Hamburger Traditionsfirmen vor dem Aus

Hamburger Barkassen gehen unter: Coronavirus trifft Touristen-Schiffe hart

  • Vivienne Goizet
    vonVivienne Goizet
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Vor der Pandemie waren Hamburgs Barkassen ein Touristen-Magnet. Doch die Fahrten sind derzeit verboten. Die Branche plagen große Sorgen.

Hamburg (dpa/lno) ‒ Die Coronavirus-Pandemie hat die Hamburger Barkassen-Betreiber hart getroffen. „Die Corona-Krise mit dem jetzt schon zweiten Verbot von Gästefahrten hat der gesamten Branche große Einbußen beschert“, sagte Knut Heykena, Geschäftsführer des Hafenschifffahrtsverbands Hamburg, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Nicht nur, dass wichtige Umsatzbringer wie Ostern oder der Hafengeburtstag ausgefallen sind, auch nach der schrittweisen Lockerung der Vorschriften im Sommer war die Nachfrage gering“.

Schiffsklasse: Barkasse
Typ Binnenschiff (klein, motorisiert):Hamburger Hafenbarkasse
Nutzen:Hilfsaufgaben im Hafen, Touristischen Binnenschifffahrt
Bauform:offenes Motorschiff mit kleinem Deckhaus
Länge:zwischen 10 Meter und 20 Meter
Motorleistung:bis zu 200 PS

„Die Sommersaison war schlecht“, sagte Jan Ehlers von der Barkassen-Centrale Ehlers. „Es konnte kaum Geld angespart werden für den Winter 2020/2021, der nun vor der Tür steht“. Besonders hart treffe es die Barkassen-Betriebe, die ihr Geld mit Chartertouren wie Geburtstags- oder Partyfahrten verdienen.

Umsatzrückgang wegen Coronavirus-Pandemie in Hamburg für Touristenschiffe auf Elbe und Alster

„Corona hat für einen enormen Umsatzrückgang in 2020 gesorgt», sagt auch Hubert Neubacher, Inhaber von Barkassen-Meyer, dessen Flotte normalerweise im Hamburger Hafen und auf der Elbe unterwegs ist. „Auch wenn im Sommer wieder etwas mehr Bewegung bei uns im Hafen und in Hamburg stattfand, rechnen wir insgesamt mit einem Umsatzverlust von bis zu 70 Prozent auf das Jahr gerechnet“.

Neubacher betonte außerdem, dass die Schifffahrts-Unternehmen durch die derzeitige Situation auf die vom Bund beschlossenen Überbrückungshilfen und Kurzarbeit angewiesen seien. Man werde sich aufgrund der Schließung im November auch um die neue Unterstützung der 75 Prozent des Vorjahres-November bemühen.

Die Hamburger Barkassen-Betreiber sind von den Coronavirus-Maßnahmen gebeutelt. Die Schiffe liegen still. (24hamburg.de-Montage)

Auch die Hamburger Gastronomie ist stark von den Einschränkungen durch die Coronavirus-Pandemie betroffen. Hier ist vor allem TV-Koch Tim Mälzer das Aushängeschild für den blanken Überlebenskampf der Hamburger Gastronomiebetriebe.

Kündigungen in der Hafenschifffahrt wegen Coronavirus in Hamburg

Barkassen-Unternehmer Gregor Mogi spricht von einer «ganz brutalen Situation». Er habe keinen anderen Weg gefunden, als zwei Mitarbeiter zu entlassen. Zwar waren viele Betreiber um gute Hygienekonzepte bemüht, doch geholfen habe es scheinbar nicht. Daher sei die Enttäuschung nun um so größer. „Wir haben uns an viel mehr gehalten als überhaupt vorgeschrieben war“ , so Mogi. Er könne nicht nachvollziehen, dass keine Fahrten mehr erlaubt sind.

Der Betreiber der Hop-on-Hop-off Barkassenfahrten sei sogar der Ansicht, eine Hafenrundfahrt ist systemrelevant. Wenn man nur einen Teil der Plätze an Bord besetze, wäre es eine gute Gelegenheit, im Winter an die frische Luft zu kommen. Schließlich sei es wichtig, dass die Leute mal raus könnten.

Nach Angaben des Hafenschiffahrtsverbands ist die Zahl der Barkassen-Unternehmen in Hamburg schwer zu beziffern. Geschäftsführer Heykena geht von rund 90 Fahrzeugen aus, die unter anderem an den Landungsbrücken nahe des alten Elbtunnels in Hamburg liegen. Er kritisiert: „Aus dem Kreise unserer Mitglieder wurden wir informiert, dass die Hilfsprogramme und Überbrückungshilfen bei Saisonbetrieben nicht in der vorgesehenen Höhe ankommen“.

Das liege wohl daran, dass mehrere Kostenpositionen könnten bei der Bedürftigkeitsprüfung nicht berücksichtigt werden. „Hier muss dringend nachgesteuert werden“, forderte Heykena. Die Politik müsse seiner Meinung nach nun dafür sorgen, dass die überwiegend inhaber- und familiengeführten Traditionsbetriebe auch im nächsten Jahr den Hamburgern und ihren Gästen die Hansestadt von der ihrer schönsten Seite zeigen könnten. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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