Sturmflut in Norddeutschland

Sturmflut in Norddeutschland: Wenn Hamburg, Sankt Peter Ording, Sylt und Nordsee-Inseln unter Wasser stehen

  • Johannes Rosenburg
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Die Sturmflut in Norddeutschland ist ein wiederkehrendes Phänomen. Die Gefahren werden von Einheimischen gefürchtet, Vorhersage und Frühwarnung sind elementar.

  • So entsteht eine Sturmflut.
  • Historische Sturmfluten in Norddeutschland und Hamburg.
  • Die Sturmflut 1962 in Hamburg und heute.

Hamburg – Die Sturmflut ist nicht nur in Hamburg, sondern in der gesamten Nordseeküstenregion in Norddeutschland ein wiederkehrendes Naturphänomen. Damit eine Sturmflut entsteht, müssen etliche Faktoren zusammenkommen. Das Hafengebiet ist bei einer Sturmflut in Hamburg häufig am stärksten betroffen.

Stadt Hamburg
Fläche 755,2 Quadratkilometer
Bevölkerung1,822 Millionen (30. Sept. 2016)
BürgermeisterPeter Tschentscher
Vorwahl040

Sturmflut – so entsteht sie

Die Gezeiten, auch „Tide“ genannt, treten im Zyklus von 12 Stunden und 25 Minuten auf und werden durch die Gravitation des Mondes beeinflusst. In Hamburg liegt der mittlere Tidenhub, der den Höhenunterschied zwischen Ebbe und Flut beschreibt, bei 3,66 Metern. Wenn nun ein starker küstengewandter Wind über die Nordsee fegt, drückt dieser Wind das Wasser zusätzlich landeinwärts. Gewaltige Wassermassen werden so vom offenen Meer durch die Elbmündung der Nordsee bei Freiburg/Elbe wie durch einen Trichter Richtung Hamburg gedrückt.

Hamburg liegt an der tidebeeinflussten Unterelbe, was nicht zuletzt die Entwicklung zur bedeutenden Hafen- und Handelsstadt ermöglicht hat. Dies hat jedoch den Nachteil, dass Hochwasser in Hamburg häufiger auftritt. Trifft dann auch noch ein Sturm auf die Flut, kann es in Hamburg zu einer Sturmflut kommen.

Vorhersage von Sturmfluten in Norddeutschland

Um die Schäden einer Sturmflut möglichst gering zu halten, ist die zuverlässige Vorhersage einer Sturmflut elementar. Moderne Techniken ermöglichen immer präzisere Wettervorhersagen. Die Schwere einer Sturmflut in Norddeutschland hängt vom Winkel und der Stärke des Windes ab, der auf die Küstenregion trifft.

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrophagie (BSH) gibt Warnungen zu erhöhten Wasserständen in Nord- und Ostsee aus. Erhöhte Wasserstände an der Ostseeküste können in der Region von Schlei/Trave bis hoch nach Dänemark für Überflutungen sorgen. Die aktuellen Pegelstände finden sich stets bei den Umweltdaten des Landes Schleswig-Holstein.

Die Wasserstandvorhersage für die Nordseeküste ist ein Indikator für Sturmfluten in Hamburg. Weitere sind zum Beispiel das Wetter in Horst Holstein und das Wetter in Krautsand nordwestlich von Hamburg. Durch den Lauf, den das Wasser nimmt, sind die Hochwasserhöchststände zeitversetzt. Tritt daher Hochwasser in Sankt Peter Ording, Hochwasser in Wedel oder Hochwasser in Horumersiel auf, ist auch eine Störung in Hamburg wahrscheinlich.

Wer den Wetterverlauf im Blick haben möchte, muss also auch die Entwicklung in den umliegenden Orte beachten. So zum Beispiel den Wetterbericht Delmenhorst, das Krautsand Wetter oder das Wetter in Oldenburg.

Andere betroffene Hochwasser-Gebiete

Hamburg ist nicht die einzige norddeutsche Großstadt mit dem Problem von Sturmfluten. Durch eine ähnliche Lage ist auch Bremen von diesem Phänomen betroffen. Besteht eine Wetterwarnung für Bremen, ist meist auch Hamburg betroffen. Das Haus Nordmeer Borkum ist eine Ferienanlage auf einer Insel nordwestlich von Bremen. Da Sturmfluten hier zuerst auftreffen, kommt der Insel eine wichtige Funktion als Frühwarner für Hamburg und Bremen zu. So kann hierdurch im besten Fall eine Flutkatastrophe in Hamburg verhindert werden.

Sogenannte Tidenkalender fassen die Termine für die Gezeiten zusammen. Die Uhrzeiten variieren je nach Ort der Küstenregion, sodass es separate Tidenkalender gibt. So gibt es einen Tidenkalender Dorum, einen Tidenkalender Otterndorf, Tidenkalender Duhnen, Tidenkalender Husum, Tidenkalender Sahlenburg, Tidenkalender Wremen und Tidenkalender Meldorf, die die Ausbreitung des Wassers bei der Flut wiedergeben.

Sturmfluten in Norddeutschland – ein chronologischer Abriss

Norddeutschland ist schon seit vor Beginn der Wetteraufzeichnung im 19. Jahrhundert von Sturmfluten geplagt. In alten Chroniken ist von Naturkatastrophen und Deichbrüchen zu lesen.

Dank neuester Frühwarntechnologien und geschickter Stadtplanung können Sturmfluten heutzutage nahezu ohne größere Schäden vorüberziehen und Fluten ziehen meist ohne Todesopfern vorüber. Ein paar erwähnenswerte Großereignisse gab es allerdings in den letzten Jahren im Norden Deutschlands:

  • 1717 Weihnachtsflut: größte bis dahin bekannte Sturmflut mit 11.150 Toten, 8.000 zerstörten Häusern und horrenden Verwüstungen entlang der Küste Deutschlands, Dänemarks und der Niederlande
  • 1721 Neujahrsflut: Zwei Dörfer gehen unter, die Düne der deutschen Insel Helgoland trennt sich ab
  • 1745: Die Stadt Bishorst versinkt im Elbe-Hochwasser.
  • 1825 Februarflut: Viele Halligen gehen unter, 800 Menschen sterben.
  • 1855 Januarsturmflut: In der Deutschen Bucht gibt es schwere Zerstörungen auf einigen Ostfriesischen Inseln. Auch das Alte Land und Hamburg-Wilhelmsburg sind betroffen. Es kommt zu Deichbrüchen und Überschwemmungen der Vier- und Marschlande.
  • 1936 Mittagsflut: In Cuxhaven reicht der Wasserstand mit über 9 Metern mehr als 3 Meter höher als bei normalem Hochwasser. Vor allem Gebiete an der Elbmündung sind betroffen.
  • 1954 Nordseeküste Sturmflutserie: mind. 70 Todesopfer an Land und auf See.
  • 1967 Bermpohl-Orkan: Schwerster Orkan in der Deutschen Bucht. Auf Helgoland herrschen konstant Windgeschwindigkeiten von fast 150 Kilometern pro Stunde. Die Böen erreichen Spitzengeschwindigkeiten außerhalb des Messbereiches der damaligen Anemometer. Das Seenotrettungsschiff Adolph Bermpohl verunglückte im Orkan und die vierköpfige Besatzung kam ums Leben.
  • 1973 Herbst Sturmflutkette mit mehr als 28 Sturmfluten in 30 Tagen, davon mind. 6 schwere bis sehr schwere. Schafe sterben auf Nordsee-Inseln, auf Sylt kommt es zu Dünenbrüchen.
  • 1999 Orkan Anatol: Geschwindigkeiten bis zu 200 Kilometer pro Stunde. Drei Menschen sterben. Auf Sylt bricht die Stromversorgung ab. Milliardenschäden in Dänemark. Im selben Jahr wütet Jahrhundert-Orkan „Lothar“ mit Böen von mehr als 272 Kilometern pro Stunde über Frankreich, der Schweiz und Süddeutschland.
  • 2013 Orkan Xaver: Bremen misst die höchsten Wasserstände seit 130 Jahren. Zahlreiche Dünen auf Sylt zerstört.
  • 2020 Orkantief Sabine: Viele Nordsee-Insel betroffen. In Sankt Peter Ording werden tote Seesterne angespült. Wangerooge hat keinen Badestrand mehr. Strandabbrüche auf Sylt.
  • 2020 Sturmtief Victoria: Der DWD warnt rechtzeitig. Die Deutsche Bahn muss den Verkehr wegen Ästen auf den Gleisen unterbrechen. Flüge werden gestrichen. Schlimmere Folgen können verhindert werden.

Sturmflut Hamburg 1962

Die Sturmflut 1962 war die bis heute verheerendste in Hamburg. Durch zahllose Deichbrüche wurde vor allem der Stadtteil Wilhelmsburg unter Wasser gesetzt.

Die Sturmflut 1962 in Hamburg war die bisher verheerendste.

Präventionsmaßnahmen

Damit derartige Katastrophen heutzutage nicht mehr auftreten können, wurden Schutzmaßnahmen, wie Wasserrückhaltebecken deutlich ausgebaut. Deiche werden streng auf Schäden kontrolliert und modernere Wettervorhersagen lassen rechtzeitig Schutzmaßnahmen greifen. In Hamburg sind Hochwasser heute nicht mehr in diesem Ausmaß aufgetreten und doch gehören diese quasi zum Stadtbild. Drohende Sturmfluten werden beim Deutschen Wetterdienst angekündigt. So kann jeder Bürger auch das Risiko einer Sturmflut an der Nordsee aktuell verfolgen.

Quelle: 24hamburg.de

Rubriklistenbild: © Daniel Bockwoldt/dpa/picture alliance

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