Hamburger Zoll im Fokus

Zoll Hamburg im Einsatz gegen gefälschte Coronavirus-Masken, Schwarzarbeit und Drogen

  • Johannes Rosenburg
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Zoll Hamburg – egal, ob Einfuhr, Ausfuhr oder aufwendige Großlieferungen, hier kommt niemand so leicht vorbei. Die Beamten haben Fälscher, Geldwäscher, Drogendealer, Menschenhändler und Schwarzarbeiter im Visier.

  • Der Hamburger Zoll wird von der Bundeszollverwaltung organisiert.
  • Der Zoll ist einer der wichtigsten Arbeitgeber der Stadt Hamburg.
  • Die Ermittlungsbereiche teilen sich in Finanzen, Arbeit und Rauschgift.

Hamburg – Die Hamburger Zollbehörde sorgt dafür, dass Import, Export und Beschäftigungsverhältnisse der Gesetzeslage entsprechend ablaufen. Dabei sind die Ermittlungseinheiten auf die jeweiligen Teilbereiche eingeteilt. Zu den wichtigsten Kontrollbereichen zählen Arbeit, Finanzen und Rauschgift. Die Mitarbeiter sollen somit vor allem Schwarzarbeit sowie Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Schmuggel und Rauschgifthandel verhindern, ausfindig machen und notfalls Beweismittel sicherstellen.

Somit ist der Hamburger Zoll dafür zuständig, öffentlich-rechtliche Geld- und Sicherheitsforderungen durchzusetzen und einzufordern. Dabei kommen teils auch moderne Röntgenanlagen wie am Zollübergang in Waltershof zum Einsatz. 2019 gab es die größte Rauschgift-Einzelsicherstellung der deutschen Zollgeschichte in Hamburg. Wer beim Zoll Hamburg Karriere machen möchte, kann zwischen verschiedenen Optionen wählen.

BehördeZoll Hamburg
Gründungfrühes 14. Jahrhundert
Anzahl Mitarbeiterüber 2.000
ZugehörigkeitBundesfinanzverwaltung
Größter Fund4,5 Tonnen Kokain im Jahr 2019

Zoll Hamburg – Organisation und Gefüge

Den Hamburger Zoll steuert die Bundeszollverwaltung, welche wiederum von der Generalzolldirektion überwacht wird. Die Behördenleitung obliegt der aktuell amtierenden Präsidentin Colette Hercher, die 1960 geboren ist. Auch die Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen ist in enger Zusammenarbeit mit dem Hamburger Zoll verknüpft. Insgesamt gibt es vier verschiedene Dienstzellen mit jeweiliger Einsatzabteilung in der Hansestadt:

  • Zollfahndungsamt und Hauptzollamt im Hafen
  • Hauptzollamt Hamburg-Jonas
  • Hauptzollamt Hamburg-Stadt
  • Hauptzollamt Hamburger Flughafen


Über 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind aktuell beim Zoll-HH beschäftigt. Einfahrende LKWs werden am Zollübergang in Waltershof kontrolliert, Schiffe und Container am Hamburger Hafen. Beamte im mittleren und höheren Dienst stehen dabei für verschiedene Aufgaben rund um die Uhr bereit und verdienen dabei je nach Tarifgruppe ein Gehalt von durchschnittlich knapp 50.000 EUR jährlich.

Zoll Hamburg – Geschichte und Gründung

Hamburg war wegen seiner Hafenlage stets ein beliebtes Ein- und Ausfuhrziel für internationale Transporte. Entsprechend reicht die Geschichte des Hamburger Zoll schon bis in das frühe 14. Jahrhundert zurück. Damals hatten sich Landesherren zusammengeschlossen und den Landzoll sowie den Elb-Ein- und Ausfuhrzoll gegründet. So sollte sichergestellt werden, dass die Landesherren nicht um ihre Einnahmen gebracht werden. Im 16. Jahrhundert wurde der Hamburger Zoll nach und nach verstaatlicht und war Mitte des 17. Jahrhunderts schließlich gänzlich in Verantwortung der Stadt.

Die daraus hervorgehenden Einnahmen wurden für infrastrukturelle Investitionen aufgewandt. Kurz darauf wurde mit dem Neuwerk das erste offizielle Dienstgebäude erbaut und schließlich mit Einführung der Hamburgerischen Admiralität auch ein Admiralitätszoll und Konvoigeld abgeführt. Jegliche internationalen Ein- und Ausfuhren mussten damals bei einem Abgabensatz von 0,5 - 1 Prozent gemeldet werden. Für Ein- und Ausfuhren auf dem Schiffsweg erhob die Hamburger Zolljacht den Höchstsatz von 1,5 Prozent, was der Stadt einen erheblichen wirtschaftlichen Aufschwung brachte.

Die Hamburger Zollbeamten sind rund um die Uhr im Einsatz.

Zoll Hamburg – Aufgaben und Einsatzgebiet

Zollbeamte sind formell-rechtlich Finanzbeamte und gehören der Bundesfinanzverwaltung an. Allerdings haben sie als Vollzugsbereich zudem noch den Status von Polizeivollzugsbeamten und können entsprechend nicht nur im Auftrag der Staatsanwaltschaft ermitteln, sondern auch etwaige Beweismittel sicherstellen sowie Verdächtige notfalls festnehmen. Aktuell wird diskutiert, den Zoll gänzlich in eine Warenpolizei umzustrukturieren. Diese Forderung wurde vonseiten der EU-Kommission am 28.07.2003 beschlossen, ist aber noch in Bearbeitung.

Die Aufgaben des Hamburger Zollamts sind in folgende Sachgebiete eingeteilt:

  • Sachgebiet A (Organisation und Personal)
  • Sachgebiet B (Verbrauchsteuern und Abfertigung)
  • Sachgebiet C (Kontrolleinheiten)
  • Sachgebiet D (Prüfungsdienste)
  • Sachgebiet E (Finanzkontrolle Schwarzarbeit)
  • Sachgebiet F (Bußgeld- und Strafsachen)
  • Sachgebiet G (Vollstreckung)

Die Sachgebiete A und D gehören zu den eher administrativen Abschnitten, während die übrigen Sachgebiete sich auf die Ermittlung, Vollstreckung und Sicherstellung fokussieren. Der Zoll-HH darf dabei nicht nur geschäftliche Transporte überprüfen und überwachen, sondern auch Privatfahrzeuge anhalten und kontrollieren. So soll Geldwäsche, Drogen- und Menschenhandel Einhalt geboten werden. Bei Verdacht auf Schwarzarbeit und Geldwäsche haben Zollbeamte außerdem die Pflicht, Unternehmen und sogar Privaträume zu durchsuchen. Dazu gehört zudem die Kontosperre für verdächtigte Unternehmer und Privatpersonen. So gehen verschiedene Geldwäscheverdachtsmeldungen ein, die vom Sachgebiet D bearbeitet werden und schließlich die Exekutivmitarbeiter zu näheren Kontrollen im Auftrag der Staatsanwaltschaft ermächtigen.

Auch die Einreise von nicht legitimierten Fahrzeugen bzw. die Erhebung der Kfz-Steuer gehören zu den Aufgaben. Da auch der Warenverkehr am Flughafen und am Schiffshafen überwacht wird, landen zahlreiche Pakete, Gepäckstücke und Warenlieferungen beim Zoll-HH. Herrenlosen Sendungen und Gepäckstücke werden regelmäßig in einer Versteigerung veräußert, wobei der Erlös der Auktion in die Staatskasse fließt. Wer sein aus dem Ausland verschicktes Paket abholen möchte, muss in der Regel eine entsprechende Zollgebühr hinterlegen, die vom Land sowie Warenwert abhängt.

Zoll Hamburg und Karriere

Der Zoll-HH gehört zu den wichtigsten Arbeitgebern der Stadt. Über 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind damit beschäftigt, Verdachtsfällen nachzugehen, Spontankontrollen durchzuführen und Fahrzeuge sowie verdächtige Wohn- und Geschäftsräume zu durchsuchen. Wer als Beamter Karriere machen möchte und einen abwechslungsreichen Alltag schätzt, ist beim Zoll-HH genau richtig. Besonders die anrollende Pensionswelle lässt viele neue Jobs freiwerden. Ob Ausbildung für 2020, duales Studium oder Umschulung, die Stellenangebote sind breit aufgestellt. Offene Stellen werden regelmäßig auf der Website des Hamburger Zolls veröffentlicht. Per Telefon unter der Telefonnummer +49 22899 358-0 können Interessenten die Personalabteilung direkt kontaktieren und Auskunft sowie Informationen zum Bewerben und jährlichen Tag der offenen Tür erhalten. Auch eine Bewerbung für ein Schülerpraktikum oder normales Praktikum in Hamburg beim Zoll-HH ist eine spannende Möglichkeit, um einen hautnahen Einblick in den Alltag eines Zollbeamten zu erhalten.

Zoll Hamburg in Zeiten des Coronavirus-Sars-CoV-2

Das Coronavirus-Sars-CoV-2 stellt das gesamte Land vor eine unerwartete Herausforderung. Ausgangssperren, Lockdowns und massive wirtschaftliche Einbußen sorgen auch beim Hamburger Zoll für einen großen Umschwung. Auf dem Twitter- und Facebook-Profil des Hamburger Senats werden regelmäßig die wichtigsten News zu den aktuellen Vorschriften veröffentlicht.

Doch nicht nur die Kontrolle von einfahrenden und ausfahrenden Fahrzeugen, der Umgang mit Pendlern sowie die üblichen Überwachungsaufgaben gestalten sich komplizierter. Auch die Beschaffungskriminalität in Bezug auf Schutzkleidung und Atemschutzmasken erreichte ein beispielloses Hoch. Von illegal eingeführten Warensendungen bis hin zu mangelhafter und gar gefälschter Ware und Medikamentenbetrug war fast alles dabei. So mussten die Beamten im Eiltempo in Qualitätssicherung für die Schutzmasken-Kontrolle geschult werden, Reisende kontrollieren und dabei flexibel auf die sich rasch ändernden Maßnahmenbeschlüsse der Verwaltungsbehörden reagieren.

Zoll Hamburg als Schutz vor Schmuggel

Waffenfund, Schwarzarbeit und Geldwäsche – die Beamten des Hamburger Zolls erleben in ihrem Arbeitsalltag so einiges. 2019 wurde ein Rekordfund an Drogen sichergestellt. Mit einem Warenwert von knapp einer halben Milliarde Euro ist dies der bedeutsamste Fall der deutschen Geschichte. 17 Sporttaschen mit insgesamt 440 kg Kokain konnten sichergestellt werden, wobei gegen die Verdächtigen nach wie vor ermittelt wird. Die Sporttaschen waren zusammen mit Reissäcken auf einem Container eingefahren. Insgesamt zieht der Zoll pro Jahr knapp 3,8 Tonnen Kokain, Marihuana und illegale Waffen im Wert von mehreren Millionen Euro aus dem Verkehr.

Quelle: 24hamburg.de

Rubriklistenbild: © Christian Charisius/dpa/picture alliance

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