Wohin mit dem Schlamm?

Helgoland erstickt am Schlick: Hamburger Hafen muss sich um Elbdreck kümmern

  • Christian Domke Seidel
    vonChristian Domke Seidel
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Seit Jahren landet der Schlick, den die Stadt Hamburg aus dem Hafen baggert, vor der Insel Helgoland. Dort ist die maximal Menge bald erreicht. Wohin dann mit dem Dreck?

  • Hohe Kosten für Elbvertiefung im Hamburger Hafen*.
  • Kein Platz mehr für die Unmengen an Schlick.
  • Stadt Hamburg* will Schlick am Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer verklappen.

Hamburg – Die Stadt Hamburg muss seit Jahren tonnenweise Schlick aus der Elbe* holen. Nur so kann eine Mindesttiefe gehalten werden. Der Schlamm wird vor Helgoland ausgekippt. Dort ist die vereinbarte Höchstmenge aber bald erreicht. Was die Hansestadt dann mit dem Schlamm macht, ist aber völlig offen.

Offener TidehafenHamburger Hafen
Gründung1. Mai 1189, Hamburg
EigentümerHamburger Port Authority AöR
HafentypTidehafen
Piers/KaisBurchardkai, Tollerort, Altenwerder, Eurogate (alle für Container) u.a.
BetreiberHamburg Port Authority AöR, Hamburger Hafen und Logistik

Elbvertiefung: Helgoland ist voll – jetzt soll Schlick vor Insel Scharhörn ins Meer gekippt werden

Weil immer weniger Wasser vom Oberlauf der Elbe kommt, muss die Stadt Hamburg immer mehr Schlick aus dem Hafen baggern. Denn der Schlamm wird nicht mehr auf natürliche Weise in die Nordsee gespült. Nur mit den Bagger-Maßnahmen könne die benötigte Fahrwassertiefe noch gehalten werden, berichtet der NDR.

Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) muss dringend das Schlick- und Kostenproblem der Elbvertiefung in den Griff bekommen. (24hamburg.de-Montage)

Dafür müsste rund um die Uhr gebaggert werden. Sonst könnten Schiffe wie die HMM Algeciras* das Gewässer nicht mehr befahren. Doch die Arbeiten kosten Geld. Rund 100 Millionen Euro pro Jahr müsse die Stadt Hamburg dafür aufbringen. Die Umweltschutzorganisation Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert auch deswegen einen sofortigen Stopp der aktuellen Elbvertiefung.

Stadt Hamburg hat Probleme mit Schlick: Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer als Mülldeponie

Bislang konnte die Hamburger Hafenbehörde (HPA) den abgegrabenen Schlick vor Helgoland ins Meer kippen. Also „verklappen“. Das Land Schleswig-Holstein hatte eine entsprechende Erlaubnis gegeben. Doch die endet bald. Denn die erlaubte Höchstmenge, die vor die Nordsee-Insel gekippt werden darf, sei bald erreicht erklärt Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) gegenüber dem NDR*.

Doch wohin dann mit dem Schlick? Dass die Landesregierung von Schleswig-Holstein die Erlaubnis für eine Entsorgung vor Helgoland verlängert, ist nicht sicher. Deswegen muss die Stadt Hamburg eine Lösung finden, bei der sie unabhängig von anderes Landesregierungen ist. Eine Lösung könnte daher die Insel Scharhörn sein. Nicht die Insel selbst, aber die Elbmündung direkt davor. Dort könnte die Hansestadt den Elbschlick hinkippen.

Schleswig-Holstein und Niedersachsen müssen bei Schlick-Entsorgung zustimmen

Auch bei dieser Lösung müsste eine Erlaubnis der Landesregierungen aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein eingeholt werden. Die Genehmigung dürfte allerdings auch ohne hitzige Verhandlungen zu bekommen sein. Erstgespräche seien bereits geführt worden, so Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) im NDR weiter. Doch seien noch Fragen offen. Zum Beispiel die, wieviel Platz bei Scharhörn überhaupt sei.

Umweltschützer sind ob dieser Pläne längst alarmiert. Denn die Insel Scharhörn grenzt an den Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer. Neben dem BUND fordern auch der WWF und der Naturschutzbund Deutschland (NABU) einen Stopp der Elbvertiefung. Die Naturschutzorganisationen haben sich zu dem Bündnis „Lebendige Tideelbe“ zusammengeschlossen. Ihnen stoße sauer auf, dass die Stadt Hamburg bei einem gemeinsamen Treffen die Pläne für eine neue Schlickdeponie verschwiegen habe, berichtet das NDR.

Ist Elbvertiefung schuld am Fischsterben in der Elbe?

Schon im Sommer 2020 gab es Streit zwischen den Naturschutzorganisationen und der Stadt Hamburg, weil ein mysteriöses Fischsterben tausende tote Tiere an die Ufer der Elbe gespült hatte*. Damals erstattete Das Naturschutz-Bündnis Anzeige gegen Unbekannt. Experten erklärten, dass das Fischsterben auf „Nahrungsmangel durch Veränderungen des Nordseeplanktons nach dem sehr warmen Winter“ zurückzuführen sei. Der durch die Elbvertiefung aufgewirbelte Schlick sei ebenfalls Mitschuld am Fischsterben, berichtet 24hamburg.de/hamburg.

Wie wichtig der Hamburger Hafen als Wirtschaftsstandort ist, zeigt eines der aktuellen Bauprojekte. So ergatterte Blohm+Voss einen Sechs-Milliarden-Euro-Wehrauftrag*. Auch die Wiederaufnahme von Kreuzfahrten* sorgte in der Hansestadt für viel Freude. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Axel Heimken/dpa & Daniel Reinhardt/dpa

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