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Hamburger Behörde will gegen Datensammelwut bei Immobilienportalen vorgehen

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Von: Kevin Goonewardena

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Bei der Wohnungssuche werden immer früher, immer mehr Daten abgefragt. Eine Hamburger Behörde will nun gegen Datensammelwut in der Immobilienbranche vorgehen.

Hamburg – Die Hamburger Datenschutzbehörde will gegen die rechtswidrige Sammelwut von sensiblen Daten auf dem Immobilienmarkt vorgehen. Konkret geht es um Daten wie etwa Nationalität, Beruf, Gehalt, die Schufa-Auskunft und andere sensible Informationen, die oft bereits früh im Bewerbungsprozess durch Makler abgefragt werden. Das heißt: Auch von den Leuten, die weder die Zusage für das angebotene Objekt bekommen, noch kurz davor stehen.

Dabei schreibt die Datenschutzverordnung den rechtlichen Rahmen vor und bei diesem gehe es vor allem um eins: Datenvermeidung. Die Behörde von Thomas Fuchs, Landesbeauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit, will jetzt gegen das rechtswidrige Sammeln von Daten vorgehen. Das berichtet die taz.

Name:Der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit
Kategorie:Oberste Landesbehörde
Leiter:Thomas Fuchs
Etat:3,169 Millionen Euro

„Wahnsinniger Missstand“ beim Datenschutz – Behörde will Kontakt zu Immobilienbranche aufnehmen

In Kooperation mit Immobilienportalen bietet die Schufa gar ein Abo an: Gegen einen Geldbetrag können Kundinnen und Kunden monatlich ihre Kreditwürdigkeit einsehen, so immer auf dem neuesten Stand bleiben. Thomas Fuchs sagte dazu der Zeitung „Wenn es einen Markt gibt, damit Menschen praktisch ständig ihre aktuelle Schufa-Auskunft in der Jackentasche tragen, dann können wir von einem wahnsinnigen Missstand ausgehen.“ Erst Anfang des Jahres wurde bekannt, dass die Schufa nun auch Kontoauszüge von Bürgerinnen und Bürger zur Errechnung des Schufa-Scores durchleuchten will.

Schufa Bonitaetsauskunft Hamburg Datenschutz Behoerde
Wird unter anderem bei der Wohnungssuche oft schon in einem frühen Stadium abgefragt: die Schufa-Bonitätsauskunft. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte will nun gegen rechtswidriges Sammeln von Daten durch Immobilienportale und Makler vorgehen. (24hamburg.de-Montage) © Jens Kalaene/dpa

Um diesen zu beheben, wollen sich Fuchs und seine Behörde in den kommenden Monaten mit Maklerfirmen und Immobilienverwaltungen kurz schließen und in Erfahrung bringen, welche Daten Bewerber in der Hansestadt genau von sich preisgeben müssen. Bei Verstößen gegen bestehende Regelungen soll zuerst einmal eine Mahnung folgen, schreibt die taz. Doch bei Wiederholung kann es durchaus teuer werden: Seit 2018 können laut EU-Recht bei schwerwiegenden Verstößen gegen den Datenschutz bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes als Strafe fällig werden.

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Immobilienportale und Makler sehen Interessenten und Vermieter in der Mitschuld

Das Einholen von Datenmassen wird auch im Immobilienverband „IVD Nord“ kritisch gesehen, sagt Peter-Georg Wagner in der taz. 500 Maklerfirmen sind alleine in Hamburg dem Verband angeschlossen. Auch die Immobilienportale im Netz hätten dafür gesorgt, dass die Angabe von immer mehr sensiblen Daten bei der Bewerbung um eine Wohnung als Selbstverständlichkeit hingenommen werde.

Wagner bestätigt aber auch, dass gerade private Vermieter für eine Nachfrage nach eben diesen Daten sorgen. Ein Makler, der in der Tageszeitung zu Wort kommt, gibt auch den Vermietern eine Mitschuld. Alles sei schnelllebiger geworden, die Vermieter würden Druck machen. Er selbst könne nicht darauf warten, bis ein Interessent, der vor Vertragsunterschrift steht, seine Schufa eingeholt habe – die gegebenenfalls sogar negativ sei. „Dann werde ich nicht mehr gebucht.“

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Hamburgs Datenschutzbeauftragter: „Menschen werden wohl weiter alles tun“

Dass die potenziellen Mieterinnen und Mieter eine gewisse Mitschuld an der Misere tragen, weiß auch Thomas Fuchs: In vorauseilendem Gehorsam würden diese oft schon ihre persönlichen Daten in Form von unter anderem der Schufa-Auskunft aushändigen, ohne darum gebeten worden zu sein.

„Definitiv“ sei damit zu rechnen, dass viele im vorauseilenden Gehorsam ihre Schufa-Auskunft auch ungefragt auf den Tisch legen: „Die Menschen werden wohl weiter alles tun, womit sie sich bessere Chancen ausrechnen“, so der Datenschutzbeauftragte gegenüber der taz. Ob sich daran etwas ändert, wenn sich Bürgerinnen und Bürger über die Regeln, die in Bezug auf die Schufa gelten, bewusst sind, darf bezweifelt werden.

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