (Baden-Württemberg-Klasse) sind knapp 150 Meter lang und wiegen 7.200 Tonnen. Das MKS 180 wird wegen seiner Modularität größer. Rund 155 Meter lang und 9.000 Tonnen schwer soll das moderne Kriegsschiff werden. An Bord finden 110 Personen Stammbesatzung sowie 70 weitere Menschen Platz. Viele Systeme an Bord sind automatisiert.

Wie die Fregatte 125 soll auch das MKS 180 zwei Jahre am Stück im Einsatz bleiben können. Zu den Aufgaben von Hamburgs Corona-Kriegsschiff gehört neben Kampfeinsätzen auch die Seeraumüberwachung und Kontrolle von Embargos, die Evakuierung in Krisensituationen sowie der Begleitschutz für Handelsschiffe. So flexibel seien andere einzelne Schiffstypen der Marine laut eigenen Angaben nicht. Mit sechs Milliarden Euro für vier Kriegsschiffe ist das MKS 180 doppelt so teuer wie die hochmoderne Fregatte 125. Jedes Schiff soll 30 Jahre seinen Dienst tun.

MKS 180: Schwer bewaffnet gegen jede Bedrohung – Hamburgs-Corona Kriegsschiff in Krisenzeiten

Die Mitarbeiter von Blohm+Voss werden in Hamburg in der Coronavirus-Krise ein moderndes und schwerbewaffnetes Kriegsschiff bauen. Das MKS 180 verfügt über moderne Bewaffnung, mit dem es Ziele in der Luft, über und unter dem Wasser bekämpfen kann. Mit dem großen Bordgeschütz (Kaliber 127 Millimeter) lassen sich auch Ziele auf dem Land angreifen. Dessen Reichweite beträgt rund 100 Kilometer.

Ein Blick auf die neue Fregatte Baden-Württemberg am Marinestützpunkt Wilhelmshaven. Die Fregatte ist das erste von vier neuen Schiffen der Klasse F125.

Mit Raketen schießt Hamburgs Corona-Kriegsschiff auf Flugzeuge, Helikopter und andere Schiffe, mit schweren Maschinengewehren kann es leichte Ziele angreifen. Zudem verfügt es über Einsatzboote, die mit hoher Geschwindigkeit und Wendigkeit agieren. Aufklärungsdrohnen werden zur Beobachtung eingesetzt, ein Jagd-Hubschrauber bekämpft U-Boote. Zum Selbstschutz können anfliegende Bedrohungen abgeschossen oder mit Täuschkörpern abgelenkt werden.

Das Mehrzweckkampfschiff 180 ist ein schwerbewaffnetes modernes Kriegsschiff. Wofür die Marine das braucht, ist nicht klar. Die vielen leichten Waffen an Bord sind effektiv gegen kleine Boote, Piraten und Drohnen. Viele andere Systeme des MKS 180 sind allerdings für den Kampf gegen schwere Bedrohungen ausgelegt. Deutschlands Marine rüstet auf.

Der milliardenschwere Auftrag kommt Hamburg in der Coronavirus-Krise gelegen und könnte die Konjunktur an der Elbe antreiben. Hamburgs erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hat teure Wahlkampfversprechen gemacht, die er mit seinem neuen Hamburger Senat* nun einlösen muss. // Quelle: 24hamburg.de/Hamburg

* merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Marcus Brandt/Julian Stratenschulte/Damen Schelde Naval Shipbuilding/dpa/picture alliance

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare